2010/08/11

Kopieren Oder Zitieren...

Ich saß beim Frühstück und checkte nebenbei Emails. Unter anderen kam auch noch ein Kommentar zum gestrigen Post über die Zara Kopien der Balmain-Kollektion rein. Dieser nahm aber auch Bezug auf die vor wenigen Tagen geposteten Schuhe von YSL. Chris, der Autor, wies bei den Sneakers ebenfalls daraufhin, dass YSL das Design kopiert hat. Ich weiß noch nicht welche Firma das Original lieferte (Vans?), aber die These steht nun mal im Raum. Im Zara-Kommentar führte er nun an, dass wenn eine Firma wie YSL kopieren dürfe, es doch auch nicht verwerflich sei, wenn diese wiederum kopiert werden.
Ich bin da etwas anderer Meinung. Kann man hier nicht kopieren und zitieren genau auseinanderhalten? Wenn YSL einen Schuh, eventuell einen Klassiker, zitiert, steigert das doch augenblicklich auch wieder die Begehrlichkeit des vielleicht vergessenen Originals. Der Kunde kann dann entscheiden, ob er 'mehrere hundert Euro' in die Neuinterpretation investiert oder eben nach dem günstigeren Klassiker sucht. Somit werden theoretisch zwei Firmen angekurbelt, und vielleicht ein tolles Produkt aus de Vergessenheit geholt.
Kopiert Zara ein Produkt passiert das Gegenteil, das Originaldesign verliert an Reiz und Wert. Warum sollte ein Kunde etwas kaufen, wenn es zeitgleich nachgemacht an jeder Straßenecke zu kaufen ist? Luxusmarken verkaufen auch Träume und die platzen wie Seifenblasen durch Aktionen wie sie Zara gerade startet. Man könnte nun mit besseren Materialien argumentieren, aber das passt nicht auf Labels wie Balmain. Die Materialien sind zwar hoffentlich besser, aber der Kunde möchte auch die Bikerhosen weil die einen Wiedererkennungswert haben. Der Balmain-Kunde kauft die Sachen nicht, geht aber auch nicht zu Zara und kauft die Kopie. Er sucht sich was neues, einzigartigeres.
Zara schädigt nicht nur andere Firmen, sondern am Ende sich selbst. Sie ruinieren ihre Vorlagenlieferer und haben letztendlich selbst nichts mehr zum kopieren.
Es kann sein, dass ich total falsch liege mit meiner Denkweise. Ich lasse mich auch gerne vom Gegenteil überzeugen...

Kommentare:

  1. Ich finde den Punkt äusserst interessant. Ich bleibe bei solchen Fragen gerne bei der Herkunft / eigentlichen Bedeutung der Worte:

    Unter Kopieren verstehe ich einen gesamten Look (Zara vs. Balmain) zu übernehmen. Das ist immer ein heikles Thema, finde ich ehrlich gesagt im aktuellen Fall ziemlich frech. Besonders unglaublich finde ich die Ähnlichkeit der Kampagnen.
    Beim Zitieren verstehe ich, dass man nur ein bestimmtes Element aus einem grösseren Ganzen übernimmt und den Rest mit eigenen Ideen ergänzt. Das Zitieren kann, wie gesagt, dem Original neuen Schwung geben und man leitet als Zitierender etwas von dem alten Glanz auf sein neues Produkt. Das finde ich vollkommen OK, weil es zeigt, dass man sich in einem Bereich gut auskennt und - wenn es gelingt - gut mit verschiedenen Stilen umgehen kann (Vans vs. YSL).

    By the way: Zitieren ist ja in der Musik und Kunstszene ein ganz normales Phänomen: Man liest in praktisch jedem Booklet "Contains a sample of ...." auch sieht man in Musikvideos ständig, wie z.B. Lady Gaga Madonna zitiert. Man denke auch nur an "Déjeuner sur les herbes" von Manet und Picasso.

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  2. An sich ist was Du schreibst völlig richtig, aber man muss sich doch die Frage stellen, was Marken wie Zara oder H&M (besonders Trend) als Aufgabe haben? In meinen Augen ist das Ziel - besonders von Zara - oftmals eine günstige Kopie des teuren Originals zu machen, was für mich absolut in Ordnung ist, da erstens offenbar eine Zielgruppe vorhanden ist und zweitens nicht jeder in der Lage ist einem Trend nachzugehen, wenn er nicht günstig zu haben ist. Dass Zara die Kampagne nachahmt ist natürlich platt und unoriginell, aber wer Balmain nicht kennt, dem ist es egal. Wer hingegen Balmain kennt, weiß, dass zwischen Original und Kopie auch rein äußerlich noch Welten stecken. Ob das Balmain schadet, kann und möchte ich nicht beurteilen.
    Und für einen Trend gehe ich auch mal zu Zara, weiß, dass das Kleidungsstück ein paar Monate ansehnlich aussieht und danach in der Tonne landet - für einen Klassiker gehe ich gerne ein paar Monate arbeiten und habe ihn ein Leben lang.

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  3. Ein Gedanke geht mir dazu nicht mehr aus dem Kopf, auch wenn er doch irgendwie absurd zu sein scheint; wenn man mal bei Lidl kauft, fallen einem immer wieder scheinbare NoName Produkte auf, die einem irgendwie bekannt vorkommen. Ähnlicher Schriftzug, ähnliche Verpackung. Dahinter steckt nicht anderes, als dass Hersteller, die es bei Lidl nicht gibt, für Lidl unter anderem Namen billigere Produkte herstellen. Z.B. Göbber Marmelade. Ich kann mir jetzt nicht vorstellen dass Balmain in welcher Form auch immer dahinter steckt wenn bei Zara die Kopien hängen, aber seltsam ist es schon, dass nie verklagt wird, und sei die Kopie noch so dreist.

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  4. den konzernen kann es doch egal sein, deren kundschaft ist nicht deckungsgleich mit der von zara und co. und wenn sie dann doch mal dagegen vorgehen, dann meistens um mal wieder von sich reden zu machen. man kann es ja auch so sehen: kopiert zu werden ist ein immage-gewinn, ein kompliment, anerkennung. so sah es jedenfalls auch coco chanel, die sich freute wenn sie eine kopie ihres chanel-kostüms auf der straße sah. der triumpf der guten idee demokratisiert.
    das wesen der mode ist doch kopieren und rezitieren, machen wir uns nix vor und nehmen design und copyright da nicht zu ernst. mode sollte spaß machen. und wenn man das nicht allen gönnt ist das eine ziemlich elitäre haltung.
    und außerdem kopieren firmen wie dior und margiela ja auch gnadenlos, ich erinner da nur mal an die bundeswehr turnschuhe.
    die modewelt in gut und schlecht zu teilen funktioniert also gar nicht. man kann sie höchstens in faul und fleißig teilen. die einen machen sich mehr mühe beim design, die anderen weniger. letztendlich entscheidet der kunde wer mehr erfolg hat. und das ist ziemlich gut und demokratisch so.

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