2015/06/26

Meinung In Der Mode...

Es ist doch eigentlich sehr nett von dem Model, dass ja wohl Muse von Rick Owens ist, darum bitte Angela Merkel nicht zu töten. Nun wird dieses etwas vehuschte Wesen, nach Aktion dann auch ohne Musenstatus, von allen Seiten und angeblich sogar ganz handgreiflich von Herrn Owens selbst angegriffen. Dabei ist endlich mal eines dieser Zauberwesen auf die Idee gekommen die nicht unerheblichen Möglichkeiten des Laufstegs zu nutzen, bisher kamen die Aktivsten (und Flitzer) ja immer nur aus dem Publikum. 
Doch was ist nun eigentlich die Botschaft hinter der auf ein Fähnchen Stoff gekritzelten Nachricht? Ist vielleicht sogar schon das Material auf dem sie daherkommt, also eine weiße Fahne des Ergebens Teil der Nachricht?
Trotz aller Dementis von Rick Owens wäre es nun auch nicht verwunderlich, wenn die Aktion von ihm käme. Er schäute sich schließlich auch nicht Penisse auf dem Laufsteg zu offenbaren. Unter anderem auch den des die Botschaft tragenden Models. Vielleicht war es nun die Rache für die 'unfreiwillige' Entblösung? 
Die Mode, falls wir uns darauf einigen die von Rick Owens gezeigten Kleider als solche zu bezeichnen, hat nun wieder einmal die Chance in den Feuilletons zu erscheinen und vielleicht sogar ein wenig im Politikteil. Aufmerksamkeit für ein belächeltes Medium, dem nun wieder einmal das zuteil wird, was der Kunst fraglos zugestanden wird und sogar von ihr erwartet wird. 
Und was gab es sonst noch auf dem Laufsteg zu sehen? Nicht was man nicht schon kennt. 

Bildquelle: Style.com

2015/06/24

Follow...

Instagram ist das Medium der Mode, bekannt soweit, und der modischer Selbstdarstellung, auch klar. Geraden wenn irgendwo der Fashionzirkus seine Zelte aufgeschlagen poppen überschlägt sich das Medium und selten schaffe ich es wirklich alle Bilder der von mir gefolgten Protagonisten anzusehen. Mein aktueller Favorit, und ganz augenscheinlich auch der vieler Anderer ist Simone Marchetti. Als Journalist in Sachen Mode unterwegs und dabei so gut angezogen wie kein Zweiter in der Arena erfreut mich jeder seiner Looks. Und die meisten hätte ich genau so auch gerne im Schrank hängen.

P.s.: Natürlich bin ich auch bei Instagram. Follow Me!

2015/06/23

I Love Gucci...

Spitzen! Blumenmuster! Gestreifte Biedermeiertapeten! Und natürlich das opligatorische Doppel-G! Alessandro Michele, den Namen weiß ich mittlerweile fehlerfrei zu schreiben, geht den Weg weiter, den er schon in seiner in seiner ersten Schau eingeschlagen hat. Es wird weiter entgendert (Kann man das so sagen?) und die Kleiderkammer entrümpelt, herauskommt ein Mann, der in dieser Saison noch mehr an Kontur gewinnt und wohl die Zukunft sein wird. Feminisn und Mut zur Weichheit, ein ganzer Kerl muss man sein um das tragen zu können.
Neben J.W.Anderson geht Herr Michele den Weg geschlechterübergreifender Identitäten am konsequenteesten, ohne aber gleich die Geschlechter auflösen zu wollen, wie es ja zum Beispiel bei Rick Owens gelegentlich der Fall ist. Michele fügt Männlichkeit einfach die ein oder andere Facette hinzu und plädiert für einen spielerischen Umgang mit Farbe, Mustern und Silhouetten. 
Augenscheinlich ist schon der Seventies-Vibe, allein der erste Look mit dem Logo-Mantel erinnert irgendwie an Jackie Kennedy auf der Fifth Avenue und sieht unverholen reich aus. Klotzen statt kleckern, ein bisschen Tom Ford schwebt eben doch auch in dieser Kollektion mit und wird sich wohl nie wieder aus der Marken-DNA herauslösen lassen. 
Und was von dem ganzen Zeug ist so toll, dass ich es unbedingt haben will? Die ledernen Shopper mit der großen Prädung haben eindeutig das Zeug zur nächsten It-Bag!

