2014/04/18

Rearranged...


Wohnzimmer, Esszimmer, Schlafzimmer – ganz klassische Aufteillung, die sich allein schon durch die Anordnung der Räume in der Wohnung ergeben hat – hatten wir noch bis letzte Woche. Doch alte Strukturen müssen manchmal aufgebrochen werden um etwas entstehen zu lassen, das eigentlich vielmehr dem selbst entspricht. Wir haben umgeräumt und vieles neu arrangiert. 
Die größte Veränderung hat dabei unser Wohnzimmer durchgemacht, es wurde quasi wegrationalisiert und ist einem Schlafzimmer gewichen, das vielmehr ein neuer Lebenraum ist als nur ein Ort zum schlafen. 
Lichtdurchflutet ist das Zimmer, luftig und viel Raum bietend. An den Wänden hängen die Sachen, die sich in den letzten Jahren angesammelt haben und das draußen wird selbst zum sich immer veränderden Bild. Eben nichts gegenüber zu haben, keine in die Fenster schauenden Nachbarn, macht auch Vorhänge überflüssig, was allerdings auch bedeutet, dass die Morgensonne den Raum erfüllt und einen zum Frühaufsteher macht. 
Das neu entstandene Zimmer, also der ehemalige Schlafraum, wurde zu einer Mischung aus Kleider- und Gästezimmer. Und selbst der ebenfalls dort hin verbannte Fernseher hat einen Platz gefunden. Es ist gelungen den Raum so zu gestalten, dass er eben keine lieblose Abstellkammer ist und trotzdem viel Platz für ungeliebtes bietet.
Noch ist nicht alles fertig, aber es ist ja eh alles im Fluss...





2014/04/14

Buchtipp: Dries Van Noten...


Noch vier Tage bis Ostern und noch kein passendes Geschenk für die Modeaffinen unter den Familienmitgliedern gefunden? Zur gerade in Paris stattfindenden Retrospektive hat der belgische Verlag Lannoo nun einen wirklich wunderschönen Band herausgebracht, der das Werk des grandiosen Modedesigners Dries van Noten würdigt. Egal ob man sich vordergründig für das Design van Notens interessiert oder sich einfach gerne schön gestalteten Büchern widmet, dieses Buch lässt das Herz jedes Bücherfans höher schlagen und gehört in jede Mode- und Kunstbibliothek. 



In die Ideenwelt des Designers einzutauchen wird einem durch den prächtigen Bildband erleichtert. Man lernt ihn und seine Historie umfassend in der Einleitung kennen, erkennt immer wieder die Querverweise zu historischer Kleidung und Uniformen, zu Handwerk, Material und natürlich zu Kunst im Mittelteil und kann zum Abschluss noch einmal alle Kollektionen Revue passieren lassen, einzig um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Dries van Noten Kleider macht, die nichts von ihrer Relevanz verlieren und tatsächlich zeitlos sind. 
Mode ist das nicht, weil es einfach nicht modisch im Sinne von jetzt und hier ist. Es sind Bekleidungen,  die einen Charakter unterstreichen und den wechselt man schließlich auch nicht zweimal im Jahr, oder?



Den Autoren des Buches gelingt es umfassend einen Überblick über ein wirklich großes Werk zu geben und aufzuzeigen, was die DNA der Marke Dries van Noten ist und wie diese untrennbar mit der Person Dries van Noten verknüpft ist. Es wird auch nicht zwischen Männer- und Frauenmode getrennt, zumindest nicht auf den Seiten des Buches. Alles ist eine Einheit. 


Der Band liegt gerade auf meinem Schreibtisch, ist eh viel zu Schade um im Regal zu verschwinden. Natürlich ist es kein Schnäppchen, aber definitiv schon jetzt eines des schönsten Modebücher des Jahres. Darin zu blättern ist wie eine Reise in ein kreatives Universum dessen Grenzen man gar nicht absehen kann und wo hinter jeder Buchseite sich ein neues Spektakel auftut. 

