2011/08/31

The Power Of Blogging...


Bloggen ist ein Geschäft, soweit haben wir das alle mittlerweile verstanden. Die Mechanismen dahinter sind aber weit weniger leicht zu durchschauen, vor allem dann, wenn es darum geht warum Blogs als Geschäftsmodelle funktionieren. Imran Amed öffnet nicht nur das Business hinter der Mode, sondern zeigt auf, wie strategisch Blogger agieren und welche Erfolge damit verbunden sein können.
Mit der Rubrik 'The Business of Blogging' hat BOF nun eine Reihe ins Leben gerufen, die sich vor allem den Globalplayern der Branche annimmt und deren jeweilige Geschichte und die aktuellen Geschäftsstrategien analysiert. (Wobei man gleichzeitig sagen muss, dass was für die Einen funktioniert nicht gleichzeitig beim Nächsten auch klappen muss.) Nach Susanna Lau und Tommy Ton wird nun die äusserst umtriebige Elin Kling vorgestellt. Seit 2007 bloggt sie immer unter Verwendung ihres Namens und ganz klar unter Verwendung ihre hübschen Gesichts, was den Wiedererkennungswert in meinen Augen deutlich mehr erhöht, als die meisten Phantasienamen die sich Blogger gerne geben.
Wie wichtig einzelne Blogger sind, ist die Gretchenfrage in der ganzen Geschichte. Eine wirkliche Antwort darauf kann man deshalb nicht geben, weil dies von der subjektiven Sicht des Lesers aus gesehen werden kann, aber natürlich auch an Fakten durchaus messbar ist. Das hohe Besucherzahlen seltener mit der Qualität der Blogger zu tun haben, als vielmehr mit deren Umtriebigkeit und Selbstvermarktung ist ein alter Hut, gleichzeitig kann ein kleiner Blog für seine Leser das Nonplusultra sein, was ebenfalls bekannt sein dürfte.
Obwohl ihr Blog in Schweden sehr schnell die Nummer Eins war, und auch sicherlich viele deutsche BloggerInnen Elin Kling schon lange kennen, wurde ich erst durch die Zusammenarbeit mit H&M auf sie aufmerksam. Es glich hierzulande einer Revolution, dass eine Bloggerin von einer Modekette berufen wurde eine Kollektion zu designen. Liest man allerdings den Artikel bei BOF wird klar, dass Kling von Anfang an auf den 'Celebrity-Faktor' gesetzt hat und sich die nötige mediale Aufmerksamkeit mehr oder minder zurechtbastelte. Kling verstand von vornherein das Eigen-PR der Schlüssel zum Erfolg als Blogger sein kann.
Aber das war sicherlich vor fünf Jahren einfacher, schließlich brachten erst diese Erfolgsgeschichten junge Frauen und Männer darauf selbst zu bloggen. Die Vorreiterrolle von The Sartorialist ist bekannt, interessanter sind aber die nationalen Entwicklungen und Erfolge, um Leute dazu zu bringen dieses Medium für sich zu nutzen. Doch gleichzeitig wird auch sichtbar, woran die zweite Bloggergeneration eigentlich scheitert. Ging in den Anfangsjahren die Etablierung von Blog's mit inhaltlicher Qualität und viel Spaß am ausprobieren einher, verlaufen sich junge BloggerInnen heute gerne in inhaltsloser Beliebigkeit. Eigene Themen werden zu Gunsten schnell wiedergekäuter Pressemitteilungen vernachlässigt, was dann letztendlich auch dazu führt, dass die Industrie Blogs als billige Kanäle zum Transfer von Informationen und PR wahrnimmt.
Wenn also über Milchmädchenblogger gesprochen wird, ist das durchaus berechtig und seit dem Vortrag vor einem Jahr hat sich auch wenig geändert. Wobei Kling fraglos zu denen gehört, deren Krug nicht auf dem Weg zu Markt gebrochen ist und wo aus einem Liter 'Milch' ein beachtliches Gehöft wurde.
Ob der Blog inhaltlich der ganzen Aufmerksamkeit noch gerecht wird, muss ebenfalls verhandelt werden. Es gibt genug Beispiele dafür wo bestenfalls die Anzahl der Posts abnimmt, oft ist es aber die Qualität der Inhalte die unter der Umtriebigkeit der Blogger leidet. Da ich Kling nicht wirklich verfolge, kann ich keine Vergleiche ziehen. Sicher ist aber, dass es kein Blog ist der für mich persönlich Relevanz hat, weil er sich zu sehr um die Persönlichkeit der Bloggerin dreht. Was aber nicht negativ gemeint ist, sondern der Blog eher den Fokus auf Frauen ähnlichen Alters richtet und ich da zwangsläufig aus der Zielgruppe rausfalle. (Dennoch punktet sie mit einen Post zur Situation in Afrika. Die meisten Blogger nutzen ihre Reichweite wenig bis kaum und verstecken sich, wenn man die beklagt, immer hinter der Ausrede doch ein Modeblog zu sein und solche Themen würden einfach nicht passen!)
Zum welchem Schluss kann man also kommen, wenn man anhand solcher Geschichten Vergleiche mit den hiesigen BloggerInnen? Viele Blogs haben potenzial, doch ist es langfristig unumgänglich sich zur 'Geisel' von Medienpartnern zu machen, weil diese ein geregeltes Einkommen sichern. Und nicht zu vergessen, auch die PR-Möglichkeiten haben um den Blog zu promoten. Das es dann zwangsläufig weniger um die eigene Meinung als um die Befindlichkeiten der Werbepartner geht ist klar. Kling schlüpft dann mal schnell in Marc Jacobs, deutsche BloggerInnen halt in Gummistiefel. Oder aber treten in Werbespots von Mobilfunkanbietern auf, die nicht zwangsläufig das Image aufwerten und die Glaubwürdigkeit der BloggerInnen stützen.
Löst man sich hingegen von der Vorstellung, dass ein Blog zu 100% den Lebensunterhalt decken kann, bedeutet bloggen nicht nur viel Spaß, sondern kann auch wunderbar das eigene Leben zu einem Zeitpunkt X reflektieren.