Bildquelle: Style.com

2015/06/22

Scott Barnhill Macht Versace...

Wir sind es gewöhnt hin und wieder mal ein bekanntes weibliches Model, dass für ein paar Jahre von der Bildfläche verschwunden war, wieder auf einem Laufsteg zu sehen. Dann wird schnell von einem Comeback gesprochen und schon ein paar Momente später ist alles wieder vergessen. Bei Männermodels kommt dies selterer vor, da merkt man sich die Namen erst gar nicht und bis auf ein paar wenige Ausnahmen sind sie Kleiderständer, austauschbar und nicht die Mühe wert sich den Namen zu merken. 
Es gibt aber wie gesagt ein paar Ausnahmen gibt, in den späten 1990-er Jahren war eine davon Scott Barhill. Der hat alles gemacht, war in Kampagnen präsent und auf Laufstegen. Modesendungen im Fernsehen, sowas gab es damals sogar, haben ihn sogar begleitet und er zeigte dann ein Bild seines Girlfriends Gisele B.
Nun war Scott Barnhill wieder einmal auf einem Laufsteg zu sehen, er eröffnete die Versace Show. Ein Comeback vielleicht?

Bildquelle: Style.com

I Want...

Was bei Prada nicht Neu ist, ist, dass man alles schon einmal gesehen zu haben glaubt. Die herunterrutschten Schulter? Frühling 2009. Die Palette an Farben? Herbst 2013. Riesige Pailetten? Hernst 2011 ... Und so könnte das Spiel weitergehen. Neu ist da nichts, doch begehren weckt alles! 
Bei kaum einem anderen Label sind wir, die Kunden und die Kritiker, nachsichtiger, verzeihen und lieben genau jenes im ersten Augenblick Bekannte. Heimeliges Wohlsein, weil Muiccia Prada dem Anschein nach suggeriert, dass wir alles schon hätten, uns also nicht erst an das Neue gewöhnen müssen. Gleichzeitig sieht man das der Bestand alt gegen die Kreationen vom Laufsteg aussieht und Neuerwerb unumgänglich wird. Der Lauf der Mode eben, nur irgendwie perfider.

Die Manie neuerdings die Resortkollektion der Damen mit den Herren zusammen zu zeigen wirkt bei Prada dahingehend etwas verstörend, dass man schnell vergessen kann was die Herren am Leib tragen und nur noch auf die Kleider starrt. Allein der silbern glänzende Mantel lies einiges was danach kam vergessen, weil man von seiner schieren Präsenz noch lange gefangen war. Bei der Winterkollektion, die nun in die Läden kommt ging es soweit, dass von den Männerklamotten nur eigentlich Nylon und Schwarz hängenblieb, jedoch keine einizige Silhouette. 
Diesmal hat Frau Prada auch den Männern einen Hauch Allure beigemischt, teils sogar ein wenig zuviel in Anbetracht der Kürze der Shorts. Deutsche Kunden werden aber ohnehin nicht das Glück haben sie in den Stores zu sehen, Runway ist da ja meist wenig präsent. Doch auf die Pullover mit den Raketen hoffe ich ebenso, wie auf die kurzen Bloussons...

Bildquelle: Style.com

2015/06/20

3 Wochen...

 Urlaub – Drei Wochen Urlaub, herrlich. Man fiebert ein bisschen darauf hin, kann es in den letzten zwei drei Wochen vorher kaum noch erwarten und dann verfliegt die Zeit. Am Montag, also übermorgen, heißt es dann wieder arbeiten und versuchen den endlich erreichten Erholungsstatus so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Aber es gibt glücklicherweise viele tolle Erinnerungen, von denen sich lange zehren lassen wird. 
Weder Strand noch Berge lockten uns in diesem Jahr, wir entschieden einfach mal Zeit Zuhause zu verbringen und wussten bis Mai noch nicht ob es überhaupt für ein paar Tage weg gehen wird. Alles sollte hauptsächlich eines sein, entspannt und stressfrei. Es hat funktioniert, das ist das bestmögliche Fazit! 
Dieser Post ist nun eine kleine Zusammenfassung für mich selbst, aber natürlich auch ein Teilen schöner Erinnerungen, von denen es viele gab.