2014/04/13

Art Cologne 2014...


Nach Köln ist's nicht weit. Von Wiesbaden aus schafft man es in zwei Stunden, eigentlich sogar noch schneller, was es zu einem idealen Sonntagsausflugsziel werden lässt. Heute lockte die Kunst – besser am letzten Tag zur Art Cologne als gar nicht. Natürlich ist es der Tag an dem sich das 'gemeine Volk' durch die Hallen schiebt, alle wichtigen Leute, die im Auftrag kaufenden Kuratoren und die ganz für sich kaufenden Sammler, haben gleich an den ersten zwei Tagen Interesse bekundet und abgegrast. Schließlich ist man schon seit Mittwoch da und man kauft auch lieber ohne die Vielen im Rücken. 
Das Rheinland ist Sammlermetropole Nummer eins in Deutschland. Auch wenn viele der aus Deutschland kommenden Galerien entweder in der Hauptstadt angesiedelt sind, oder zumindest Dependancen dort unterhalten, wird die Art Cologne immer stärker und wichtiger. Das haben natürlich auch die Großen, Internationalen verstanden und wollen auch ihr Stück von Kuchen abhaben. Aber sind Sammler nicht allgemein sehr reisefreudig und planen das Jahr nach den Messen in London, Paris, Basel, New York und eben auch Köln? 



Wichtig ist es da Profil zu zeigen und einen eigenen Schwerpunkt zu entwickeln; das zu filtrieren, was das Besondere ist. So richtig gelungen ist in diesem Jahr meiner Meinung nach nicht Köln besonders zu machen und die Messe einzigartig erscheinen zu lassen. Natürlich gab es besonderes zu entdecken, aber auch viele sichere Nummern, die zwar gewinnträchtig weil etabliert sind, aber nicht vom Hocker hauen. Paul McCarthy's Figur eines sich an einem Fass betätigenden Mannes zum Beispiel wurde so sehr durch die Presse gejagt, dass die Arbeit in der Realität nur noch verlieren kann. Und weitere Beispiele lassen sich spielend finden. Was ist das Neue? Was ist das besondere?


Ein weiteres Werk an dem kein Journalist vorbei zu kommen schien war von Franz Marc. Nicht nur war es mit knapp 10 Millionen Euro die teuerste angebotene Arbeit auf der Messe, es diente auch dazu das 50-jährige Bestehen der Münchner Galerie Thomas zu feiern. Natürlich ist es ein freudiges Jubiläum, aber allein die Gestaltung des Standes mit all der Spießigkeit eines großbürgerlichen Wohnzimmers hat uns in die Flucht geschlagen. (Die 50 aus verwelkenden Rosen hätte manch junger Galerist durchaus als zeitgenössisch verkaufen können.) Nicht anderes erging es uns mit den Nachbarkojen, die das Kunstschaffen des 20. Jahrhunderts unter die Leute zu bringen versuchten. Was wichtig ist das Jetzt, die aufregenden Sichtweisen, die Künstler heute antreibt. Franz Marc und Co. sind im Museum nett, muss aber nicht auf einer Messe hängen. Das tut beiden Seiten nicht gut. 


Natürlich haben uns auch viele Arbeiten gefallen, einige würden sogar einen Platz bei uns finden, wenn sie nicht den finanziellen Rahmen sprengen würden. Hier mal drei von vielen:

Liam Gillick, Kerlin Gallery
Kirsten Everding, 1301PE
Melora Kuhn, Eigen+Art
Köln lohnt sich, das ist mein uneingeschränktes Fazit. Egal ob Laie, interessierter Dilletant oder Fachmann auf dem Gebiet des Kunsthandels. Die Art Cologne ist es wert besucht zu werden und Hamburg, Berlin oder München sind nicht soweit entfernt, als das sich ein Besuch nicht ohne nennenswerten Aufwand einrichten lässt. 

2014/04/06

Kurze Nacht II - Kunst In Wiesbaden...


