2018/12/05

😱

Was ist bei Chanel schiefgelaufen? 
Eines der ersten Bilder heute morgen – noch verschlafen im Bett liegend und schon wieder Instagram schauend – zeigte mir Pharrell Williams in einer nicht gerade relaxed wirkenden Pose bei der gestrigen Métiers d'Art Präsentation von Chanel. Vor dem Tempel von Dendur posiert er als pharaonischer Goldjunge und wirkt als wenn er ganz sehr gerne lieber wo ganz anderes wäre. Kleine Kinder stehen so, wenn sie sich schämen. Und dieses Outfit war zu schämen. 
Karl Lagerfeld übertreibt es ein wenig mit seinen Zeitreisen. Inspiration sollte so umgesetzt werden, dass sie trotzdem im Zukünftigem beheimatet ist. Bei Chanel jedoch wird eine Mottenkiste nach der anderen aufgemacht, und diese hätte lieber im Wüstensand vergraben bleiben sollen. 
Hinzu kommt diesmal, dass wirklich vieles einfach schlecht sitzt und die Materialien billig wirken. Von den Faschingsbedarfstrumpfhosen will ich gar nicht erst anfangen, diese sind nur das Tüpfelchen auf dem I (oder IHHHH). Die weißen Seidencrepeunterkleider machen aus den Models noch lange keine Hoheprosterinnen im Tempel der Isis...
Vor 15 Jahren schickte John Galliano für Dior Kleider auf den Laufsteg, die ebenfalls von den golden Zeiten der Pharaonenherrschaft inspiriert waren. Galliano versuchte nicht Tragbares zu zeigen, seine Kundinnen sollten sich ganz auf diese Phantasien einlassen oder eben gar nicht. Lagerfeld hingegen scheitert mit dieser Kollektion in meinen Augen gewaltig, weil er eine kommerzielle Pre-Kollektion künstlerisch aufladen möchte. Es ist übertrieben, aber leider in die falsche Richtung. 
Natürlich werden sich die Teile verkaufen, alles bei Chanel verkauft sich. Zweimal tragen, dann nie wieder aus dem Schrank holen – Chanel macht sich mit Kollektionen ohne modische Relevanz selbst zur Fast Fashion Marke. Chanel ist das Primark der Superreichen!?

(Das Netz ist voll von Bildern, Google hilft.)

2018/12/04

Thank You, Next

Es ist eigentlich nicht viel an der Pre-Fall Show von Dior Men auszusetzen. Die Location, Tokio?, ist interessant; Set und Licht bild- und videotauglich; die Accessoires verkäuflich. Innovation war es nicht gerade, viele Teile von anderen Designs inspiriert (Margiela, Neil Barrett, Hugo Boss...) Das Zeug wird Abnehmer finden, keine Frage. Doch warum braucht es nun auch für Männer Pre-Fall Shows?
Mode macht satt. Langeweile stellt sich im Wochentakt ein und das Gefühl nichts anzuziehen zu haben ist chronisch geworden. Gleichzeitig sättigt die Flut an Neuem, die damit einhergehenden Bilder und der Zwang kaufen zu müssen. Man möchte das Übernächste, bevor das Neue da ist... Thank you, Next!

2018/11/29

36 Is Over Soon

Das ist wieder ein Geburtstagspost, das hatte ich schon öfter hier. Morgen ist es wieder soweit, die Zahl ändert sich: 37
Ich schaue in den Spiegel und fühle mich wohl mit mir selbst. Das gabs manchmal nicht, mit dem Alter wird es immer einfacher mich selbst zu mögen. Einfach zu dem zu stehen, den ich da sehe – nicht anderen gefallen zu wollen und einer Idee von mir gerecht zu werden, die morgen auch schon wieder obsolet sein darf. 

2018/11/28

Golden Shower

Den halben Tag habe ich gestern auf der Leiter verbracht, abends schmerzte dem alten Mann der Rücken und die Beine. Aber das Werk ist vollbracht, Weihnachtsfenster im Goldrausch sind fertig. Wie anders kann man Saint Laurent Partykleider darstellen als in einer Psychedelic-Disco-LSD-Rausch-Umgebung? Eine harmlose Inspirationsstory des ganzen gibt es auch: Klimt's Stoclet Fries.