 Ausschlafen – Ja, das nimmt man sich immer als erstes vor, wenn es um Urlaub geht. Es klappt aber besonders dann ganz gut gar nicht, wenn eine geregelte Morgenrutine abrupt unter- und aufgebrochen werden soll. Ich war wach, meist sogar noch eine halbe Stunde früher als normalerweise der Wecker klingeln würde. Jeden Morgen, eine Woche lang, hat mich das furchtbar aufgeregt und wurde erst besser, als ich mich abgefunden habe. Man kann vieles nicht beeinflussen, den eigenen Körper schon am wenigsten. 

 Frühstück – Schönes Wetter vom ersten Tag an bedeutete auch etwas zu machen, was eben sonst meist gar nicht drin ist: In der Sonne sitzen, ausgiebig die Tagespresse und eben auch die Boulevard-Magazine studieren und im Stammcafé den Nachschub an Milchkaffee gesichert zu wissen. 

 Frankfurt – Man könnte meinen das schönste an Wiesbaden sei Frankfurt. Dem ist aber nicht ganz so, ich weiß durchaus die Vorzüge der hessischen Landeshauptstadt zu schätzen. Aber Frankfurt habe ich zu schätzen gelernt und ein kleiner Bummel geht immer. Und Einkaufen geht da sogar besser als man meinen könnte. 

 Rheinschifffahrten – Das war wirklich fast unser einziger Plan, wir wollten im Urlaub unbedingt mal einen Tagesausflug auf einem der Rheinschiffe machen. Das ist wirklich spannender als man denkt, vor allem aber entschleunigt es ungemein. Man kann eben nicht schneller und muss die gegebene Geschwindigkeit hinnehmen. Ganz zu schweigen von kultur- und identitätsstiftenden Denkmälern, die man gratis mit geliefert bekommt. Lorelei, Rheinburgen, Weinberge, Orte mit wohlbekannten Namen, Gemeinschaftlichkeit und interkulturelle Begegnungen – der Rhein verbindet und am Ende stehen alle auf Deck und machen Fotos!

 Paris – Ok, wir haben uns entschieden wegzufahren und Paris, Klischee hin oder her, lag nahe. Michael war noch nicht dort, ich finde die Stadt großartig, der Zug fährt nur vier Stunden von Frankfurt aus, man kann viel machen oder sich einfach nur treiben lassen. 
Und wir haben viel gemacht, unglaublich viel sogar. Museen fast jeden Tag, gutes Essen ebenfalls mehrmals täglich und vor allem den Großteil zu Fuss erkundet. Perfektes Wetter machte es uns leicht und die Stadt zeigt sich ja immer von ihrer schönsten Seite. Wenn ich drei Highlights aufzählen müsste wären es: Anish Kapoor im Park von Versailles, die Lanvin-Ausstellung im Musée Galliera und das Musée Nissim de Camondo. Aber dazu mehr in nachfolgenden Abschnitten. 

 Mode – Weniger die von heute als Vergangenes zog sich ein wenig als roter Faden durch unsere Ausflüge. In Paris waren wir in der Ausstellung zum Thema Knöpfe im Musée des Arts Decoratifs, in der Yves Saint Laurent Ausstellung in der Foundation Pierre Bergé, die sich der Kollektion von 1971 widmet und im Musée Galliera, das zu ersten Mal Jeanne Lanvin eine Ausstellung widmet. Und schließlich noch in Bonn, wo gerade Modemethode über Karl Lagerfeld gezeigt wird. 
Knöpfe klingt im ersten Moment recht öde, stellte sich aber als wahnsinnig spannend heraus, weil neben einer ungeheuren kreativen Vielfalt auch die dazugehörige Mode aus vier Jahrhunderten gezeigt wurde. Zirkusthemen bei Schiaparelli, waren zu sehen, Couture von Dior und Chanel und vieles mehr.
Bei Lanvin standen wir wirklich sprachlos vor den Figurinen und Vitrinen. Die Kleider waren wirklich meisterhaft und teils erschien ein menschlicher Körper zu profan ein solches Wunderwerk überhaupt tragen zu können. Natürlich ist Lanvin das älteste noch existierende Modehaus, aber manchmal steht es doch etwas im Schatten anderer großer Namen, die Ausstellung zeigt aber, dass dem Label allein seiner Geschichte und Kunstfertigkeit ein Platz ganz oben gebührt. 
Modemethode, die Lagerfeld-Ausstellung in Bonn, war dann noch ein spontaner Ausflug, eigentlich ohne viele Erwartungen. Die Überraschung war dann umso größer. Nicht nur das Design der Räume ist phantastisch gut gelungen, gerade die Couture-Kreationen von Chanel lassen sogar Chanel- und Lagerfeld-Antipathen wie Michael und mich mit offenem Mund und funkelnden Augen dastehen. 