Zum zweiten Mal war ich in Wiesbaden unterwegs bei der Kurzen Nacht, bei der Museen und Galerien bis Mitternacht offen sind und gezeigt wird, was die hiesige Kunstszene zu bieten hat. Der schöne Frühlingstag machte auch den Abend mild, was viele Leute raus lockte und für reges Begängnis sorgte.
Das gezeigte war vielschichtig, es reichte von internationalen Künstlern bis hin zu solchen, die sich eher nebenher der Kunst widmen. Alles hat seine Berechtigung, auch wenn ich bei einigen Arbeiten doch recht schnell das Weite gesucht habe. Und eigentlich hat mich nichts so berührt, dass ich es hätte mit nach Hause nehmen wollen. 
Was aber bleibt ist die Erinnerung an eine schöne Nacht, die auch zu spannenden Orten in der Stadt führte. Unter anderem war das leerstehende Alte Landgericht mit seinem Zellentrakt im Keller zum Ausstellungsraum umfunktioniert worden. 

Galerie Hafemann 
projekt 48 
projekt 48
projekt 48
Galerie Cornelisen
Nassauischer Kunstverein
Nassauischer Kunstverein
Museum Wiesbaden

2014/04/03

Aussen Pfui, Innen Hui...


Der Flakon ist ein Alptraum, den muss man eigentlich ganz weit hinten in einer Schublade verstecken und darf in keinesfalls zeigen. Problem ist nur, dass der Inhalt einfach so wunderbar nach Frühling und nahendem Sommer riecht, dass es schwer ist davon abzulassen.
2006 kreierte Olivier Cresp, von ihm stammen auch ein paar Klassiker für Dior, Nina Ricci, Kenzo, Cerruti und Penhaligon's, Just Cavalli Blue. Ich bekam es damals von einer Freundin geschenkt, die zu der Zeit bei einem in Berlin ansässigen Magazin ein Praktikum machte und es als Duftsample mit nach Hause hat nehmen können. Niemand in der Redaktion wollte den hässlichen Flakon und auch wir machen uns lustig über den blau schimmernden Glas-Plastik-Hybriden mit dem unvermeidlichen Zebramuster ganz à la Roberto Cavalli. Verblüffend war allerdings auch, dass ich niemals vorher und nie danach so oft auf einen Duft angesprochen wurde. 
Die alte Flasche von damals hat spätestens den Umzug nach Wiesbaden nicht überstanden, sofern sie nicht schon vorher in den Müll geflogen ist. Ganz sicher lag sie ziemlich weit aufgebraucht vergessen in einer Schublade, neben meinen anderen Düften in schönen Flaschen konnte ich sie schlecht ertragen. Nun, produziert wird Just Cavalli Blue längst nicht mehr, habe ich einen Onlineshop gefunden, der noch einen Vorrat hatte und natürlich konnte nicht widerstehen. 
Der Geruch ist noch immer der Gleiche, der Flakon leider zwangsläufig auch... Wird auch die Wirkung wieder die Gleiche sein?

2014/03/26

Bücher Im März...


Zwei Bücher im Monat, mindestens. Das war Vorsatz für das neue Jahr und im März hat es sich ganz gut angelassen, da waren es sogar drei. Immer gegen Monatsende wird dann hier zu sehen sein, was Bettlektüre oder Fernsehersatz war und es wird zu lesen geben, ob es sich gelohnt hat. 
Gaito Gasdanow wurde in der FAZ als Wiederentdeckung eines großen Literaten gefeiert und es wurde sogar der Vergleich mit Joseph Roth nicht gescheut. 'Ein Abend bei Claire' war aber bei weitem nicht so bildhaft geschrieben und seelenvoll wie Roth's 'Kapuzinergruft' oder so anrührend wie 'Hiob'. Die FAZ war etwas vorschnell, aber ein nettes Buch war es trotzdem. 


Martin Sutter's 'Der letzte Weynfeldt' hat Michael zum Geburtstag geschenkt bekommen und weil nichts anderes zur Hand war, habe ich reingelesen. Gefesselt war ich von der Geschichte und am Ende sogar etwas traurig, dass es fertig gelesen war. 


