2012/01/11

Über Männermodeblogs...



"Within 2008, there was a massive bloom in blogs and I think everybody was writing at Blogspot", so Derek Guy (Blogger, was sonst). Nun schreiben wir mittlerweile das Jahr 2012 und die Blogwelt hat sich verändert. Nicht nur ist die Zahl derer, die einen eigenen Blog betreiben um ein vielfaches gestiegen, auch die Akzeptanz des Mediums hat sich verändert. GQ.com hat nun Blogger und Leute aus der Wirtschaft interviewt und nach deren persönlichen Erfahrungen befragt. Herausgekommen ist nicht nur eine Bestandsaufnahme über den Stand des Mediums an sich, sondern vor allem wird die Entwicklung der Männermode analysiert. 
Das Interesse an Männermode hat in den letzten Jahren einen enormen Sprung gemacht. Allein wenn man sich die Anzahl der Labels anschaut, die mittlerweile auf all den Fashion Weeks rum um den Globus ihre Kollektionen zeigen, kann man dies sehen. Von den Messen ganz zu schweigen. Wenn in Berlin in der kommenden Woche wieder alles im Zeichen der Mode steht, sind es Messen wie die Seek und die Premium Men, die vor allem herausstechen. Und natürlich die Bread&Butter. Angesprochen werden da Männer die sich für authentische Mode interessieren und bereit sind mehrere hundert Euro für eine Jeans oder ein paar Schuhe auszugeben. Doch nicht weil es um das Mitmachen von Trends geht, sondern weil vor allem wieder Firmen gefragt sind, sie auf Authentizität setzen und eine eigene Geschichte transportieren. Warum tragen wir plötzlich Schuhe von Red Wings? In den Werbeagenturen muss man sich wohl kaum Sorgen darum machen, plötzlich in einer Öllache zu stehen. Aber die Schuhe versprechen eben 'der beste Freund' zu sein, der ideale Begleiter in allen Lebenslagen, selbst wenn die Wahrscheinlichkeit, dass diese je eintreten gleich Null tendieren. 'Pieces made with intergrity' beschreibt sie Cory Ohlendorf, Editor von Valet, und sagt weiter "...it helped illuminate the process of how you got a really well-made shoe or the steps it takes to build a really well-fitting jacket."
Männer interessieren sich für Mode die eine Aussage hat, nicht einfach nur trendy ist. Die Entwicklung der Männermodeblogs, vornehmlich natürlich der amerikanischen Vertreter, baute von Anfang an auf dieses Interesse und daraus entwickelte sich dann eben auch der Erfolg von Seiten wie Valet, und natürlich, mit einen Verlag im Rücken, der von men.style.com. Bevor die Seite 2009 zu GQ.com umgewandelt wurde, waren es Leute wie Josh Peskowitz, die auf lässige Art und Weise Männermode dem 'Leser' näherbrachten. Er sass dann schon mal zusammen mit seinem Kollegen im Kleiderschrank und diskutierte über die richtige Geldbörse für den Mann, die Whiskyflasche auf dem Tisch und beide unheimlich lässig. Es war eben nicht die steife Zeigefingermentalität, die bisweilen mit Stilfragen einhergeht und hierzulande auch heute noch von dem ein oder anderen 'Stilexperten' gepflegt wird. Da reden Männer über Mode, die danach in einer Bar abhängen oder im Park Fussball spielen. Kein Wunder, dass sich damit plötzlich dann auch eben Jungs identifizieren konnten, die eher verstört auf einen Haarreifen tragenden David Beckham reagierten. 
"I think guys are feeling more comfortable. I think what helps is, these [blogs] are done by real guys, [readers] have a sense of who they are. It makes them more comfortable getting advice from bloggers." Damit trifft Scott Schuman den Nagel auf den Kopf und so liegt auch Nick Woosters Schluss nahe: "I think it's just totally changed the dynamic of how guys shop." Männer wollten so aussehen wie die Typen in den Blogs, die Typen die The Sartorialist auf der Straße ablichtete. Alles wirkte modern und modisch, aber eben nicht angestrengt. "I think that Michael Williams (A Continuous Lean) was the guy who said, it is possible to create a men's fashion/lifestyle blog that is something other than hot new sneaker releases for 19-year-olds or, "Let's all dress like Cary Grant." Something in between. And that was, I think, the thing that spawned 1,000 imitators.", so Jesse Thorn

