2011/11/21

Lucien Lelong...


Lucien Lelong hatte nicht gerade ein leichtes Los gezogen als er 1937 zum Leiter des Chambre Syndicale de la Haute Couture berufen wurde. Bis 1945 hatte er die Position inne und es gelang ihm, allen Bestrebungen der deutschen Besatzer zum Trotz, die Haute Couture, jene urfranzösische Institution, durch diese schweren Jahre der Besatzung und des Krieges zu führen. 
1940 wurde Lucien Lelong nach Berlin beordert um sich dort folgenden Plan Adolf Hitlers anzuhören: Im Berliner Tiergarten, da wo zu dieser Zeit die Siegesallee Reichstag und Potsdamer Platz verband, sollte die 'Straße der Mode' entstehen. Albert Speer wurde angewiesen Pavillons und Villen zu konzipieren, in denen Pariser Couturehäuser neben deutschen Modesalons eine Heimat finden sollten. Worth-Paquin, Robert Piquet, Alix Grès und Molyneux sollten nach Berlin, also in das geplante 'Germania', übersiedelt werden und dem Reich Schick verleihen. Und natürlich sollte auch Lelong sein Haus verlegen. Berlin sollte die Hauptstadt der Mode werden in dem man die Mode aus Paris holte. 
Nun kam es glücklicherweise nicht soweit, weil der Krieg und die Niederlage Deutschlands diese Pläne zunichte machte. Gleichzeitig versetzte Hitlers Bestreben die Couturiers in die glückliche Lage weiterhin recht gut arbeiten zu können, denn keinesfalls wollte man das was man begehrte noch vor der Umsiedlung zerstören. Die Arbeitskräfte der Modehäuser bekamen zusätzliche Lebensmittelrationen und wurden auch vom Einsatz als Zwangsarbeiter befreit. Und natürlich wurden den Häusern auch Stoffe zugeteilt, trotz der allgemeinen Knappheit. 
Im Gegenzug liessen die Nazis ihre Liebschaften in Couture kleide und die Zuhause gebliebenen Ehefrauen wurden mit spezieller Konfektion beliefert. Die beliebteste Konfektionsgröße war die 46, zierlich waren die Germaninnen nicht gerade. Eva Braun wurde übrigens von Annemarie Heise eingekleidet. Nachdem Hitler die Herzogin von Wales auf dem Obersalzberg empfangen hatte, wollte er seine Geliebte auch nicht mehr in biederen Dirndl'n sehen, doch statt Pariser gab es für sie 'nur' Berliner Chic.


Auch wenn die Pariser Couturiers sich durchaus mit den Nazis arrangierten, würde ich sie nun nicht als Kollaborateure bezeichnen. Es waren wohl eher Arrangements, die nicht wenigen Menschen halfen in dieser schweren Zeit für das tägliche Brot zu sorgen. Und glücklicherweise ist ja alles gut gegangen und dank Lucien Lelong wurde die Couture in einen neue schillernde Ära geführt. 
Lucien Lelong arbeitete sehr früh mit jungen Talenten zusammen, die für ihn Kollektionen erstellten. Nach dem ersten Weltkrieg machte er sich einen Namen mit eleganten Kleidern, die den Stil der 1920-er Jahre vorwegnahmen; Mitte der 1920 waren es vor allem kleinen schwarze Kleider für informelle Anlässe. Nach dem Krieg schloss er sein Haus und verstarb 1958 im Alter von 68 Jahren.
Zwei seiner Modellisten überstrahlten ihn und führten die Haute Couture zu neuen Höhen. Christian Dior und Pierre Balmain prägten nach dem Krieg einen neuen Stil und ihre Namen sind noch heute in aller Munde. Lucien Lelong ist nur noch wenigen ein Begriff. 
Doch ist eines seiner Kleider hat sich durchaus ins kollektive Gedächtnis eingebrannt, als Teil einer der wichtigsten Fotografien der Modegeschichte. Erwin Blumenfeld lies 1939 die grazile Lisa Fonssagrives hoch über Paris tanzen, auf den Stahlträgern des Eiffelturms. Dabei wehte ein Kleid von Lucien Lelong im Wind. 

Bilder von hier und hier

Kommentare:

  1. ein sehr unbeleuchtes Kapitel der Pariser Modewelt die Zusammenarbeit mit den Nazi-BesatzerVon dieser Umsiedlungsgeschichte nach Berlin wusste ich nichts, sehr gut das es nie soweit gekommen ist. Mein Boulevard ist immer noch der " Ku-Damm ".
    Siegmar

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  2. wie süss, der siegmar!

    FRED*

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