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2014/01/23

Couturen...


In Paris zeigen, eigentlich ist der Spass noch gar nicht wirklich zu Ende, gerade wieder die Meister der Mode, dass was ihre Versionen zum Thema Haute Couture sind. Das Themenspektrum reicht von der ganz großen Oper über Materialschlachten hin zum Cloud Atlas. Was da genau auf wen zutrifft lohnt eine Einzelbetrachtung. Achso, ein bisschen Dynasty ist auch dabei.


Valentino – Opern sind dann gut, wenn am Ende möglichst viele Beteiligte sterben, und keine haben ihre Heldinnen schöner sterben lassen als Puccini und Verdi. Allein wenn sich die Tosca am Ende von der Engelsburg stürzt und dabei zum letzten Mal das musikalische Thema aufflammt sträuben sich mir immer wieder die Nackenhaare auf. Ähnliche Wirkung haben die Kleider, die nun von Valentino als couturene Visionen vorgestellt wurden. Nicht nur Tosca, auch all den anderen weiblichen Figuren der Oper ist diese Kollektion gewidmet und die auf Tüll gestickte Partitur von Verdi's La Traviata gibt die Richtung vor.  
Mein persönliches Highlight sind aber gar nicht die überreich bestrickten und mit Applikationen versehenen Tüllträume, sondern die schlichten Säulenkleider in dramatischen Nichtfarben. In ihnen kann man sich Ibsen's verzweifelte Heldinnen darstellen, wie sie versonnen über norwegische Fjorde blicken oder eine Choreografie von Martha Graham (Headerbild).
Aber wenn es ein Highlicht gibt, muss auch etwas gegenteiliges vorhanden sein. Es gibt einen Schwanenkleid, das zwar ausgefeilter, aber nicht weniger dumpf ist wie das berühmte Original von Björk. Und leider war es nicht das einzig um den Hals gewickelte Tierabbild. Was als naive Applikation wunderbar in der Kollektion funktioniert, geht bei den tüllenen Cocktailkleidern leider schief.


Armani Privé – Mit dieser Kollektion feiert sich Giorgio Armani erneut selbst und zeigt auf neue, was in seinen Augen Eleganz ausmacht. Wenn bei seinen Ready-to-Wear Kollektionen die Models bedächtig schreiten, langweilt mich das schon nach dem dritten Outfit, bei der Couture hingegen ist der Schritt angemessen und macht die Raffinesse der einzelnen Kleider zu einem Genuss. Schließlich wird wohl auch keine Kundin nur ansatzweise in die Situation kommen dem davon fahrenden Bus hinterherrennen zu müssen. 
Nicht nur die Musik vermittelte den Eindruck des Orients, auch die ornamenthaften Stickereien, die schweren Seidenbrokate und zarten Chiffone tragen zum Eindruck von tausendundeiner Nacht bei. Die Allure für diese Kleider haben eigentlich nur arabische Prinzessinnen, die Kollektion scheint auch gar keine andere Kundschaft im Auge zu haben und Königinnen wie Rania von Jordanien ausstatten zu wollen. Naja, vielleicht stehen einige der Kleider auch Hollywooddiven ganz gut. Mal sehen ob eine der Damen etwas davon tragen wird!?


Chanel – Erst in bewegten Bildern schaffte es Karl Lagerfeld Sympathien für diese Kollektion in mir aufkeimen zu lassen, was aber gar nicht an den Kleidern lag, sondern an der Art der Präsentation. ich fand toll, wie die Mädchen jugendlich die Treppen runterrannten und damit dem immer gleichen Tweedquatsch Elan und Esprit verliehen. 
Ich bin wirklich zwiegespalten was die Kollektion betrifft. Die kurzen, in der Taille geschnürten Kleidchen sind madamig und mit den runden Stehkrägen auch schon tausendmal gesehen. In Kombination mit Sportschuhen lässt sich aber selbst ihnen eine modische Allure nicht absprechen. Allerdings bezweifle ich auch, dass die Chanelkundin dies dann so tragen wird und somit alles schnell wieder altbacken wirkt. Gelungen waren die langen Kleider, die auch mit einem Abendschuh getragen ihre Trägerin noch wunderschö aussehen lassen. 
Wirklich schlimm aber waren die Federungetüme, die an den Film Cloud Atlas erinnerten. Da halfen auch die Turnschuhe nicht mehr. 


