2013/07/17

To Russia...


Die russische Anti-Gay-Politik ist derzeit in aller Munde. Seitdem es per Gesetz verboten ist Homosexualität darzustellen, Händchen halten oder eine offen zur Schau gestellte Regenbogenflagge reichen schon vollkommen aus, hat der Staat die Macht Menschen weg zu speren, weil damit die Jugend des Landes gefährdet werden könnte. Touristen übrigens eingeschlossen, mit 14 Tagen Arrest kann auch ein Reisender rechnen. Russland findet seinen Weg zurück ins Mittelalter, oder besser in die Ära Stalins, und die Welt kann nur Tatenlos zuschauen. 
Während andere Länder Homosexuelle bereits als Zielgruppe mit Kaufkraft erkannt haben, verschließt sich der russische Staat bewußt dagegen. Ganz abgesehen davon, dass viele Länder sogar so weit gehen homosexuelle Lebenspartnerschaften mit der Ehe gleichzusetzen. Zwar wird damit argumentiert, dass man ja generell nicht gegen Homosexuelle sei, diese "Abnormität" aber einfach nicht auf den eigenen Straßen dargestellt haben möchte. 
Doch zumindest auf kommunaler Ebene gibt es bereits Wiederstand, Städte planen schon Partnerschaften auf Grund dieser gesetzlich legitimierten Schwulenfeindlichkeit zu beenden. Vorreiter war Reykjavik, dessen (heterosexueller) Bürgermeister Jón Knarr beim isländischer Aussenministerium um Beendigung der Partnerschaft gebeten hat. Der offen bekennende Anarchist war früher einmal Schauspieler und Comiczeichner und ist nun eben Politiker. Berührungsängste hat er keine, er führt schon mal in Frauenkleidern den Christopher Street Day seiner Heimatstadt an, dafür aber Standpunkte. Und diese führten nun zu dem Antrag gegen Moskau, auf Grund der Gesetze gegen Schwule. Auch Klaus Wowereit denkt wohl über einen solchen Schritt nach. 
Nur die Wirtschaft hat nichts gegen die politischen Verhältnisse in Russland (und anderswo auch nicht), schließlich ist das ein Markt der sich gut abschöpfen lässt und erst nach dem großen Fressen kommt die Moral. So zum Beispiel lies Dior (Bild) erst kürzlich die Puppen aufmarschieren, um die Kreationen des Hauses auf dem roten Platz zu zeigen. Es geht um Milliarden, was interessieren da Menschenrechte!? 

Kommentare:

  1. Guter Beitrag, alle Partnerschaftsstädte sollten Ihre Partnerschaften mit russischen Städten aufkündigen und dies auch öffentlich ankündigen, aber wer Institute wie das Goethe-Institut in die Nähe von Agentennester rückt und durchsuchen lässt, ist für mich eh geisteskrank um es milde auszudrücken.

    Siegmar

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    1. Der Beitrag zielte aber auch darauf, dass Firmen darüber nachdenken sollten ob Profit und Wachstum wirklich alles ist. Gerade Dior gab sich im Falle von Galliano als politisch korrekt und ankämpfend gegen jede Art von Diskriminierung und Rassismus, zeigt und verkauft aber in Russland, wo beides an der Tagesordnung ist. Das ist doch scheinheilig.

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  2. Natürlich ist das mehr als scheinheilig, es geht aber um ein Milliardengeschäft, da ist man gerne mal scheinheilig. Mir ist einfach auch eine politische Aussage wichtig, siehe den aktuellen Fall Nawalny, der wird jemand auf Jahre mundtot gemacht und die Politik schaut zu.
    Siegmar

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