Kommentare:

  1. Sehr schön und interessant geschrieben. Anmerken möchte ich allerdings, dass es sich bei dem Blog von Elin Kling nicht um einen persönlichen, sondern einen Corporate Blog handelt. Sie bekommt ein monatliches Gehalt fürs Bloggen. Und nicht jeder von uns hat noch einen 9to5 Job neben dem Schreiben und kann sich von der Vorstellung, damit Geld zu verdienen, lösen.

    AntwortenLöschen
  2. Naja, sie ist Teil einer ähnlichen Struktur wie wir sie ja von Lesmads kennen. Letztendlich ist aber für viele ihre Person ausschlaggebend zur Identifikation.

    Natürlich haben wir (mich eingeschlossen) alle mehr oder minder den Traum, dass dieses Pflänzlein mal Geld bringt. Bei der Masse an Blogs ist es aber nicht realistisch, dass alle davon leben können. Also muss man sich von dem Gedanken lösen und es mehr oder minder (und ich hasse das nun kommende Wort) als Hobby betrachten. Was aber gleichzeitig eine viel größere inhaltliche Freiheit mit sich bringt.

    AntwortenLöschen
  3. ich denke, das Du damit Recht hast, man muss entscheiden was wichtig ist, will mit dem Blog viel Geld verdienen od. mache ich es um meine Ansichten darzustellen und dann inhaltlich eine grosse Freiheit zu haben. Wobei ich das 2. besser finde ( Naja ich bin Blogleser, kein Bloger ).Wenn brianboy tatsächlich mit seinem Blog jährlich ( nach eigener Aussage ) 100.000 USD verdient ist das schon bemerkenswert, aber letztendlich kpl. seiner freien Meinung beraubt, wie man auf seinem Blog sieht und mit Werbung übersät.
    Siegmar

    AntwortenLöschen
  4. Zu mal, weil die Tante aus dem Mobilfunkanbieter-Spot den Job nur bekommen hat, weil der Freund ihrer besten Freundin bei der Agentur arbeitet, die diesen Spot abgedreht hat. Und mal ehrlich ein Spot, der nur ein einziges Mal ausgestrahlt wird, den schenken wir keine Aufmerksamkeit, oder? Spots bohren sich besonders in unsre Köpfe, weil sie immer und immer wieder gezeigt werden.

    AntwortenLöschen