'Bel-Ami', der schöne Freund, von Guy de Maupassant sprach mich an, weil man für das Cover Boldini ausgesucht hat und ich auf dessen Bilder stehe. Und ich mag die Belle Epoque. Erstaunlich ist, wie gut sich die Geschichte lesen lässt und wie spannend es doch ist den Aufstieg dieses intriganten Burschens mitzuverfolgen. 

Bücher im Januar und Februar:
Martin Schuster 'Wodurch Bilder wirken – Psychologie der Kunst'
Hipster – Eine transatlantische Diskussion

2014/03/17

Weimar...


Weimar ist ein verschlafenes Städtchen, das wie kaum ein anderes über drei Jahrhunderte hinweg die deutsche Geschichte, die deutsche Kultur und die deutsche Identität prägte. Weimar steht für Sternstunden in Kunst und Literatur, hier wurde der Versuch unternommen einen demokratischen Staat zu begründen und gleichzeitig fanden die giftigen Samen der Nationalsozialisten früher als in vielen anderen Städten fruchtbaren Boden. Bei zwei zur Verfügung stehenden Tagen muss man sich entscheiden, was man machen und anschauen möchte. Wir entschieden uns für Goethe. 

Goethehaus
Christianezimmer
Goethes Bibliothek
Goethes Schlaf- und Sterbezimmer
Goethes Gartenhaus im Park an der Ilm
Fürstengruft 

2014/03/13

Kino: Grand Budapest Hotel...


Die Filmförderung in Deutschland macht es für Hollywood interessant hier zu drehen, wohl einer der Gründe warum nur wenige in der internationalen Filmbranche nicht wissen dürften wo Babelsberg liegt. Gleichzeitig finden sich vor allem im Osten der Republik noch Kulissen, die man problemlos für noch lange nicht aus der Mode gekommene Nazidramen nutzen kann, genauso wie sie sich in romantische hinterkarpatische Fantasiestaaten verwandeln lassen. Görlitz und Zittau sind Musterbeispiele dafür, die dortigen Stadtverwaltungen haben längst die wirtschaftlichen Möglichkeiten für ihre Regionen erkannt. 'The Grand Budapest Hotel', Wes Andersons auf der Berlinale prämierten Werk über die Ränke in einem Kurhotel, wurde gleich von vier Gesellschaften gefördert und natürlich muss das Geld dann auch in Deutschland, also in Sachsen und Brandenburg, ausgegeben werden. 
Statt eine Hotelhalle nachbauen zu müssen, fand sich in Görlitz ein leerstehendes Warenhaus mit einer fantastisch schönen Jugendstillhalle. In dieser war die Pracht der Vorkriegszeit noch sichtbar und musste nur herauspoliert werden. Die Wände in Puderrose und Lavendel, dazu viel Gold und einzelne rote Farbtupfer, genauso stellt man sich diese Paläste vor, in denen man gediegen kurte und sich für Monate einquartierte. Da der Film mindestens zwei Zeitebenen beinhaltet, die dritte haben wir nicht mitbekommen, weil wir ein paar Minuten zu spät ins Kino kamen, kann man auch einen pragmatischen Prunk sehen, der die sozialistischen Jahre vor 1989 in orange und braun so prägnant verdeutlicht. Was gekonnt schräg wirkte, war doch genau auf den Punkt und selbst die Papierkörbe und Blumenvasen waren DDR pur. Ganz zu schweigen vom FDGB-Charme des Hotelzimmers, in dem der alte Zéro Mustafa logiert. Mehrfach tauchten auch Dresden und einige Orte im Elbsandsteingebirge auf. 
Orte, an denen ein Film spielt, sind das eine, die Schauspieler das andere. Natürlich gab es wieder die bekannte, sich um Wes Anderson scharenden Riege bestehend aus Bill Murray, Owen Wilson, Jason Schwartzman und Adrien Brody, weiterhin waren dabei Jude Law, Willem Dafoe, Harvey Heitel, Jeff Goldblum und Edward Norton, Léa Seydoux, Saoirse Ronan und die unglaubliche Tilda Swinton. Dazu kamen dann noch einige Darsteller, die man aus dem Fernsehen kennt und sonst eher in Serien oder dem Tatort zu sehen bekommt. 
Die Hauptrolle spielen Ralph Fiennes als Concierge und Toni Revolori. Während letzterer wirklich sehr nett anzusehen ist, fand ich Fiennes nun eher nur so lala. Vielleicht liegt es auch daran, dass er dann doch nicht die passenden Unterhosen trug, schließlich kann er nur spielen, wenn wirklich alles originaltreu und perfekt ist. Kein scheiß, ist ne Tatsache. 
Doch auch wenn das drunter, eh unsichtbar, vielleicht nicht 100%-ig war, die Kostüme insgesamt waren grandios. Egal ob Hotelpersonal, durchgehend malvenfarbene Livreen, oder Karpatenfürst Dmitri, die mehrfach mit dem Oscar ausgezeichnete Milena Canonero hat wieder fabelhafte Arbeit geleistet. Ihre Detailversessenheit kann man in jeder Naht und Biese erkennen. Am liebsten hat sie echte Sachen, also Originalkleider, wenn diese aber nicht zu bekommen sind, haben die Kostümateliers möglichst echt zu arbeiten – eine Herausforderung und manchmal auch gar nicht zu bewerkstelligen. Es ist ihre zweite Zusammenarbeit mit Wes Anderson, bereits an Darjeeling Limited war sie beteiligt. 
Wir haben uns sehr auf den Film gefreut und wegen der wunderschönen Bilder, der unglaublichen Sets und der tollen Kostüme hat sich der Film gelohnt. Die Handlung selbst hätte etwas ausgefeilter sein können, etwas subtiler und teils sogar etwas weniger platt. Trotzdem muss man den Film unbedingt anschauen!

