2016/02/07

Good Bye...

Jetzt sind wieder drei Monate vergangen in denen hier kein Post veröffentlicht wurde. Es fehlte die Muse, der Antrieb. Das Medium erscheint einfach nicht mehr richtig. Ich mache mir noch immer Gedanken über Mode und all die anderen Sachen, die auf dieser Plattform diskutiert wurden, aber ich will sie in dieser Form nicht mehr teilen. Es ist Zeit hier einen Schlussstrich zu ziehen. Good Bye.


2015/10/30

Ostzeit In Wiesbaden...

Wiesbaden hat Geschichte, aber keinen Platz wo diese dargestellt wird. Wiesbaden liegt zu nah an Frankfurt, trotz Landeshauptstadt ist die Mainmetropole reicher an Räumen zur Präsentation von Kultur und Kunst. Wiesbaden hat einen versteckten Ort, der als Schaufenster zwischen Seitengassen liegt und so nicht wahrgenommen wird. Klingt problematisch, ist es auch!
Nach drei Jahren zog es mich heute zum ersten Mal an diesen Ort, der sonst nicht auf meinem Radar ist. Ostzeit heißt eine Ausstellung, die die FotografInnen zeigt, die mittlerweile als Ostkreuz einen Namen haben und ein gleichen Atemzug mit Magnum genannt werden dürften: Sibylle Bergemann, Ute Mahler, Harald Hauswald, Werner Mahler und der Arno-Fischer-Schüler Maurice Weiß.
DDR-Alltag im solide westdeutschen Wiesbaden. Verstehen eigentlich Menschen, die nicht den Osten erlebt haben Bilderserien wie etwa Bergemanns P2-Serie, die Wohnzimmer mit Durchreiche im Plattenbau zeigen? Für mich war es wirklich eine kleine Zeitreise, meine Tante und mein Onkel lebten tatsächlich in genau diesem Wohnungstyp mit genau dieser Durchreiche zur Küchenzelle. Oder ordentlich vor der Konsum-Filiale angestellte Kinderwagen, unabgeschlossen samt Kind?
Bis zum 06. Dezember läuft die Ausstellung, ich werde sicherlich nochmals reingehen. 



2015/10/29

Tschüß...

