2012/01/30

Klimt Und Die Mode...


Wien war das Zentrum des Kunsthandwerks und die Wiener Secession wurde in Opposition zum tonangebenden Wiener Künstlerhaus gegründet. Der Secessionsbau von Joseph Maria Olbrich ist noch heute das Sinnbild des Wiener Jugendstils, genauso wie der Werke von Gustav Klimt. Seine Bilder sind nicht nur reine Malerei, sondern stehen dem Kunsthandwerk und der Dekoration nahe. Besonders an den schmückenden Wandmalereien wird dies erkennbar, aber auch auf den mit Ornamenten und Mustern versehenen Portraits der Emilie Flöge, von Adele Bloch-Bauer und natürlich bei Klimts berühmtesten Werk 'Der Kuss'. 
Was um 1900 revolutionär war, verkam in den letzten Jahren zum Kitsch. Wenn Gustav Klimt im Juli seinen 150 Geburtstag feiert und allein in Wien unzähligen Ausstellungen sein Schaffen ehren, wird dies vielleicht auch zu einer Neubetrachtung von Klimts Werk führen. Und auch der modische Aspekt wird nicht zu kurz kommen, denn Klimt hat sich als bildender Künstler auch mit Mode beschäftigt. Auf Fotografien sieht man ihn oft in bodenlangen Kitteln, die der Reformbewegung zuzuschreiben sind. Für den Couture-Salon der Schwestern Flöge entwarf er Muster, die die formlosen Kleider zu Kunstwerken machten. 
Einer der letzten Sätze der von Gustav Klimt überliefert ist lautet: "Emilie soll kommen". Emilie Flöge war nicht nur ein fester Bestandteil der Wiener Boheme und wurde seit 1891 immer wieder von Klimt portraitiert, sie war auch über Jahre hinweg seine Geliebte und Vertraute. 1904 eröffnete sie nach einer Schneiderlehre einen Couture-Salon, zusammen mit ihren beiden Schwestern Pauline und Helene. Sie war Muse und Modeikone, und Reformerin. 


Es war keineswegs ungewöhnlich, dass sich Künstler und Architekten mit Mode auseinandersetzen. Gerade die der Secession angehörenden Künstler beschäftigten sich allumfassend mit den Bedürfnissen des Lebens und arbeiteten eng zusammen. Eines der Meisterwerke der Zeit war sicherlich die Villa Stoclet in Brüssel. Josef Hoffmann schuf den architektonischen Rahmen und Gustav Klimt fertigte dafür den berühmten Stoclet-Fries für das Speisezimmer der Villa. Gleichzeitig designte Hoffmann auch die Räume für Emilie Flögers Modesalon und entwarf sogar selbst Kleider, wie das schwarzgrundige Reformkleid mit weißen Relief-Applikationen. 
Die Reformkleider waren ein Gegenentwurf zur vorherrschenden, durch das Korsett bestimmten Mode. Die Kleider fielen lose am Körper herunter und sollten die Frau befreien. Gleichzeitig war es eine intellektuelle Mode, die nicht weniger elitär war, als andere Modeerscheinungen der Zeit. Es waren Hauskleider für wohlhabende Frauen, und wenige Männer. 


Kein anderer Designer kommt wohl der Idee des Reformkleides so nahe, wie Rick Owens in seiner aktuellen Kollektion. Die Ambition hinter seinen Kleidern ist allerdings wohl eine andere, als man sie vor 110 Jahren in die Kleider implizierte. Statt der Befreiung des Körpers geht es in gewisser Hinsicht um Beschränkung. Einzig das Verswischen von Geschlechtergrenzen ist beiden gleich. 

Bild von Gustav Klimt und Emilie Flöge in Reformkleidern, Reformkleid von Josef Hoffmann (Sammlung Österreichisches Museum für Angewandte Kunst), Rick Owens Men's Twisted Gown

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