Giambattista Valli – Der Farbkanon ist ähnlich dem von letzter Saison, royalblaue und karmesinrote Tupfer auf porzellanenem Weiß. Auch seine Könnerschaft im drapieren stellt der Designer wieder unter Beweis. Valli belebt mit seinen Entwürfen eher die Idee von Couture der 1950-er Jahre, also auf Korsagen konstruierte Cocktail und Abendkleider, deren Sinn es ist die Frau erstrahlen zu lassen und nicht zwingend Avantgarde sein wollen. Es fehlt zwar oft das überraschende Moment, aber die Kollektionen sind durchdacht vom ersten bis zum letzten Look. Die Kundschaft dankt es und kauft. Gerade dieser Aspekt ist bei einem Designer, der eine solche Kollektion eben nicht nur aus reiner Freude und aus Prestige machen kann, besonders wichtig. 


Christian Dior – Raf Simons hat einen guten Stofflieferanten und dessen Angebot gefiel scheinbar so gut, dass gleich das gesamte Angebot in der Kollektion untergebracht wurde. Ein Gitterwerk aus mit Laser geschnittenen Durchbrüchen und applizierten Ornamenten macht zwar die Kollektion sehr plastisch, aber leider nicht besser. Kristalline Strukturen und amorphe Silhouetten stehen sich gegenüber, gehen aber selten auf einander ein. Einzig die Inspiration für die Kollektion, die Keramiken von Valentin Schlegel aus den 1950-er Jahren lassen sich in der direkten Gegenüberstellung erkennen. Trotzdem fehlt die Spannung, der Ausdruck und vor allem eine schlüssige Aussage. Ganz böse ausgedrückt: Es sieht aus als hätte ein Abendschulkurs Modedesign sich an einem Haufen Vorhangstoffen verwirklicht. Einzig mit den Hosenanzügen, die wie immer unbeschreiblich gut geschnitten sind, kann mich Simons diesmal überzeugen. 
Nun kann sich ein Designer mal einen Fehltritt erlauben, und es war bisher sein einziger bei Dior. 


Versace – Donatella Versace's Kollektionen hingegen sind ja immer ein Fehltritt, aber das wenigstens konsequent. Da geht auch diesmal wieder um das Mehr! Mehr Schulter, mehr Trash und vor allem viel mehr SEX. 
Hätte man Grace Jones eine Gastrolle in Dynasty gegeben, wären genau das passenden Kleider für sie gewesen. Die Frau, die das tragen kann braucht schon einiges an Allure und Selbstvertrauen um darin nicht verkleidet zu wirken. Während die meisten Models unbeholfen über den Laufsteg stolperten nahm man Karlie Kloss ein einziger wirklich ab, förmlich mit der Marke verschmolzen zu sein. Es flackerte für einen kurzen Moment noch einmal die Glanzzeit der Marke auf, damals als Gianni eine Horde Supermodels für sich laufen hatte. 
Insgesamt ist das ein Haufen bunter Knete, der schwerlich als Mode bezeichnet werden kann und nur an Berlusconi'schen TV-Sternchen oder einer Jennifer Lopez ansatzweise zur Wirkung kommt. 

Natürlich waren das nicht alle Marken, die Couture im Programm haben. Zum Beispiel gab es zum ersten Mal wieder eine Schau von Vionnet und auch Schiaparelli war zum ersten Mal wieder auf einem Laufsteg zu sehen. Letzteres fand ich eher unbedeutend und Vionnet lohnt sich gesondert zu betrachten. 

Headerbild: Martha Graham in Lamentation, fotografiert von Herta Moselsio
Alle anderen Bilder: Style.com

2013/07/06

Paris Haute Couture HW-2013...