"You could say the double monkstrap shoe is a blog phenomenon." Josh Peskowitz

Nun sind wir in Bezug auf Männermode anderen Zyklen unterworfen. Abgesehen von dem was man auf dem Laufstegen sieht, brauchen Männer länger um Trends zu adaptieren. Auch vielleicht weil Kaufentscheidungen bedachter getroffen werden, was auch durch das neue Markenbewußtsein bedingt ist. Hat sich ein Mann erstmal entschieden 300€ für ein Paar der oben schon einmal erwähnten Schuhe auszugeben, kauft er sich nach zwei Monaten nicht Neue, einfach weil er plötzlich nicht mehr ohne die andere Farbnuance leben kann. Scott Schuman bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: "Men's fashion doesn't move as fast. Men's is more about subtlety and the fit and women's is more about cut and newness. I like that difference—I hope men are never moving that fast." Erfolgreiche Männermodeblogs haben genau deshalb eine Anhängerschaft, weil sie mehr auf den Servicegedanken setzen statt 'Trends' aufzuzeigen. Vertrauen ist das Schlüsselwort. Der Leser hat das Gefühl, dass der Typ sich auskennt und ihm keinen Scheiß andrehen will. Neuerdings spielen damit auch kommerzielle Seiten, vor allem Onlineshops. Neben den zu verkaufenden Produkten gibt es Berichte und Interviews, die einen Mehrwert zum bloßen Einkauf darstellen. Man besucht Seiten wie Mr. Porter auch, weil es dort spannendes zu lesen gibt und man neue Leute 'kennenlernt'. 
Zum Schluss ist nun noch die Frage zu klären, welchen Stellenwert Männermodeblogs in Deutschland haben. Es ist schwierig für mich das zu analysieren, weil mein Standpunkt nie der eines reinen Konsumenten war. 2006 habe ich angefangen zu bloggen und natürlich auch Blogs gelesen. Vornehmlich waren und sind es amerikanische Blogs, die mein Interesse auf sich ziehen. Vergleiche ich diese nun stelle ich fest, dass immer die Einfluss auf mich hatten, die eben eine Meinung darstellten und deren Macher keine PR gesteuerten Hündchen sind, sondern Männer mit klar erkennbaren Standpunkten. A Continuous Lean war von Anfang in meinem Reader, neuerdings gehört auch Isaac likes zu den Favoriten. Besonders an letzterem schätze ich eine sichtbare Offenheit, was Meinung angeht. Mir fallen noch einige weitere Beispiele ein, zum Beispiel Mister Mort, Jake Davis und viele mehr. Vergleichbares aus Deutschland zu finden ist schwierig. Horstson, aber das wars dann auch eigentlich schon. Entweder sind die Blogger zu jung und ich bin einfach nicht Zielgruppe, oder sie treffen nicht meinen Geschmack. Während amerikanische Männermodeblogs klar auf eine Zielgruppe ab 30 abzielen, weil sie selbst in genau dem Alter sind und wissen, was diese Männer wollen, sind viele hiesige Blogger einfach sehr jung und Mode wird ganz anders behandelt. Doch obwohl viel vom Ende der Blogs geunkt wird, ist hier noch einiges zu machen. 


Kommentare:

  1. sehr guter Artikel, mir ist der Servicegedanke wichtig bei Blogs, das zudröhnen mit Werbung geht bei mir überhaupt nicht. Gute Information über Mode und interessantes Beiwerk/Lifestyle bewirken bei mir das Interesse einen Blog zu lesen und dann auch öfters wieder reinzuschauen.
    Was mir auffällt, auch bei den Blogs, die Du hier genannt hast, ist eine ganz banale Frage:
    " warum ist es eigentlich hip als Mann immer die Hosenbeine hochzukrempeln bzw. gleich als Hochwasserhose zu kaufen " irgendwie versteht den Sinn nicht. Weißt Du eine Antwort ?
    Siegmar

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  2. Vielleicht ist es eine Art Peter Pan-Syndrom, Männer wollen nicht erwaschen werden und tragen lausbübisch zu kurze Hosen?

    Ich glaube eher, dass es wie bei allen Trends keine wirklich Erklärung gibt. Aufgekommen ist er meiner Ansicht nach mit den Looks von Thom Browne, die ja schon eine radikale Neuerung darstellten, bzw. so ganz entgegen den anderen Designerlooks waren. Der Trend entstand gleichzeitig mit den Blogs also um 2005/2006, er wurde also sehr schnell verbreitet (durch Blogs wie The Sartorialist) und auch im Casual Bereich adaptiert. Und er hält sich noch heute...
    Wenn ich gerade an mir runterschaue, sehe ich auch ne gekrempelte Chino :-)

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  3. Schöner Artikel zum Thema. Was mir in letzter Zeit bei deutschen Blogs wirklich sehr negativ auffällt, und das liegt wahrscheinlich auch daran dass die Blogger hierzulande wirklich um einiges jünger sind, ist, das ganze Sponsoring. Die Jungs freuen sich, dass sie was umsonst kriegen und versuchen auf Teufel komm raus, die Teile zu kombinieren und zu tragen. Das nervt.

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  4. Was die 'Geschenkeflut' kann ich nur Mutmassungen anstellen, denn ich bekomme tatsächliche keine Sachen zugeschickt. Allerdings ist es bei den Frauen auch gängige Praxis, es kann also durchaus sein.

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