2014/07/16

(Not) Easy To Wear...

Wer die aktuelle Ausgabe von der GQ-Style durchgeblättert hat, der dürfte an der Strecke mit den Overalls hängegeblieben sein. Nicht wenige Labels hatten welche im Programm, doch wahrscheinlich haben es die Stücke nicht in die Produktion und schon gar nicht in die Laden geschafft. Auch für nächsten Sommer gibt's Einteiler unter anderem bei Louis Vuitton und Versace...
Da de Gefahr besteht, dass ein solches Teil ungetragen im Schrank hängenbleibt, sollte die Anschaffung gut überlegt sein. Glücklicherweise hat mein Mann schon vor längerer Zeit mal den richtigen Riecher gehabt und bei Muji zugeschlagen, als die ein fraglos erschwingliches Stück im Programm hatten. Nach einer kleinen Änderung der Ärmellänge war ich fest überzeugt das Teil zu tragen, ganz selbstverständlich zur Arbeit. Bis es jedoch soweit war (heute!), haben aber fast 6 Wochen vergehen müssen. Wenn der Mut fehlt, finden sich unglaubliche viele Ausreden. 
Getragen über einem weißen Kurzarmhend mit kleinem Kragen und klassischen Schnürrschuhen, hatte der Overall genug Förmlichkeit um nicht nach Bauarbeiter auszusehen. Vom angenehmen Tragekomfort ganz zu schweigen, was dann sehr schnell alle Bedenken an dem Look hinwegfegte.
Ein bisschen fühlte ich mich wie Heinz Rühmann in 'Die 3. von der Tankstelle', was mich aber gut durch den Tag brachte.


2014/07/10

Neue Opulenzen Am Modehimmel...

Natürlich ist nicht davon auszugehen, dass sich die großen Modehäuser bei der Ideenfindung für die im Herbst zu tragende Haute abgesprochen haben. Aber Louis XV. ist allgegenwärtig. Rokoko ist ein großes Thema, die Details reichen von subtilen Andeutungen bis hin zu wirklich Augescheinlichem, und trotzdem gelingt es allen Häusern diesen eigentlichen Inbegriff des Camp-Geschmacks so zu präsentieren, das es nicht nach Modeausstellung oder gar Karneval aussieht. 
Raf Simons, mittlerweile so fest mit dem Haus verwachsen, dass man sich an die Zeit vor ihm nur schwer zu erinnern vermag, geht das Thema am konsequentesten an und zeigt neben Kleidern, die gepolsterten Hüften daherkommen und Pelzen, die selbst Katharina die Große hätten noch beeindrucken können, wunderschöne, an Justaucorps und 'Habit à la française' angelehnte Jacken. Fragil gestickte Blüten und Ranken zieren die Kanten dieser Jacken, und natürlich schließen sie auch die extrabreiten Ärmelaufschläge. Doch von noch größerer Kunstfertigkeit zeugt die Art des Schnittes, der die Schöße nach hinten 'wegfliegen' lässt. Gerade in Kombination mit den schlichten, leicht ausgestellten Hosen bekommen die Looks eine Modernität weit jenseits von Madame de Pompadour.
Was aber auch in der Kollektion zu beeindrucken vermag sind die teils bodenlangen, mit romantischen weiten versehenen Mäntel in der einen Gruppe und die mit den großen Krägen in der anderen. Hier wird dann doch noch einmal die Pre-Simons-Ära in Erinnerung gerufen, 1997 zeigte John Galliano ähnliches, allerdings theatralisch überspitzer. 
Doch, wie schon erwähnt, Dior ist nicht das einzige Haus mit Spuren von Rokoko. Elie Saab zum Beispiel ist ja an sich schon kein Meister der Schlichtheit, allein die unzähligen Perlen und Blüten sprechen eine barocke Sprache. Ein Abendkleid mit Watteau-Falte gab es aber auch, und das war nicht nur deswegen ein Highlight der Kollektion. Ebenfalls von Opulenz zeugt Lagerfelds madonnenhaftes Brautkleid, welches aber eber gotisch als barock ist. 

