2014/11/20

Meditation Fürs Auge - View, Kyoto Von Jacqueline Hassink...

Das Draußen und das Drinnen verschmelzen in den Tempelanlagen von Kyoto und bilden eine Einheit, die nicht durch störende Fenster getrennt wird. Die Natur wird einbezogen und die durchaus nach Ebenmass und Harmonie gestalteten, nur scheinbare Natürlichkeit darstellenden Gartenanlagen sind Ruhepunkte für das Auge und lassen den Geist Entfaltungsfreiheiten. Bei Hatje-Cantz erschien nun ein Bildband, der der Schönheit dieser Anlagen Tribut zollt und den Betrachter mit auf die Reise nimmt: 'View, Kyoto – On Japanese Gardens and Temples' von Jacqueline Hassink.
In Etappen entstanden Serien, die in drei Sektionen das Aussen, das Innen und eben das Zusammenspiel dieser beiden Bereiche in wunderschönen Bilder dastellt. Der niederländischen Fotografie gelingt es ruhige, meditative Bilder zu schaffen und den vorherschenden Geist des Orts sichtbar zu nach machen. Es braucht nur wenige Seiten um quasi in die Bilder hineinzufallen und sich darin für einen Augenblick verlieren zu können.
Auch die Gestaltung des Buches ist gelungen, von der Wahl des Papiers bis hin zur besonders schönen Gestaltung des Einbands. Einziger Wehmutstropfen, das betrifft aber Fotobücher im allgemeinen, sind doppelseitige Bilder, die unglücklich durchtrennt werden. Ausklappseiten wären in dem Fall doch ratsam um die Schönheit des Motivs nicht zu (zer)stören. 
Natürlich ist 'View, Kyoto' ein Nischenbuch. Buchenthusiasten, Fotografiefans und Gartenliebhaber finden aber ganz sicher Gefallen an diesen Titel, der seiner Schönheit wegen weniger ins Regal als auf den Coffeetable gehört.



'View, Kyoto – On Japanese Gardens and Temples' von Jacqueline Hassink ist erschienen bei Hatje-Cantz und kostet 68 €. Gleichzeitig findet im Huis Marseille, Amsterdam eine Ausstellung von Jacqueline Hassink statt. 
Vielen Dank an Hatje-Cantz für das Rezensionsexemplar. 

2014/11/18

Buchtipp: Pierre Lemaitre - Wir Sehen Uns Dort Oben...

100 Jahre nach Ausbruch des ersten Weltkriegs wird der Buchmarkt förmlich überschwemmt von Büchern, Sachbücher wie auch Belletristik, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Aber ehrlich gesagt, eigentlich ist das nicht mein Thema. Ich käme kaum auf die Idee im Buchladen einen Titel in die Hand zu nehmen, der sich damit beschäftig, von kaufen ganz zu schweigen. 
Vor zwei Wochen bekam ich eine Mail vom Klett-Cotta und mir wurde Pierre Lemaitres Roman 'Wir sehen uns dort oben' zur Rezension angeboten. Immerhin wurde der Roman mit einem der wichigsten französischen Literaturpreise, dem Prix Concourt ausgezeichnet (den hat auch Marcel Proust gewonnen). Das Buch kam, ich hatte gerade nichts anderes zu lesen zur Hand und noch bevor das erste Kapitel zu Ende ging, war ich gefangen vom Schicksal des Soldaten Albert, der durch widrigste Umstände im Laufe des Buches fast stirbt, mehrmals in die Hose pullert und sich vor allem für einen Freund aufopfert, der im kurz vor Kriegsende das Leben rettet und dabei selbst schwer verletzt wird.
Lemaitre, der sich bislang das Genre Krimi bediente, ist es gelungen einen spannenden Roman zu schreiben, der, wie noch vor wenigen Minuten ein Literaturkritiker im Radio bezusteuern wußte, an Balzac, Zola und die anderen großen Literaten des 19. Jahrhunderts erinnert. "Lemaitre nimmt Wendungen, die auch im 'Glöckner von Notre Dame' zu finden sind und beschreibt Millieus wie Zola", ganz frei zitiert...
Am Ende wird alles irgendwie gut, zumindest die Gerechtigkeit siegt und als Leser kann man das Buch zufrieden zuklappen. Glücklicherweise, ein offenes Ende und gar die Aussicht auf Fortsetzung wäre dann doch zu viel des Guten gewesen. An die Spannungsbögen von Carlos Ruiz Safón gelingt es Lemaitre dann doch nicht heranzureichen, auch wenn durchaus Ansätze dazu da sind und die Geschichte das hergeben würde. Vielleicht möchte der Autor seinen Akteuren das nicht mehr zumuten, gerade Albert hat eh schon viel zu erdulden. 
Wie schon eingangs erwähnt, eigentlich war das Buch nicht ganz mein Thema und vielleicht hat es mich gerade deshalb gefangen genommen. Jetzt vor Weihnachten ist es auch ein guter Geschenketipp. Vielen Dank an Klett-Cotta für die Möglichkeit einen Roman zu entdecken, den ich sonst wohl links liegen gelassen hätte.