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2014/03/10

Louis Vuitton - Alles Neu...


Die Zeit der Romantik bei Louis Vuitton ist vorbei, es gibt keine Fontänen mit Federkopfpützen mehr und keine einfahrenden Traumzüge. Stattdessen einen neuen Retro-Realismus, der manchmal sogar zum Bekleidungspragmatismus wird. Nicolas Ghesquière hat sein erschaffenes Balenciaga verlassen (müssen) und befreit nun Louis Vuitton von den Erinnerungen, die uns Marc Jacobs immer wieder als DNA zu verkaufen versuchte. 
Aber das gute an Vuitton ist, dass dieses Label in Bezug auf Bekleidung gar keine Geschichte besitzt und jeder Designer aufs neue ein weißes Blatt beschreiben darf. Jede Aussage ist richtig, Wahrheit ist der Moment. Keiner verstand das übrigens besser als Jacobs selbst, nur so waren Exzesse möglich, die eine perfekte PR-Maske waren, hinter der sich dann Taschenklassiker mit Markenlogo verkaufen liessen. 
Nicola Ghesquière gehört zu den Lieblingen der Branche und sein Ausscheiden gehörte zu den großen Modedramen, schließlich hat er den Frauen Balenciaga gegeben und gleich noch ein Taschendesign, das noch immer ein Verkaufsschlager ist, auch wenn schon lange keine It-Bag mehr. Doch er hatte auch immer mit einem Erbe arbeiten müssen, dass nicht gerade einfach zu übergehen war. LV bietet ihm nun die Möglichkeit Kleider zu machen, die seiner Vision von Mode entsprechen, ohne noch dazu in das Raster der Marken-DNA passen zu müssen. 