Kasperlhaft rannte Alexander Wang den Laufsteg entlang, nachdem er seine letzte und als Frechheit zu bezeichnende Kollektion für Balenciaga über den Laufsteg geschickt hat. Er geht und hinterlässt einen Haufen weißer Klamotten, die der Marke nicht wirklich gut tun werden. 35 weiße Stinkefinger eines Designers, der anscheinend erleichtert ist nicht mehr die Last eines so großen Erbes tragen zu müssen und sich nun wieder seiner eigenen Streetwearlinie widmen kann. Das kann er auch besser.
Ohne Winken und ohne Tränen verabschiedete sich am kommenden Donnerstag dann Raf Simons von Dior. Seine letzte Kollektion war nicht ganz so großartig wie vielleicht vorherige, aber solide und sicherlich Umsatz generierend. Mit seinem Abgang hat keiner gerechnet, wahrscheinlich wurde die Nachricht deshalb auch erst am späten Abend nach Börsenschluss verkündet und sinkende Aktienkurse für LVMH so vermieden. Man respektiert sich, heißt es von beiden Seiten, und wünscht sich alles Gute für die Zukunft. Unter der Hand wird vom massiven Druck gesprochen, den Simons nicht mehr bereit war standzuhlaten, und von zu wenig Einfluss für den Designer, was er ebenfalls nicht zu akzeptieren bereit war. Simons wird nun wieder seine eigene Marke stärker in den Fokus nehmen.
Gestern Abend kam schließlich noch die Nachricht, dass Alber Elbaz Lanvin verlässt und sich bereits am Dienstag von seinem Team verabschiedete. Damit war wohl am wenigsten zu rechnen, schließlich hat Elbaz die Marke in den vergangenen 14 Jahren gestärkt und aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Allerdings ist es Elbaz nicht gelungen eine It-Bag zu lancieren und auch in den sozialen Netzwerken findet die Marke selten statt. Die Konkurrenz schreit lauter und die taiwanesischen Eigentümer möchten nun ebenfalls etwas mehr aufdrehen, was den eher stillen Elbaz jedoch nicht zu entsprechen scheint. Konzequenterweise geht er.
Bei Balenciaga ist nun schon die Nachfolge geregelt, Vetements' Designer Gemna Gvasalia tritt die Nachfolge an. Die Überraschung wird nun sein wer für Dior und Lanvin in die erste Reihe tritt. Spekuliert wird natürlich viel, aber aktuell werden ja gerne unbekannte Namen herangezogen, weshalb wahrscheinlich mit denen zu rechnen ist, die keiner auf dem Schirm hat. Aber ist es überhaupt möglich solche Modehäuser allein führen zu können? Oder sind die Designer bzw. Kreativdirektoren nur Sperrspitzen, die alles Lob bekommen solange es gut läuft und dann zum Bauernopfer werden um die Investoren und Anteilseigner ruhigzustellen?
Es wird viel darüber geschrieben, dass kein kreativer Mensch ein Pensum von sechs bis acht Kollektionen im Jahr meistern kann. Es werden verwässerte Visionen, teils wenig ausgreift und schnell hingeschustert. Das Fehlen übergreifender Trends und der damit einhergehende modische Eintopf resultiert daraus, dass im Takt von zwei Monaten neue Zitate aufgerufen werden, aber kein Raum für Neues bleibt. Alte Marken wie Dior, Lanvin und Balenciaga waren in ihrer Zeit prägend, lassen aber im Heute den Neuen keinen Raum, weil sie ihnen die Kreativenköpfe rauben, sie auslaugen und am Ende wieder ausspucken. Oft gebrandmarkt als Versager, weil es ihren nicht gelang ein altes Erbe mit neuem Leben zu erfüllen. 
Designteams ohne Namen und Gesicht, ohne eigene Identität und beeinflusst von Zahlen; Konsumenten- und zielgruppenorientiertes Design ist meiner Meinung nach die Lösung für große Marken, denen eigentlich kein einzelner Mensch gewachsen ist. Ich bin gegen das Verbrennen immer neuer Namen, weil es den Marken nicht gut tut. Es muss am Ende einer Show niemand vors Publikum treten und sich verbeugen, die Mode sollte der Star einer Show sein und wenn sie gut ist, ist egal wer dahinter steckt. Im Grunde ist doch eh allen klar, dass Kollektionen großer Häuser von Teams erstellt werden und Fachleute für Hosen, Blusen, Mäntel, Strick, Taschen, etc. zusammen einen Look erarbeiten. Es wird im aktuellen Diskurs zu sehr über die Designerpersönlichen geredet, statt über die Mode selbst. 
Ich bin jetzt schon gelangweilt von all den Artikeln darüber warum Elbaz ging, ganz zu schweigen von News über Raf, Alexander, Peter, Nicholas, etc. Ich bin für Kontinuität, für gute Produkte von starken Marken. Ich will Produkte die gut gemacht sind und genau deshalb Bestseller sind, gerne mit positvem Markenimage. Aktuell können das am besten die Frauen: Clare Wright Keller bei Chloé macht starke Kollektionen und die Marke hat jede Saison starke, eigenständige Accessoires; Céline's Phoebe Philo bringt Modernität und Weiblichkeit perfekt zusammen; Stella McCartney steht für Glaubwürdigkeit in der Mode... Und Miuccia Prada ist eh die Königin der Mode.

Wolken...