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2014/06/30

Vier5...

Vier5 setzt sich jede Saison mit Mode auseinander obwohl das Hauptaugenmerk eigentlich auf Grafik Design liegt. In dieser Saison wurde die kleine Kollektion im Rahmen einer Ausstellung im Les Arts Decoratifs präsentiert, an der Vier5 beteiligt ist und in der es um das Spannungsfeld zwischen Auftrag und freier kreativer Arbeit geht. Wo hätten die Modelle auch besser gezeigt werden können!?

Meine ganz persönlichen Favoriten sind das 'Priority Mail' T-Shirt und der Sweater mit dem gleichen Aufdruck. Und die braune 'Arbeitsjacke'.

2014/06/29

Bücher Im Juni...

Im Juni habe ich mir viel vorgenommen und nicht geschafft. Von den beiden Bücher, die ich mit auf die Alm genommen habe, konnte ich immerhin eines zu Ende bringen. An Bánnffy's 'Schrift in Flammen' lese ich noch immer, die Geschichte über den Siebenbürgener Adel zieht sich etwas. Somit gab es keine andere Lektüre, die ich hier vorstellen kann, ausser zweier Titel, die schon geraume Zeit im Regals stehen und nur halb Beachtung fanden. Zumindest dem Titel nach geht es um das Gleiche: Wunderkammern. 
Bei Gestalten erschien ein Bildband, der unter 'Wunderkammern' internationale Interiors vorstellt, die alle sehr schön eingerichtet sind. Moderne Klassiker werden versammelt, die den globalen Geschmack wiederspiegeln und bestenfalls auch noch auf regionale Stile eingehen. Es ist ein klassisches Coffeetable-Book, das zum schmöckern einläd und sich auch einfach nur als Dekoration eignet. 
Was der Titel verspricht wird allerdings selten gehalten, mit fürstlichen Wunderkammern der Renaissance und der Barock haben die Wohnungen von Interiordesignern, Art Directoren und international aufgestellten Kreativen wenig zu tun. Zwischen Nespresso-Maschine und Vitra haben Schrulligkeiten selten Platz, leider.
Hanser Berlin veröffentlichte in diesem Jahr eine Sammlung ursprünglich in der FAZ erschienener Essays von Henning Ritter, die sich alle mit Museumskultur und deren Entstehung aus der fürstlichen Wunderkammer heraus befassen. Das Interesse an Kuriosem stand anfangs im Vordergrund, später entwickelte sich ein Bewußtsein dafür, dass Vergangenes Identität stiftet und deshalb eines besonderen Schutzes bedarf. Auf diese Themen ging Ritter in seinem Schriften ein, bevor er 2013 verstorben ist. 
Die beiden Titel kann man gut zusammenfügen, sich zusammen auf dem schattigen Balkon an einem Sommersonntag zu Gemüte führen. Oder aber schon jetzt an Weihnachten denken und als perfekte Geschenke, den bei Gestalten erschienenen Bildband vielleicht eher als Ritter's Essay's, für weltgewandte Freunde auswählen.

2014/06/28

Valentino...