Nur hin und wieder gibt es da ein paar signifikante Designs die unterzubringen sind. Aber dafür gibt es ja auch noch die Accessoires. Und Ghesquière macht nicht den Fehler seiner Vorgänger eine Debütkollektion ohne Taschen zu zeigen. Er ein paar neue Modelle ins Spiel gebracht, ein altes modifiziert und und natürlich gibt es auch das klassische LV-Markensignet. Den Fehler den Marc Jacobs bei seinem Einstieg gemacht hat, nämlich bei einer Taschenmarke keine einzige Tasche in der Show zu haben, hat Ghesquière nicht gemacht. Im Gegenteil. 
Die Klamotte ist dafür recht stark von den 1960-ern inspiriert, von den späten natürlich. So kann man auch bei einem Traditionshaus ein bisschen Revolution unterbringen. Der Designer nutzt auch die technischen Möglichkeiten der Ateliers, die ihm nun ganz ungeahnte Perspektiven eröffnen als es bei Balenciaga der Fall gewesen sein dürfte. Insgesamt ist die Kollektion so angelegt, dass sie sich gut verkaufen lassen sollte und Ghesquière Kunden von Balenciaga nun bei Vuitton zu befriedigen vermag. 
Erfreulich waren auch ein paar alte Gesichter, die Show liefen. Da war unter anderem Freja Beha Erichsen, die man etwas über hatte und die dann irgendwie für gut zwei Jahre von der Modebildfläche verschwunden war. Und es lief mal wieder Maddie Rizer, die schon Ende der 90-er zu meinen Lieblingsmodels gehörte. 

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2014/03/04

Bettina Pousttchi 'Verkleidet' Wolfsburg...


2.150 qm groß wird die Arbeit von Bettina Pousttchi sein, die letztendlich den Nordflügel des Wolfsburger Schlosses ein anderes Gesicht geben wird. In Berlin hat sie schon die vor ein paar Jahren der auf dem Areal des Stadtschlosses stehenden Temporären Kunsthalle das Gesicht des Palasts der Republick verliehen und die Schirn in Frankfurt bekam Fachwerk, wie man es auf dem nahe gelegenen Römer findet. Nun ist Wolfsburg an der Reihe, wo die Künstlerin in diesem Jahr auch die Preisträgerin des hoch dotierten Wolfsburger Kunstpreises ist. 

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2014/03/03

Best Dressed @ The Oscars...


Der Oscar ist ein ziemlich altes Ding, 86 um genau zu sein. Manchmal merkt man das dann der Veranstaltung dann auch an. Als Katherine Hepburn ihren ersten Goldjungen bekam, war der gerade einmal fünf. Schon 1933 gab die Schauspielerin wenig auf solche Auszeichnungen und war auch seltener Gast auf roten Teppichen. Heutzutage lässt man sich selbst hochschwanger das Spektakel nicht entgehen, und sei es nur um in den Best-Dressed-Listen aufzutauchen. 
Die Zeit von Schwankleider und lustiger Mode sind lange vorbei, auch Goth à la Gwyneth traut sich von der A-Klasse keine mehr. Zarte Blüten-, Perlen- und Pailettenstickereien sind die Mode auch in diesem Jahr. Auf den ersten Blick ist alles adrett zurechtgemacht, die Abgründe entdeckt man meist (Liza Minelli sei nun ausgenommen) erst auf den zweiten Blick. 
Doch natürlich gibt es Garanten für gelungenen Stil, Frauen auf die einfach Verlass ist. Cate Blanchett hat nicht nur zurecht ihren zweiten Oscar gewonnen, sie zeigte auch wieder, wo die modische Messlatte hängt. Armani Privé ist eine sichere Bank, noch dazu scheint Giorgio beim designen nur Cate im Kopf zu haben, und manchmal ein paar arabische Prinzessinnen. Die bestickte Robe bildet eine Einheit mit ihr, scheint so wie eigentlich alles an ihr sehr selbstverständlich. Armani hat da ganz klar eine Botschafterin, und Königin Cate einen Hofschneider.
Lupita Nyong'o ist hingegen erst vor kurzem auf der modischen Bildfläche erschienen und hat auch noch gar nicht viel gemacht in Hollywood. Nun gleich mit dem Oscar ausgezeichnet zu werden ist deshalb phänomenal, weil zum einen die Konkurrenz sehr stark war (Jennifer Lawrence sahen einige schon als große Gewinnerin) und zum anderen es selten beim ersten Anlauf gelingt. Sie scheint jedoch etwas geahnt zu haben und kam als Cinderella in hellblauer Prada-Robe. Große Kleider mit jungfräulicher Allure sind immer gut, das wußte 1999 schon Gwyneth Paltrow (Ralph Lauren) und im letzten stolperte sich Jennifer Lawrence (Dior) damit zur Statue hinauf. An Tränen fehlte es auch nicht, alles richtig gemacht also Frau Nyong'o.