Was hat doch die Welt lange auf die Wiederbelebung des Hauses Schiaparelli warten müssen. Diego Della Valle hat lange ein Mysterium daraus gemacht wann die erste Kollektion zu sehen wird, und natürlich war die noch wichtigere Frage wer sie denn designt. Im Frühling wurde dann verlautbart, dass es kein geringerer als Christian Lacroix wird, was nicht unbedingt nur Euphorie hervorrief. Die nun gezeigte Kollektion gibt jenen Kritikern von damals recht, Schiaparelli wurde aus den Resten des untergegangenen Lacroix-Imperiums errichtet und sieht nun aus, wie ein Tribut, den sich der Meister selbst zollte. Wo aber steht in diesem Haufen verziertem Plunder die DNA von Schiaparelli?
E ist nicht einfach in große Fussstapfen zu treten, diese Lektion haben so ziemlich alle Nachfolger von Designikonen lernen müssen. Immer ist das Erbe mächtig, die Erwartungen der hinter den Labels stehenden Finanzgesellschaften groß und schließlich schaut dann auch noch die Modewelt mit kritischem Blick zu. Lacroix kennt doch eigentlich das Spiel und natürlich ist es ihm hoch anzurechnen, dass er es noch einmal hat versuchen wollen. Er wäre aber lieber bei seinen Bühnenkostümen geblieben, statt nun dieses bis vor kurzem noch wunderbar weiße Blatt Papier, dass Schiaparelli nach gut 50 Jahren Dornröschenschlaf ja war, mit seiner Signatur zu versehen. 
Schiaparelli hätte etwas frischeres gebraucht, einen Designer mit viel Respekt vor der Geschichte des Hauses und mit wenigen Hemmungen diese einfach auch mal beiseite zu legen und der Marke neue Facetten mitzugeben. Wir leben nun einmal nicht mehr in den 1930-er Jahren und die heutige Kundin lebt ein anderes Leben als die von damals. Das Haus braucht jemanden der eine neue Kundenschicht anzieht, was gerade zu sehen war erfreut höchstens eine Hand voll ehemaliger Lacroix-Fans.

Valentino
Wie schwierig es ist in große Fusstapfen zu treten haben auch Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Piccioli lernen müssen, auch sie hatten anfangs bei Valentino ein schweres Erbe zu verwalten und es gelang ihnen nicht von Anfang an ihre eigenen Ideen beim Publikum anzubringen. Mittlerweile ist das aber längst vergessen und die beiden Designer haben es geschafft Valentino als eines der Highlights jeder Modewoche zu etablieren. 
Gerade die Couture des Hauses ist jede Saison aufs neue ein Ereignis. Die Reise in die Wunderkammer eines Renaissancefürsten auf die sie uns nun mitnehmen bildet da keine Ausnahme. Der Brokatmantel mit dem gespiegelten Korallenmotiv ist eines der Highlights der Kollektion, aber selbst die einfachen Tageskleider sind bei Valentino ein Ereignis. Gemessen an der Größe der Kollektion kann man davon ausgehen, dass es eine enorme Nachfrage nach den Modellen gibt.
Auch Ulyana Sergeenko hat ihre Zielgruppe fest im Auge, ihre aus russischer Seele und zaristischem Pomp gewebten Kleider finden immer mehr Anhängerinnen. Haute Couture ist für sie mittlerweile nicht mehr nur ein Mittel zur Selbstdarstellung, sie nimmt dieses Metier ernst und das sieht man auch an den Kleidern. Einzig die Menge der Modelle überfordert sie, was dazu führt, dass alles ein bisschen durcheinander und zusammenhanglos wirkt. Aber bei dem von Ulyana Sergeenko vorgelegtem Tempo dürfte sie auch das bald im Griff haben und dann dürfen sich ein paar andere Häuser warm anziehen. 

Ulyana Sergeenko
Zum ersten Mal nach 13 Jahren zeigten auch Viktor & Rolf wieder eine Couture Kollektion, die sich einzig dem Schwarz annimmt und daraus eine asketische Zen-Garten-Allure vorspielt. Den beiden Designern ist es schon oft gelungen das Publikum mit Kollektionen zu beeindrucken, die nicht offiziell als Couture deklariert wurde, aber diese in kaum etwas nachstand. Der Symphonie in Schwarz hingegen fehlt es hingegen etwas an Kraft, sie überzeugt mich nicht.
Bouchra Jarrar hingegen macht genau das was sie immer macht, und noch dazu ganz großartig. Ihre moderne Interpretation des alten Metiers zeigt auf, dass sich auch die Couture weiterentwickeln kann ohne das Vorangegangene über den Haufen zu werfen. Allein die Tatsache, dass sie sich eben mehr auf die Tagesgarderobe konzentriert als all ihre anderen Kollegen zusammen, zeigt, dass sie es versteht die Lebenswirklichkeit einer Frau im Jahr 2013 in die Couture zu übertragen. Kein anderes Label zeigt so viele Hosen, die zu dem noch perfekt gearbeitet sind. 