Ich habe einiges gelesen in den vergangenen Wochen, zwar nicht ganz das gesteckte Pensum, aber doch immerhin so manches. Die Biografie von Hermann von Pückler-Muskau habe ich runtergelesen und mir kam die vor vier Jahren hier ausgiebig beschriebene Dandy-Tagung wieder in den Sinn. Pückler war Tagungsthema, nicht nur seiner von Hirschen durch Berlin gezogenen Kutsche wegen. In jedem Dandy steckt auch ein Renaissance-Man, ein Freigeist mit Weitsicht und Neugier, der als Rolemodel wohl auch heute noch nicht ausgedient hat und genau das Gegenteil von Pegidademonstrant wie auch Pseudogutmensch ist. Es beeindruckte mich diesem Reisenden durchs Leben zu folgen, obwohl Heinz Orff etwas spannender schreiben hätte können. 
Dann begleitete ich Stefan Zweig und Joseph Roth nach Ostende, wo beide sich im Sommer 1936 als Exilanten trafen und auf unterschiedliche Art und Weise die Geschehnisse in Deutschland werteten. Ein Zurück gab es am Ende für beide nicht, weder für den großbürgerlich geprägten Wiener Zweig noch den aus dem Osten des habsburgischen Reiches stammenden Roth. Da gerade Roth mit seinen melancholischen Büchern zu meinen Lieblingsschriftstellern gehört, war dies Buch Pflicht. Den Briefwechsel der beiden Schriftsteller werde ich mich wohl auch noch widmen, bislang verstaubt das Buch im Regal. 
Und dann gab es da noch Goethe und Casper David Friedrich und deren Betrachtung der Anatomie der Wolken. Eva Gesine Bauer, die fürs Leichte das Pseudonym Lea Singer verwendet beschreibt wie beide zur gleichen Zeit in unterschiedlichen Welten leben, wie meinungsbeherschend Goethe war und wie der Freigeist Friedrich, der Wolken malen konnte wie kein anderer, dagegen steuerte. 
Glücklicherweise habe ich eine Buchhändlerin, die einen guten Riecher für das hat was mir gefällt.  
Sachbücher stehen auch neue im Regal. Zum Beispiel habe ich einen Titel gefunden, der Fashion Victims wörtlich nimmt und beschreibt wie gerade im 19. Jahrhundert Mode auch eine Falle sein konnte. Krinolinen vertragen sich nicht mit offenen Kaminfeuern, Arsen färbt zwar wunderbar Stoffe grün, führt aber auch zu Verätzungen und Isadora Duncan ist sogar Namensgeberin für einen Genickbruch, der durch sich in Radspeichen verfangende Schals herbeigeführt wird... Frauen und Kleider passt damit gut zusammen. 

2015/06/26

Meinung In Der Mode...

Es ist doch eigentlich sehr nett von dem Model, dass ja wohl Muse von Rick Owens ist, darum bitte Angela Merkel nicht zu töten. Nun wird dieses etwas vehuschte Wesen, nach Aktion dann auch ohne Musenstatus, von allen Seiten und angeblich sogar ganz handgreiflich von Herrn Owens selbst angegriffen. Dabei ist endlich mal eines dieser Zauberwesen auf die Idee gekommen die nicht unerheblichen Möglichkeiten des Laufstegs zu nutzen, bisher kamen die Aktivsten (und Flitzer) ja immer nur aus dem Publikum. 
Doch was ist nun eigentlich die Botschaft hinter der auf ein Fähnchen Stoff gekritzelten Nachricht? Ist vielleicht sogar schon das Material auf dem sie daherkommt, also eine weiße Fahne des Ergebens Teil der Nachricht?
Trotz aller Dementis von Rick Owens wäre es nun auch nicht verwunderlich, wenn die Aktion von ihm käme. Er schäute sich schließlich auch nicht Penisse auf dem Laufsteg zu offenbaren. Unter anderem auch den des die Botschaft tragenden Models. Vielleicht war es nun die Rache für die 'unfreiwillige' Entblösung? 
Die Mode, falls wir uns darauf einigen die von Rick Owens gezeigten Kleider als solche zu bezeichnen, hat nun wieder einmal die Chance in den Feuilletons zu erscheinen und vielleicht sogar ein wenig im Politikteil. Aufmerksamkeit für ein belächeltes Medium, dem nun wieder einmal das zuteil wird, was der Kunst fraglos zugestanden wird und sogar von ihr erwartet wird. 
Und was gab es sonst noch auf dem Laufsteg zu sehen? Nicht was man nicht schon kennt. 