  Trends – Paris ist die Hauptstadt der Mode, so sagt man, aber der Stil ist doch sehr dem von anderen Metropolen ähnlich. Schuh der Moments ist der Stan Smith von Adidas, auch wenn dieser schon als vielerblogs als so 2014 abgetan wird. Scheint wohl bequem zu sein und damit nicht so schnell wegzudenken aus den Schuhschränken. 
Ansonsten erkennt man durchaus, dass Hedi Slimane besonders bei jungen (sehr dünnen) Männern Eindruck zu machen scheint. Allerdings hoffe ich wirklich, dass sich Westernhüte (Filz nicht Stroh) nicht im Straßenbild verfestigen!

 Einkaufen – Natürlich kann man in Paris wunderbar shoppen gehen. Flagshipstores, Kaufhäuser, kleine Boutiquen, für jeden ist was dabei. Was verwundert und uns wirklich auffiel, ist die Freundlichkeit mit der man begrüßt wird, die zuvorkommende Zurückhaltung mit der die Angestellten Präsenz zeigen und die angenehme Atmosphäre in den Läden. Natürlich gibt es immer ein oder zwei Ausnahmen, aber insgesamt verleitet gerade diese Art nicht nur zum Wiederkommen sondern auch sehr viel Geld auszugeben. (Gilt im übrigen auch für Cafés, Restaurant und Museen, selbst Fahrkartenverkäufer in der Metro sind unglaublich freundlich.)
Ich weiß nicht warum es so auffällig war, vielleicht weil es hiesigen Läden nicht immer der Fall ist und Unfreundlichkeit eines der Vorurteile der Deutschen gegenüber Franzosen ist? 
Auf den Teppich geholt wurden wir dann heute, als wir einen kleinen Bummel über die KÖ in Düsseldorf gemacht haben und wirklich das Gefühl hatten eine Vereinigung von Laugenbrezeln würde dort im Einzelhandel angestellt sein. Aber was will man denn auch schon in Düsseldorf!

 Kino – Die Dame in Gold haben wir uns angeschaut, genauso wie SPY. Ja, ein bisschen Mainstreamkino war beides, aber durchaus sehenswert. Beides! 

 Wohnen – Die Wohnkultur in Versailles sieht man besonders an den beiden Trianons und in den Apartments der Damen sehen. Wundervolle Rokokoschatztruhen, die nach sicherlich wahnsinnig aufwendigen Restaurationsarbeiten erstrahlen. Hier kann man sich eher in die Welt Louis XV. und XVI. hineinversetzen als im an Besuchern übervollen Schlafzimmer der Königin. 
Auch wenn ich mich anfangs ein wenig gegen Versailles versperrt habe, war es interessant diesen unglaublichen Kasten für mich entdecken zu dürfen. 
Noch schöner allerdings waren zwei private Residenzen, die den Besucher mit in die Belle Epoque und das Goldene Zeitalter der Pariser Haute Bourgeoisie nehmen. In den 1870 wurde am Boulevard Haussmann das Palais errichtet, welches noch heute unter dem Namen Musée Jacquemart-André zu besichtigen ist und die Besucher heute ebenso wie die Ballgäste vor 150 Jahren in Staunen versetzt. Allein der Auffahrt wegen ist das Haus sehenswert, spätestens die geschwungene Treppe im Inneren wird dann den Zauber entfalten, den dieses Haus inne hat. 
Kurz vor dem ersten Weltkrieg wurde das Haus fertiggestellt, welches heute den Namen des Sohnes des Erbauers trägt und als Musée Nissim de Camondo Besucher in die Welt des Rokoko mit dem Komfort des frühen 20. Jahrhunderts entführt. Die tragische Geschichte des Bewohner des Hauses ist allgegenwärtig, dem Zauber und den exquisiten Interieurs tut er keinen Abbruch.