Viktor&Rolf
Bouchra Jarrar
Haute Couture ist relevant, das zeigen in jeder Saison Designer wie der von mir favorisierte Giambattista Valli oder eben die großartige Bouchra Jarrar. Sie überholen Marken wie Chanel oder Armanis Privé Kollektion vielleicht nicht unbedingt in Bezug auf die Umsatzzahlen, aber auf jeden Fall erkennen sie den Zeitgeist und bedienen einen neue Kundin, die den antiquierten Couture-Stil ihrer Mütter übernehmen will, sondern nach zum Lebensgefühl passenden Marken gesucht und gefunden haben. 
Wie schön wäre es all die schönen Kleider im Fernsehen inszeniert zu erleben, ganz in der Manier von Margret Dünser und ihre Sendung 'Paris Aktuell'...

Alles bei anzuschauen bei Style.com

2013/07/03

Viva Valli...


Giambattista Valli sammelt Porzellan. Sèvres, Wedgewood und natürlich die Mutter des europäischen Porzellans Meissen finden sich genauso in seiner Sammlung, wie das zart verzierte neapolitanische Capodimonte. Für seine Haute Couture Kollektion lies er sich nun genau davon inspirieren.
Gruppen wurden unverkennbar einer dieser traditionsreichen Manufakturen gewidmet, auf zartes Blütenapplikationen in weiß (Capodimonte) folgte das für Wedgewood typische blau und das Rot von Sèvres. Und schließlich gab es noch wunderschöne Streublümchen von Meissen. 

Die ganze Kollektion bei Style.com

2013/04/18

Na Endlich: Lacroix Für Schiaparelli...


Lange genug hat es ja gedauert, doch endlich steht fest von wem die ersten Modelle für die Wiederbelebung des Hauses Elsa Schiaparelli sein werden. Kein geringerer als Charistian Lacroix wird für die erste Kollektion bestehend aus 15 Couture-Modellen verantwortlich zeichnen und damit ein neues Kapitel in der Geschichte des doch recht aufregenden Modehauses aufschlagen. 
Doch ein wirkliches Ende gefunden hat die Geschichte damit nicht. Lacroix's Kollektion ist ein Gastspiel, die Position des Artistic Directors ist noch immer vakant. Zumindest aber wird es wieder einmal ein kleines Modespektakel geben, ein Highlight bei den Haute Couture Schauen im Juli. Und Monsieur Lacroix hat die Chance nach einer kleinen Abstinenz und Ausflüge hin zum Bühnenkostüm der Welt zu zeigen, dass er ein großer Meister des Handwerks und in der Erschaffung phantastischer Roben ist. Und somit goldrichtig bei Schiaparelli.

Bildquelle: Vogue.de

2013/01/24

Paris Haute Couture FS-2013: Valentino, Saab, Gaultier, Margiela...


Das Kleid von Tom Ford, dass Gwyneth Paltrow bei der Oscarverleihung im letzten Jahr trug, scheint durchaus modischen Einfluss gehabt zu haben, zumindest hatten nun sowohl Ellie Saab als auch Valentino Modelle mit über die Schulter gelegten Capes in ihren Kollektionen. Die Abendmode spielt eine so große Rolle, dass ein Großteil der Kleider eben dafür auch gemacht sind. Nun stehen die Oscars wieder kurz bevor, mal sehen ob Kleider von Saab oder Valentino dann über den roten Teppich laufen. 
Pierpaolo Piccioli und Maria Grazia Chiuri verlassen den Pfad der Romantik und fügen der Marke ein Quäntchen Simplizität zu. Es stechen die Kleider heraus, die eben mal nicht über und über bestickt sind. 


Ellie Saab hingegen hält an Altbewährtem fest und zeigt eine nach Harmonien und Farbthemen geordnete Kollektion. Auf transparenten Tüll werden feine Stickereien aufgebracht, die aussehen als wären sie direkt auf die Haut gestickt. Die Zartheit und Eleganz der Kollektion ist unübersehbar. 