Bildquelle: Style.com

2015/05/29

Entdeckung: Wolkentrinker Von Fritz J. Raddatz...

Die Flucht in den Osten hat es ja manchmal wirklich gegeben, wenn auch eher die andere Richtung die bevorzugte war. Fritz J. Raddatz ging 1950 nach dem Abitur in den Osten und auch den 'Helden' seines Romans Wolkentrinker schickt er auf diese Reise. Bernd ist Fritz, das ist klar, allerdings hielt es Fritz dann doch ein paar Jahre länger in der DDR und ging erst 1958 nach Konflikten mit den Parteibehörden zurück in den Westen. 
Wolkentrinker ist also so etwas wie eine Biografie, aber auch eine Reise in ein Zwischenland. Zwei Staaten, die eigentlich aus dem gleichen Holz geschnitzt sind versuchen sich eine neue Ordnung aufzubauen und auf unterschiedliche Art und Weise das Vergangene zu verarbeiten (oder in zugigen Kellerlöchern zu verscharren). Idealisten konnten sich eine neue Heimat schaffen und wurden angelockt durch falsche Freiheitsversprechen. 
Doch liest man genau in den Roman hinein war es weniger ein Staatengebilde was verlockend war, als zuerst eine Frau, dann ein Mann und schließlich auch das eigene Ego, das mit bürgerlicher Rhetorik proletarische Aufsteiger platt zu machen vermochte. Bernd zumindest beeindruckte mit Weltläufigkeit, Neugier und Schlagfertigkeit, aber auch mit Westzigaretten. Er entlarvte sich dann selbst und fand nur noch in der Theorie des gewählten, gelobten Landes einen Platz, nicht aber in der gelebten Realität eines seine Überwachungsmechanismen aufbauenden Staates. Nicht die Geschichte überrollte ihn, er warf sich selbst unter ihre Räder und erkannte vor lauter Ehrgeiz und Idealismus die Zeichen der Zeit nicht. Die herannahenden Panzer des 17. Juli 1953 wurden eher am Rande wahrgenommen und wirkten kurz als Störfaktor für das bevorstehenden Examen. Doch während andere für ihr Leben demonstrierten, arbeitete sich Bernd sein eigenes Leben zurecht. Das Ich stand wieder vor dem Wir, worauf die DDR eigentlich aufgebaut werden sollte. Nach dem Erkennen kommt als einzige Alternative der Weggang in Frage und schließlich endet das Buch am Flughafen Tempelhof. 
Fritz J. Raddatz gilt zurecht als eine der herausragenden Persönlichkeiten der Bundesrepublik, wenn auch nicht ganz ohne Einschränkungen. Er leitete den Feuilleton der Zeit, stolperte dann aber über Goehte, schrieb einige Bücher und entschied sich schließlich Anfang diesen Jahres für den begleiteten Suizid in der Schweiz. Radikal und selbstbestimmt, frei. 

'Wolkentrinker' von Fritz J. Raddatz gibt es nur antiquarisch zu kaufen!

2015/05/22

Wohnzimmerkonzert Mit BRTHR...

Am vergangenen Freitag hatten wir das Vergnügen bei einer Freundin zu einem Wohnzimmerkonzert eingeladen zu sein, gespielt haben BRTHR aus Stuttgart. Meinen Musikgeschmack haben die beiden mit ihren Folk angehauchten Songs auf jeden Fall getroffen. Und nicht nur meinen...