2018/11/26

Underrated

Random Identities nennt Stefano Pilati sein Projekt, dem er sich nach dem Weggang von Zegna und den Glanzjahren bei YSL nun seit geraumer Zeit widmet und das vor ein paar Tagen offiziell bei ssense vorgestellt wurde. Die gezeigten Kleidungsstücke sind ohne Geschlechterzuordnung, sie reflektieren eine Mode nach der Mode. 
Das Aufbrechen männer- und frauenspezifischer Kleiderregeln ist keine Neuerfindung Pilatis, aber gerade weil verstärkt Geschlecht thematisiert wird wichtig. Es geht auf der einen Seite um Frauenquoten und andererseits wünschen sich viele klassische Rollenbilder mit klar umrissenen Grenzen. Random Identities stattdessen bezieht sich geschlechtslos auf den Menschen.
Mainstream ist die Mode nicht, da sie zwar nicht wie bei Rick Owens Kreationen zum Beispiel den Körper deformiert und nahezu performativen Charakter hat, aber eben auch nicht einfach auf Hose oder Rock, Kleid oder Anzug setzt. Es fängt schon damit an, dass Retailer Random Identities schlecht auf der Fläche zuordnen können, da das klassische Ladengeschäft auf Geschlechtertrennung ausgelegt ist. 
Aktuell werden die Teile deshalb beim Onlinehändler ssense und bei Dover Street Market angeboten. Es ist eine avantgardistische Ausrichtung, der in Berlin ansässige Pilati fügt sein Label bei den Avantgarden ein und findet dort auch seine Abnehmer, die bei den verhältnissmässig güstigen Preisen wohl schnell zuschlagen werden. 
Ich bin froh, dass Stefano Pilati wieder ein wenig im Modezirkus mitjonglieren möchte. Clowns haben wir gerade einige in der Manege, aber es wird Zeit für ein Gegengewicht. Natürlich muss Mode eine Aura des schwer Erreichbaren evozieren. Sie sollte es aber durch Kreativität und neue Konzepte tun, statt nur die Preise immer weiter nach oben zu setzen. 
Es wird interessant sein, die Teile zu befühlen und zu schauen ob sie standhalten können. Meine Bestellung ist unterwegs...

Bildquelle: ssense

2018/11/25

Ewigkeit

Heute ist Totensonntag, oder Ewigkeitssonntag, nicht wirklich ein zelebrieter 'Feiertag' in meinen Leben, aber eine Konstante. Vor dem Totensonntag bleibt der Weihnachtsschmuck auf dem Speicher, die Weihnachtslieder ungehört. Das halte ich bis heute so und bekomme auch immer ein schlechtes Gefühl, wenn ich vor der ersten Adventswoche geschmückte Fenster sehe und 'All I want for Christmas' doch irgendwo läuft. 
Ich käme auch nicht auf die Idee am Totsonntag einen Knopf anzunähen, auch so ein Aberglaube aus der Kindheit. Man näht sein Totenhemd heißt es! Den einen Tag halte ich dann auch gerne ohne Nadel in der Hand aus. 

Tindr You, Tindr (Not) Me

Objektivität ist gefragt bei der Partnerwahl. Da es aber kaum möglich ist diese selbst an den Tag zu legen, gibt man am besten sein Handy in fremde Hände und lässt andere machen. Ich habe genau das machen dürfen, also die Auswahl treffen. Und klar, wer ist besser geeignet als ein schwuler Mann mittleren Alters? 
Ich fühle mich als Amor, habe nur etwas mehr an und keinen babyspeckigen Po mit zu kleinen Flügeln – Mein Finger ist der Pfeil, mein Ego davon überzeugt in Schwarze zu treffen!
Eine Theorie ist ja, dass Jungs jedes Mädchen liken, Mädchen hingegen eher disliken. Die Jungs erhöhen so einfach ihre Chancen, irgendeine wird schon anbeißen. Da könnt was dran sein, wie kann man schließlich allein anhand von nem Bild bewerten? Mehr Angaben hat man da nicht, dabei wäre viele anderen um einiges spannender. Manche hatten ihre Lieblingskünstler bei Spotify verlinkt, einer dann David Guetta angezeigt... RAUS! Und auch die Instagramaccounts kann man begutachten und Selbstdarstellungen als fussballernder Technofan bewundern... DRIN!
Zwischenzeitlich überfiel mich aber auch eine ganze Menge Mitleid mit all den Jungs, die einfach nicht das richtige Shirt tragen, vor falschem Hintergrund posieren oder einfach nur ziemlich normal sind. Nett sind sie wahrscheinlich alle irgendwie, und Einige auch einsam und auf der Suche nach Liebe. Ich habe sie geohrfeigt, zumindest fühlt sich jedes Wischen wie eine an. 
Masochismus ist Teil des Spiels, die Datingseite ist Shoppingportal. Und Folterkammer!
Aber das Spiel ist noch nicht zu Ende, es muss nun geprüft werden, wie gut mein Job als Liebevermittler wirklich ist. Scheitern meine Vorschläge, muss hoffentlich niemand mit Liebeskummer die Vorweihnachtszeit überstehen. Sollte wirklich was draus werden, überdenke ich eine Jobwechsel und werde Tindr -Agent. Ich stelle ne Bude auf Weihnachtsmärkte und Volksfeste und verlange für jedes 'Ja' drei Euro, für alle 'Neins' zehn...

2018/11/24

Rain

Während gerade die Herren Dolce und Gabbana sich in Schadenbegrenzung versuchen, aber eigentlich nur aussehen wie zwei begossene Pudel auf der Resterampe des Überflussgesellschaft, halte ich doch lieber weiter das Fähnchen für Prada in die Luft. Da bleibt man nicht im Regen stehen, auf Nylon ist Verlass! – Unbezahlte Werbung