Jean Paul Gaultier ist ganz handzahm, dementsprechend brav ist auch die Kollektion ausgefallen. Da hilft auch der Madonna-Gedächtnis-Spitzbrust-Korsagen-Look nicht. Im ersten Teil der Kollektion ist auch ein bisschen die Lustlosigkeit des Designers zu erkennen, die Streifenlooks sind schon im Original bei Marc Jacobs nicht wirklich schön. 


Glückwunsch, Maison Martin Margiela ist nun ganz offiziell Mitglied im kleinen Kreise des Couturies. Für den kommenden Sommer mixen die Designer hinter der Marke ihre typischen gestrichenen Stoffe mit zarten Stickereien. Es entstehen Kleider, die die selbst ein Paul Poiret nicht hätte besser machen können. 

Alle Bilder von hier

2013/01/23

Paris Haute Couture FS-2013: Armani, Chanel, Bouchra Jarrar...


Armani Privé ist Couture für Bond-Frauen, augenblicklich kamen mir die 80-er Jahre mit ihrem nicht ganz subtilen Glamour in den Sinn. Andererseits erinnern die Modelle auch an Interiors des Art Deco, an Eileen Gray's schwarz gelackte Möbel und Wandschirme. Diese Looks sind gemacht für arabische Prinzessinnen und Frauen wie Cate Blanchett, für Palastgarten und Oscarverleihungen. Doch eigentlich zeugen alle Modelle nur davon, dass Giorgio Armani es versteht Frauen unbeschreiblich schön aussehen zu lassen, sie weder als Püppchen auszustaffieren noch sie zu Objekten zu degradieren. 


Karl Lagerfeld hingegen fügt seiner Puppensammlung jede Saison neue Modelle hinzu. Fairerweise muss ich zugeben, dass es wunderschöne Abendkleider in der Kollektion gibt, aber die Kostümchen, denen meist auch noch ein merkwürdiges Beinkleid hinzugefügt wurde, lassen sowohl Sexappeal als auch Modernität vermissen. Zwar ändert sich hin und wieder der Farbkanon, aber es sind immer die gleichen Silhouetten und Schnitte. Klar kann man nun den Einwand bringen, dass Chanel eben Chanel ist und es ein Erbe gibt. Doch selbst Karl Lagerfeld betont immer wieder, dass Coco Chanel nicht immer das Gleiche gemacht hat und sich ihre Mode und die Idee, wie eine Frau zu sein hat weiterentwickelte. Warum also herrscht dann solcher Stillstand?
An Chanel zeigt sich deutlich, dass eine zu große Nachfrage und die damit einhergehende Überflutung nicht unbedingt dienlich sind, wenn es darum geht einem Haus Relevanz zu geben. Kein Wunder auch, wie soll ein Designer 6 Kollektionen mit immer zwischen 60 und 90 Runwaylooks bewerkstelligen, wie soll ihm immer wieder was Neues einfallen können? 


Bouchra Jarrar verbindet in ihren Kollektionen den Anspruch an das Metier der Haute Couture mit Modernität. Es sind keine 'Traumkleider', sondern Kleidungsstücke, die dem 'normalen' Leben der Trägerin standhalten. Sie ist damit durchaus eine Exotin, schließlich ist diese Mode eigentlich nicht gedacht um damit auch mal Brötchen holen zu gehen. 

Bilder von hier

2013/01/22

Paris Haute Couture FS-2013: Valli, Mabille, Versace...


Hätte Giambattista Valli eine Winterkollektion vorgestellt, hätte ich genau diese Looks grandios gefunden. Für den Sommer sind mit vor allem die an Schneeleoparden erinnernden Drucke zu eintönig. Es fehlt der Kollektion ein bisschen an sommerlicher Leichtigkeit. Und auch bei den Abendkleidern wäre weniger mehr gewesen. Wahrscheinlich (und hoffentlich) ist die Kollektion aber so groß, weil einfach die Nachfrage nach Valli's Couturekreationen so groß ist.


Alexis Mabille hat noch immer nicht den Bogen raus zu erkennen, wann viel einfach zuviel ist. Seine Kleider wirken im besten Falle überladen, oft aber auch einfach nur billig. Es ist schwer zu finden, aber hin und wieder gibt es dann auch ein Highlight. In diesem Fall ist es der gegürtete Blazer über dem bodenlangen Volantrock. 