2014/11/11

Vintage...

Gelohnt hat sich der Kauf der Hose von Dior Homme aus der Winterkollektion 2007, es war auch die letzte von Hedi Slimane für die Marke, eigentlich nicht. Ich hatte sie höchstens fünfmal an, was heruntergerechnet bedeutet, dass jedes Mal tragen 105 Euro gekostet hat. Und seit sechs Jahren hängt sie im Schrank, selbst das Schild von der letzten und einzigen Reinigung ist noch dran. Was macht man also mit einem solchen Teil, dass durchaus emotional aufgeladen ist, von dem es mir schwer fällt mich zu trennen und das trotzdem wenig Chancen hat jemals wieder getragen zu werden?

2014/11/07

48h Amsterdam...

Für Amsterdam sind zwei Tage eigentlich zu wenig, trotzdem war es genug Zeit um einen ersten Eindruck zu bekommen und wiederkommen zu wollen. Michael hatte Anfang der Woche Termine und ich habe die Chance genutzt mitzukommen.
Vom Hotel aus war es zehn minütiger Fussweg vorbei an Grachten und historischen Bürgerhäusern bis in den Stadtkern, bis zum Rijksmuseum und zu den hübschen Einkaufsstrassen rund um Keizersgracht. An die Fahrräder und das verstörende Fahrverhalten der Amsterdamer kann man sich gewöhnen, allerdings waren die sonntäglichen Menschenmassen in den engen Strassen doch recht anstrengend. Da die Geschäfte auch an Sonntagen geöffnet haben, kann man sonntäglichen Eintracht deutscher Innenstädte hier nicht erwarten. Es war war aber auch eine gute Gelegenheit die schicken Amsterdamer zu sehen, die den Deutschen diesbezüglich schon noch einen Schritt voraus sind.
Am Montag habe ich dann nochmals die Stadt erkundet und vor allem die schönen, individuellen Gecshäfte angeschaut die Amsterdam zu bieten hat. Das Foam Museum für zeitgenössische Photograpie lag auf dem Weg, ebenso das Museum Van Loon, wo ganz wunderbar der Einrichtungsstil reicher Amsterdamer Kaufmannsfamilien im 18. und 19. Jahrhundert erhalten ist. Am Dienstag morgen hatte ich dann noch Zeit fürs Rijksmuseum, wobei ich mir in den drei Stunden dort nur einen kurzen Überblick habe verschaffen können. Das Museum ist riesig, die Eingangshalle hat die Größe eines Fussballfeldes und während sich die meisten vor Rembrandt's Nachtwache zusammenfinden, hat man in den restlichen Räumen ziemlich seine Ruhe.
Die Zeit verflog ziemlich schnell, trotzdem war es ein Ausflug mit vielen neuen Eindrücken. Auf jeden Fall habe ich Lust wieder hinzufahren.

Rembrandt's Nachtwache im Rijksmuseum
'Modern Times' im Philips-Flügel des Rijksmuseums
Drawing Room im Museum Van Loon
Marie Stella Maris – Best shop in town

2014/10/31

Bücher Im Oktober...

Aus Wien habe ich mir zwei Bücher mitgebracht, die durchaus als Nachwehen des Kurzurlaubs zu sehen sind und direkt mit den Impressionen der ehemals kaiserlichen Residenz in Zusammenhang stehen: 'Der Alltag des Kaisers' und 'Das Leben adeliger Frauen'. Beide Bücher, Martina Winkelhofer ist deren Autorin, beschreiben das Gefüge am österreicherisch-ungarischen Hof und das Funktionieren der Hofgesellschaft. Natürlich sind es Nischenthemen, mein Geschmack wird aber sehr genau getroffen.
Auch Thomas Mann's 'Zauberberg' ist ein Nischenthema und zu dem ein ziemlich harter Brocken, der wohl auch noch weit in den November hinein immer wieder von mir gelesen werden wird. Natürlich ist es Weltliteratur, doch muss man sich schon einlassen und manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich abschweife und der stellenweise recht trockenen Geschichte dann nicht mehr zu folgen vermag. Dann ists besser das Buch beiseite zu legen und gegen etwas leichteres einzutauschen:
Z.B. 'Shocking Life', der Autobiografie von Elsa Schiaparelli. Der Parthas Verlag aus Berlin bringt diesen Titel neu heraus. Die Wiederbelebung der Marke steigert das Interesse an der Person Schiaparelli und für den modeaffinen Leser ist das Buch durchaus spannend. Zudem ist der Titel auch ein schönes Geschenk, gerade wo Weihnachten vor der Tür steht.