Cate Blanchett in Armani Privé
Lupita Nyong'o in Prada
Schade ist, dass es nur eine Gewinnerin geben kann. So sehr Cate Blanchett die Ausszeichnung verdient, so sehr hätte ich sie auch Amy Adams gegönnt. Schon allein, weil in American Hustle ein wirkliches Fashionfeuerwerk an ihr entzündet wurde. Nach viel Gucci im Film trug sie es nun auch zur Zeremonie, diesmal etwas weniger tiefe Einblicke gewährend. Das Mitternachtsblau des Kleides wäre ein perfekter Hintergrund für den Goldjungen gewesen, 2005 hat es Hillary Swank (Guy Laroche) vorgemacht. Aber leider war das nichts mit der Auszeichnung, für keinen der vier nominierten Darsteller des Films. 
Im Gegensatz zu Amy Adams hat sich Jennifer Lawrenre ein bisschen bei der Kleiderwahl vergriffen. Sie ist Anfang 20, sieht aber aus wie ein Double von Emma Thompson in einem langweiligen Kleid, bei dem nur die Farbe Hallo-hier-bin-ich schreit. Es ist bereits das zweite Mal, dass sie daneben gelegne hat, die 'Bettdecke' mit schwarzem Geschenkband bei den Golden Globes war auch kein Hit. Sie sollte vielleicht ihren Hofcouturier wechseln, Dior ist keine gute Wahl für sie gewesen. 

Amy Adams in Gucci Premiere
Jennifer Lawrence in Dior
Während man immer ziemlich schnell weiß, was man super findet und was gar nicht, ist es bei denen dazwischen schwierig. Julie Delphy ist so ein Fall, und Sally Hawkins. Das Kleid von Julie Delphy (Jenny Packham) erinnerte an Kleider, die Pharaoninnen in Hollywood'schen Monumentalschinken trugen. Das ist fraglos großer Glamour, der da aufgefahren wurde, aber die Schauspielerin ist eigentlich zu modern für ein solches Kleid. 
Je länger ich mir Sally Hawkins anschaue, desto mehr komme ich zu dem Entschluss, dass eine schlechte Entscheidung war Valentino zu tragen. Sie sieht verloren aus in den großen Kleid, die Proportionen stimmen nicht und von den Haaren ganz zu schweigen. 

Julie Delphy in Jenny Packham
Sally Hawkins in Valentino
Haare, ja da war doch noch was. Jared Leto trug sie offen! Wäre er am Ombré (dieses Wort unbedingt merken für den nächsten Friseurbesuch) nicht zu erkennen gewesen, hätte er auch schnuckeliger Kellner oder als Mitglied des Orchesters eine gute Figur gemacht. Weiße Smokingjacken gehen nicht, auch nicht wenn sie von Saint Laurent sind. Sein Kollege Matthew McConaughey hat das auch nicht gewußt, konnte aber wenigestens mit einer schwarzen Fliege am Hals und einer schönen Frau im Arm punkten. Statuen gabs trotzdem, für beide. Wie es besser geht zeigte die Gastgeberin des Abends, der Look von Ellen DeGeneres war großartig und auch von Saint Laurent.

Jared Leto
Und dann haben wir auch noch das große Debakel des Abends: Liza Minnelli. Wer noch kein Rosenmontagskostüm hat, der findet hier eindeutig die passende Inspiration. 

Liza Minnelli
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