Und auch Frau Versace hat in diesem Jahr ein bisschen zu viel gewollt. Changierende Stoffe zu Neonfarben, Pelz in Streifen auf Kleider genäht und dann noch Gold – da ist schwer ein roter Faden auszumachen. 

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2012/08/29

Ringel, Ringel, Reihe...


Franz Xaver Winterhalter war der Chronist des Adels in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Er malte Kaiser und Kaiserinnen, Könige und alle die, die an den europäischen Höfen von Bedeutung waren. Seine drei Bilder von Elisabeth von Österreich prägten das Sissi-Bild, und die von ihren Hofdamen umgebene Kaiserin Eugenie stellt all die Pracht des Zweiten Kaiserreiches zur Schau. Einen Tableaux Vivants gleich posierten die Modelle vor ein paar Wochen auf Sizilien und präsentierten in exclusivem Kreis die Haute Couture Kleider von Domenico Dolce und Stefano Gabbana. 
Aufwendig sind diese Kreationen, besetzt mit allerlei Zierendem nehmen sie den Betrachter und vielleicht auch die spätere Trägerin mit auf eine Zeitreise. Krinolinen stützen die Kleider und lassen die Oberkörper zierlich erscheinen; die Puppenhaftigkeit der Frauen ist ein Gegenentwurf zur emanzipierten Sexyness (oder wie auch immer man das interpretieren mag), die sonst über den Laufsteg von Dolce&Gabbana läuft. 
Fraglos steht der nicht unberechtigte Vorwurf der Untragbarkeit im Raum, doch allgemein ist die Haute Couture nur in Ausnahmefällen wirklich wirtschaftlich und dient hauptsächlich als Marketinginstrument um noch mehr Taschen, noch mehr Sonnenbrillen und vor allem ganz viel Parfum verkaufen zu können. Die Einladung nach Sizilien war eine Möglichkeit die Topredakteure und ein paar Superstars zusammenzutrommeln und deren Anwesenheit zu nutzen ein bisschen gut Wetter zu machen. Zu diesem Zweck konnten die Krinolinen eigentlich gar nicht groß genug sein, jedes mehr an Tragbarkeit hätte dem PR-Anliegen sogar schaden können. Auch und gerade weil die Schwierigkeiten in Bezug auf die Steuer noch nicht Überstanden sind und das Einstampfen von D&G den Designern noch in den Knochen sitzt, ist es wichtig zu zeigen wo man sich selbst sieht, nämlich ganz oben in der Meisterklasse der Mode. 



Via Swide

2012/07/04

Haute Couture HW-2012: Elie Saab...


Die Kleider von Elie Saab sind für Prinzessinnen gemacht, nur mit einer entsprechenden Allure lassen sich diese Kleider tragen. Seine Kundinnen finden sich nicht nur in den europäischen Königsfamilien, sondern auch in denen des nahen Ostens. Eleganz wird ganz großgeschrieben, Sexappeal hingegen nur zurückhaltend eingesetzt. Wunderschön sind die Sachen auf jeden Fall immer. 

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Haute Couture HW-2012: Armani Privé...


Giorgio Armani lässt ja bekanntlich sehr gerne zwei Models ins fast gleichen Kleidern nebeneinander laufen, mal um einen geht es um eine Verdeutlichung einer Idee und mal um eine zweite Farbe. Dieses synchrone aufmarschieren finde ich bei der Couture tatsächlich ganz nett anzusehen, bei seinen anderen Kollektionen hingegen eher störend. Besonders die eher weniger spektakulären Modelle gewinnen so noch etwas an Reiz. 
Ins gesamt war die Kollektion sehr typisch für den Designer. Palazzohosen, kleine Käppchen und viele elegante Kleider wurden wieder gezeigt, dazu Kasacks mit tiefen Ausschnitten und überschnittenen Ärmel. Lässig sah es auch, und die Farben und gut fallenden Stoffe unterstützen diese Wirkung noch zusätzlich. Auch Sophia Loren und Claudia Cardinale, 'Il Gattopardo' gehört zu Armani's immer wieder zitierten Filmen, dürfte es gefallen haben. 

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2012/07/03

Haute Couture HW-2012: Givenchy...