2014/10/30

Wer Bitte Braucht Ein Neues Poiret?

Zu den wichtigsten Nachrichten der Mode in dieser Woche dürfte zweifellos gehören, dass das Haus Paul Poiret einen neuen Eigentümer sucht und damit wohl gleichzeitig die nächste Wiederbelebung eines großen Namen der Mode ins Haus steht. Die britische Finanzcompany Savigny Partners, Eigentümer an den Namensrechten, gab bekannt, dass die Firma zum Verkauf steht. Sicherlich hatten die Herren Arnault (LVMH) und Pinault (Kering) gleich nervöse Zuckungen, schließlich sind beide Firmen wohl die Hauptadressaten für solche und ähnliche Pressemitteilungen.
Doch lohnt es sich wirklich ein Haus wieder aufleben zu lassen, dass 75 Jahre lang von der Bildfläche verschwunden war und nur Modekennern noch ein Begriff war? Natürlich gehörte Paul Poiret zu den großen Innovatoren und Befreiern der Frauenmode, zu den Wegbereitern der modernen Kleidung frei von eng geschnürten Miedern und überlangen Schleppen. Er war auch der Erfinder von Modeevents, erkannte als erster die Marktchancen von Designerparfums und Accessoires für Kunden, die sich vielleicht kein Kleid leisten konnten und trotzdem ein Stück Poiret besitzen wollten. Und trotzdem geriet das vor dem ersten Weltkrieg gefeierte Modehaus nach dem Krieg in eine finanzielle Schieflage aus der es sich nicht mehr erholte und Poiret, einst König der Couture, musste mit ansehen wie die Mode plötzlich von energischen Frauen wie Madame Vionnet, Madame Lanvin und natürlich Mademoiselle Chanel dominiert wurde.
Ein Haus Poiret braucht die Mode nicht. Aus Respekt vor einem übermächtigen Erbe wäre wenig Neues davon zu erwarten. Selbst in der Couture wäre kein Platz mehr für Ballet Russes und Humpelröcke, Mode ist schließlich ein Geschäft und wird nicht mehr auf Rennbahnen oder Seinekänen präsentiert. Poiret sollte Mythos und Inspiration bleiben, die einstige Rolle als glänzender Vorreiter der Mode des 20. Jahrhunderts sollte nicht durch triviale Geschäftsinteressen und Marketingmethoden des 21. Jahrhunderts geschmälert werden, da diese das Haus nicht mehr an die Spitzen bringen.
Übrigens gab es auch aus anderen Häusern News und Poiret ist auch nicht einzige Wiederbelebung. Courreges hat unter neuen Eigentümern schon eine neue Boutique eröffnet und wird wohl wieder von sich hören machen, Harvey Weinstein will Charles James wieder aufleben lassen und auch von Mainbocher's reanimierung habe ich irgendwo gelesen...

2014/10/21

Oscar De La Renta Ist Tot....

Oscar de la Renta wollte mit seiner Mode niemanden verstören, nicht durch Untragbarkeiten von sich reden machen oder durch große Inszenierungen Blicke erhaschen. Er sah sich selbst am ehesten als Verschönerer, vielleicht sogar als Frauenversteher. Eleganz war seine Devise. 
In den vergangegen 50 Jahren hat sich der Designer, der in der Dominikanischen Republik geboren wurde und dessen Freude an Farben und Schönheit da begründet liegt, nicht nur zum einflussreichsten Modemacher Amerikas hochgearbeitet, sondern auch einen Stil geprägt, der Leinwanddiven, Präsidentengattinnen und 'Lady's who lunch' gleichermassen in Verzückung versetzte. Jackie, Nancy, Barbara, Hillary und Michelle wussten und wissen, dass in einem Kleid von Oscar de la Renta Fehltritte fast ausgeschlossen sind. 
Oscar de la Renta verstarb gestern im Alter von 82 an einem Krebsleiden.

Bildquelle: Style.com