 Kunst – Nein, ich habe mich nicht in die Skultur von Tomás Saraceno getraut, die einem dann unter dem Dach und über dem Innenhof vom K21 schweben lässt. Nicht meine Baustelle, schön am besten von ganz weit weg. 
Die Spiegel im Park von Versailles fügten dem Schloß neue Facetten hinzu und macht sich ausgesprochen gut auf Bildern. 

 Fazit – Es waren drei reiche, von Ereignissen angefüllte Wochen, die genauso erholsam waren, wie am Strand liegen. Und braun geworden bin ich auch!

2015/06/02

Kaufen...

Ganz offiziell kam gerade eine Mail rein, die den neuen Online-Shop von vier5 ankündigte. Natürlich sind das ganz tolle Nachrichten, schließlich bin ich ein großer Fan von deren Arbeit. Unbedingt vorbeischauen und natürlich kaufen!

www.shop-vier5.com

2015/05/29

Entdeckung: Wolkentrinker Von Fritz J. Raddatz...

Die Flucht in den Osten hat es ja manchmal wirklich gegeben, wenn auch eher die andere Richtung die bevorzugte war. Fritz J. Raddatz ging 1950 nach dem Abitur in den Osten und auch den 'Helden' seines Romans Wolkentrinker schickt er auf diese Reise. Bernd ist Fritz, das ist klar, allerdings hielt es Fritz dann doch ein paar Jahre länger in der DDR und ging erst 1958 nach Konflikten mit den Parteibehörden zurück in den Westen. 
Wolkentrinker ist also so etwas wie eine Biografie, aber auch eine Reise in ein Zwischenland. Zwei Staaten, die eigentlich aus dem gleichen Holz geschnitzt sind versuchen sich eine neue Ordnung aufzubauen und auf unterschiedliche Art und Weise das Vergangene zu verarbeiten (oder in zugigen Kellerlöchern zu verscharren). Idealisten konnten sich eine neue Heimat schaffen und wurden angelockt durch falsche Freiheitsversprechen. 
Doch liest man genau in den Roman hinein war es weniger ein Staatengebilde was verlockend war, als zuerst eine Frau, dann ein Mann und schließlich auch das eigene Ego, das mit bürgerlicher Rhetorik proletarische Aufsteiger platt zu machen vermochte. Bernd zumindest beeindruckte mit Weltläufigkeit, Neugier und Schlagfertigkeit, aber auch mit Westzigaretten. Er entlarvte sich dann selbst und fand nur noch in der Theorie des gewählten, gelobten Landes einen Platz, nicht aber in der gelebten Realität eines seine Überwachungsmechanismen aufbauenden Staates. Nicht die Geschichte überrollte ihn, er warf sich selbst unter ihre Räder und erkannte vor lauter Ehrgeiz und Idealismus die Zeichen der Zeit nicht. Die herannahenden Panzer des 17. Juli 1953 wurden eher am Rande wahrgenommen und wirkten kurz als Störfaktor für das bevorstehenden Examen. Doch während andere für ihr Leben demonstrierten, arbeitete sich Bernd sein eigenes Leben zurecht. Das Ich stand wieder vor dem Wir, worauf die DDR eigentlich aufgebaut werden sollte. Nach dem Erkennen kommt als einzige Alternative der Weggang in Frage und schließlich endet das Buch am Flughafen Tempelhof. 
Fritz J. Raddatz gilt zurecht als eine der herausragenden Persönlichkeiten der Bundesrepublik, wenn auch nicht ganz ohne Einschränkungen. Er leitete den Feuilleton der Zeit, stolperte dann aber über Goehte, schrieb einige Bücher und entschied sich schließlich Anfang diesen Jahres für den begleiteten Suizid in der Schweiz. Radikal und selbstbestimmt, frei. 

'Wolkentrinker' von Fritz J. Raddatz gibt es nur antiquarisch zu kaufen!