Dass Riccardo Tisci das Handwerk der Haute Couture beherrscht daran besteht kein Zweifel, doch waren mir seine Entwürfe in den letzten Jahren meist etwas zu unbelebt. Die Samurai's und Kriegerinnen waren zu starr und leblos. Die nun gezeigten Modelle gehen wieder in Richtung Kleidung, sie verbinden die Kunst mit der Mode. Besonders die Mäntel sind einen genaueren Blick wert. 

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Haute Couture HW-2012: Giambattista Valli...


Lee Radziwill hat einen Stammplatz bei Giambattista Valli, ihre Eleganz adelt die erste Reihe. Sie kann selbst zweimal hintereinander das gleiche Kleid tragen, bereits im Sommer letzten Jahres trug sie orange, und versprüht trotzdem Charme und Stil. Daneben verblassen dann all die Anna's und Ulyana's in ihren teils grenzwertigen Kostümierungen. 
Teils etwas zu kostümhaft kamen leider diesmal auch Valli's Modelle daher. An Blumen- und Waldfeen erinnerten die Mädchen, ungemein blumig für eine Herbst Winter Kollektion waren die Kleider. Während die zarten Blumenmuster und Applikationen noch zauberhaft wirkten, hätte der Designer auf den Federmantel allerdings lieber verzichten sollen. 
Trotzalledem sind Giambattista Valli's Kreationen wunderschön, tragbar und bei den Kundinnen Begehren weckend. Innovatives findet man hingegen nicht, aber das ist auch nicht die Ambition hinter der Kollektion. 

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Haute Couture HW-2012: Chanel...


Schattierungen von Grau mischt Karl Lagerfeld mit pudrigen Rosatönen, Frauen jenseits der 65 mögen das und tragen es auch gerne. Chanel denkt eben an seine Kundinnen. Einzig die jungen Gesichter der Models, jener unter 20-jährigen, wie Lindsay Wixson, geben den Kollektionen ein Stück weit Frische. Auch wenn Chanel Abverkaufszahlen hat von denen andere Marken nur träumen können und als eines der wenigen sogar noch mit der Haute Couture Gewinne einfährt, Meilensteine der Mode wird es wohl erst wieder geben, wenn mal ein neuer frischer Wind durch Rue Chambon Nummer 31 weht.

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2012/07/02

Haute Couture HW-2012: Christian Dior...


Wie sehr die Jil Sander Kollektion für den kommenden Herbst schon eine Vorschau auf Raf Simons Debüt bei Christian Dior sein würde, das wurde dann heute sehr deutlich. Raf Simons führt die im Februar zu sehende Linie fort, egal für welches Haus er nun arbeitet. Im ersten Moment war ich doch enttäuscht von dem was gezeigt wurde, ich habe wohl mehr Fantasie erwartet. Doch die Kollektion geht einfach subtiler mit dem um, was die Couture ausmacht: perfektes Handwerk und besondere Materialien. 
Raf Simons begann die Schau mit Hosenanzügen, schlichten schwarzen Ensembles. Die Form der Jacke griff eines der berühmtes Modelle von Christian Dior auf: Bar. Eine schmale, eng sitzenden Jacke mit angesetztem Schoß begründete den New Look mit und wurde zu einem weit schwingenden Rock kombiniert. Statt zum Rock trug das Model sie mit einer schwarzen Hose, dem Teil weswegen Yves Saint Laurent Anfang der 1960-er Jahre den Chefposten hat aufgeben müssen. Raf Simons ging also in die Geschichte zurück und hat zwei Meilensteine in der Geschichte der Mode in einem Outfit kombiniert. Auch die weiteren Modelle waren den Archiven entnommen und neu interpretiert. Bestickte Teepuppenkleider mit ausgeformten Bustiers und rundgeschnittene Mäntel. 
Transparente Chiffonoberteile hingegen hätte es in den 1950-er Jahren nicht gegeben, auch keine schmalen Kleider aus teils geschorenen Pelzen. Von den neuen bedruckten steifen Seiden ganz zu schweigen. Hier kommt Couture im 21. Jahrhundert an und Raf Simons zeigt meisterhaft wie sich die Geschichte einer Marke und die eines Couturiers, denn das ist Simons quasi seit heute, verbinden lassen. 

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2011/07/22

Best Of Haute Couture HW-2011 (2)...





Zum Wochenende gibt es den zweiten Teil der Couture-Serie, zu Teil 1. geht es hier.