Bei den Italienern konnte man in der vergangenen Woche zwar viele schöne Looks sehen, aber alles war doch ein wenig zu 'Basic'. Ausser die Preise, natürlich. Glücklicherweise gibt es die beiden Italiener in Rom, Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Piccioli, die bei Valentino zeigen, dass es eben noch ein bisschen mehr gibt als Jogginganzüge (Bottega Veneta) und goldbeknöpfte Marinejacken (Gucci). 
Schmetterlinge auf Jacken zu sticken, und Blütenranken auf Leder, zeugt von einer romantischen Idee von Mode, die in der Art selten auf dem Laufsteg zu sehen ist. Seiden mit eingewebten Vögeln, Blumen und Fabelwesen werden werden so kombinert, dass nicht selten drei verschiedene Muster zusammengestellt wurden und es trotzdem nicht schräg aussieht. Das kann deutlich schief gehen, bei Valentino aber wirkt es selbstverständlich und begehrenswert. 
Hier wird aufgezeigt warum Luxusmode ihren Preis hat. Allein die verwendeten Materialien, wollene Hemden so fein, dass sie wie Baumwolle erscheinen, sind aussergewöhnlich, von den schon erwähnten Stickereien ganz zu schweigen. Die ganze Kollektion, mit Ausnahme des mittlerweile etwas überbeanspruchten Camouflage, ist gelungen und rund, und dürfte genauso in meinem Schrank hängen. 




Via Style.com

2014/06/25

Gucci, Canali...

Ein bisschen zu wenig zeigte Frida Giannini meiner Meinung eigentlich in dieser Kollektion. Als Cruise-Collection sind die martimen Looks sicherlich großartig, und auch dieses stringente festhalten am einmal gefundenen roten Faden. Aber für eine Hauptkollektion?
Trotzdem sind die Looks alle toll und sind fast ohne Ausnahme zeitlose Klassiker. Besonders der Pyjamastreifen sind meine Favoriten, und nicht nur weil sie unter anderem auch von Clement Chaberneaud getragen werden. Der ist zufälligerweise auch noch das Kampagnenmodell für Pre-Fall, zusammen mit Anja Rubik. Welch ein Glück, meine beiden Lieblingsmodells zusammen zu sehen...

Andrea Pompilio's Looks für Canali lassen nur manchmal einen Funken Ironie erkennen, sind aber insgesamt zeitlos schön und vielleicht deshalb auch schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwunden. Wäre da nicht dieser moderne Woody Allen...

Via Style.com

2014/06/23

Zegna, Prada, Ferragamo...

Ermenegildo Zegna gehört zu wichtigsten Schauen in Mailand seit Stefano Pilati das Zepter übernommen hat und das Design der Marke verantwortet. Und in der Tat schickt er sich gerade an Prada das Heft aus der Hand zu nehmen und zum wichtigsten Trendgeber zu werden. Die in vergangene Kollektionen gezeigte Farbpalette findet sich bei verschiedenen Marken in dieser Saison genauso wieder, wie die Formen. Vor allem aber findet man den Stil schon auf der Strasse adaptiert, wenn man sich die Streetstyle von der Pitti Uomo in Florenz anschaut. 
Pilati hat das Glück in Zegna eine Marke gefunden zu haben, die ihm seine Ideen von Männermode verwirklichen lässt und noch dazu auf keine Stofffabrikanten angewiesen ist. Der Designer nutz die stofflichen Möglichkeiten aus und schafft Kollektionen, die optisch und haptisch gleichermassen überzeugen. 

Miuccia Prada hat sich wieder einmal in der eigenen Jugend verloren und bringt die Züchtigkeit von Internatsschülern auf den Laufsteg. Die eingestreuten Modelle für Damen kommen dabei noch ganz gut weg, aber bei den Männern? Die Kollektion wirkt wie eine alte Kleiderkiste, die im Keller aus einer Ecke gezogen wurde.
Was aber nicht heißt, dass so manches Teil nicht trotzdem Begehrlichkeiten wecken könnte. Allein der flaschengrüne Ledermantel könnte schlaflose Nächte bereiten und auch gegen einen der Bloussons mit den dicken Steppnähten hätte ich in meinem Kleiderschrank nichts einzuwenden...

Bei Ferragamo gibt es einen solchen Zwiespalt natürlich nicht, hier ist alles grundsätzlich schon einmal solide und das meiste sogar mehr als das. Die Farbkombinationen sind harmonisch und fügen sich zu einem wunderbaren Ganzen, das ich so gleich und direkt anziehen würde. Und manchmal ist genau das entscheident, damit man eine Kollektion gut finden kann.