2011/07/19

Best Of Haute Couture HW-2011 (1)...


Es wäre ein Traum diese Kleider für ein Shooting ausgeliehen zu bekommen, gleichzeitig aber auch vollkommen unrealistisch. Deshalb habe ich meine Lieblingslingslooks der vergangenen Haute Couture Schauen ausgesucht und mehr oder wenige gelungen zu Papier gebracht. Vor allem einige Gesichter lassen zu wünschen übrig, von den Händen ganz zu schweigen.





Dies sind die ersten fünf, weitere werden folgen...

2011/07/09

Paris Haute Couture HW-2011: Azzedine Alaïa...


Die Absage an Dior muss sich für Monsieur Arnault wie ein Schlag ins Gesicht angefüllt haben. Gleichzeitig war es ein Statement: Azzedine Alaïa braucht Dior nicht, der 71 Jährige ist selbst schon Teil der Modegeschichte.
Zum ersten Mal nach acht Jahren präsentierte er seine Kollektion wieder und löste tosenden Beifall aus. Der 25 Teile der Kollektion zeigen meisterlich Alaïa's Wissen um Proportion und auch darum, wie man eine Frau schön und sexy macht.
Auch Topmodels wissen im übrigen die Kunst des gebürtigen Tunesiers zu schätzen, gerade erst trug Jessica Stam, Gesicht der diesjährigen MBFWB, eines seiner Kleider. Wie im Vorjahr übrigens schon Karolina Kurkova.






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2011/07/08

Mademoiselle Couture - Charlotte Casiraghi...


Wenn die Großmutter eine Ikone ist und die Mutter zu den schönsten Frauen der Welt gehört, ist eigentlich fast ausgeschlossen, dass beim Nachwuchs diesbezüglich irgendwas aus dem Ruder laufen könnte. Charlotte Casiraghi wurde schon mit 16 in den Kreis der 10 bestgekleideten jungen Damen aufgenommen, mit 20 dann der Ritterschlag durch die Vanity Fair. Seitdem behauptet sie sich spielend auf dem Feld der Mode und des Stils.
Geboren wurde sie 1986 als zweites Kind von Prinzessin Caroline und dem italienischen Industriellen Stefano Casiraghi, der 1990 bei einem Rennbootunfall ums Leben kam. Die Aura der Grimaldis, von manchen als Fluch bezeichnet, umweht sie allein durch ihre Familiengeschichte. Selbst allerdings lebt sie bislang sehr skandalfrei, wahrscheinlich auch weil Prinzessin Caroline sehr um die Privatsphäre bemüht ist und dies auch auf das Verhalten ihrer Kinder abfärbt.
Ebenso wie sich der Geschmack vererbt hat. Wenn Karl Lagerfeld als Freund der Familie ein und aus geht, steht ausser Frage, dass Couture nicht nur ein abstrakter theoretischer Begriff ist, sondern Teil der alltäglichen Garderobe. Und wer dann noch Monaco als Spielplatz hat, kann sich dem auch nicht entziehen.
Die Hochzeit von Fürst Albert II. und Fürstin Charlène war ein Ereignis, dass auch den Stern Charlotte wieder ein bisschen mehr zu funkeln brachte. Ihre Eleganz und Grazie, gleichzeitig auch die von der Mutter geerbte Strenge, machten sie nach der Braut zur zweiten Highlight des Tages. Selbst Schönheiten wie Mary von Dänemark oder die immer strahlende Maxima hatten es da schwer.


Zum Ball nach der kirchlichen Trauung trug Charlotte ein Kleid mit Cape von Giambattista Valli. Es war nicht nur eine Hommage an Grace Kelly, es erinnerte an gleich zwei Kleider aus Hitchcock's 'Über den Dächern von Nizza'.
Eine rote Version des Kleides präsentierte Valli dann zwei Tage später bei seiner ersten Haute Couture Schau.



Zu Trauung im Palasthof trug Charlotte Chanel. Das Hauslabel von Prinzessin Caroline gehört auch zu Charlotte's Favoriten.
Das Kleid stammte aus der Kollektion für den aktuellen Sommer und wurde vorher bereits von einer weiteren Chanel-Freundin getragen, nämlich Diane Kruger.


Bilder 1,3 und 5 von Style.com, Bild 2 von Vogue.it und Bild 4 von Glamour.com