2013/03/21

Geschichtsaufarbeitung Im Fernsehen...


Im Januar beglückte uns das ZDF mit der Adlon-Romanze, im Februar hielt die ARD mit dem Reichstagsbrand dagegen und nun, im März gipfelte alles im Dreiteiler 'Unsere Mütter, unsere Väter'. Drei Abende lang hatte das geneigte Publikum Zeit sich mit den fünf Freunden durch den Zweiten Weltkrieg zu kämpfen, selten mit ihnen zu lachen und oft mit ihnen zu leiden. Vielleicht zum ersten Mal griff man in einer Fernsehproduktion ein Thema auf, dass man bislang lieber gerne umschiffte, nämlich die anfängliche noch bis in die ersten Kriegsjahre hinein andauernde Verblendung der Deutschen, die Schuld der Wehrmacht und die Frage danach, wie es sich nach dem Krieg damit eigentlich weiterleben lassen kann. 
Die Menschen, die die Kriegsjahre miterlebt haben und Fragen nach Schuld und Verantwortung beantworten können, die vielleicht die Erlebnisse auch ganz weit im Innersten vergraben haben, werden immer weniger und bald ist diese Generation selbst Geschichte. Meine eigenen Großeltern sind schon mindestens zehn Jahre tot und die sichtbarste Teilnahme am Krieg war eine in Russland abgefrorene Daumenkuppe meines Urgroßvaters. Doch während das Thema Gefangenschaft teils noch angesprochen wurde, kam der Krieg selbst nie zur Sprache. Und für Fragen war ich entweder zu jung oder aber man stellte sie lieber einfach nicht um vielleicht auch ein Idyll aufrechterhalten zu können.
Gerne möchte man in der Verblendung leben, dass die eigenen Vorfahren nichts wußten und keine Schuld auf sich geladen haben. Krieg bedeutet aber nun einmal kämpfen und es waren eben nicht nur die anderen, die ein Gewehr in die Hand hielten und es auch abfeuerten. Und es gilt auch sich einzugestehen, dass viele Gräueltaten aus einer angelernten Überzeugung heraus geschahen, aus dem Gefühl heraus mehr zu sein als das Gegenüber. 
Mit dem Dreiteiler ist es gelungen mal ein realistischeres Bild vom Krieg zu zeichnen. Auch die sonst immer gerne benutzen romantischen Rahmenhandlungen fielen glücklicherweise kurz aus. Die sehr guten Quoten sprechen für eine gelungene Umsetzung und Aufarbeitung eines gerne verschwiegenen Themas. Wer also 'Unsere Mütter, unsere Väter' noch nicht gesehen hat, sollte dies nachholen. In der ZDF Mediathek gibt es alle drei Teile zu sehen. 


1 Kommentar:

  1. den 3 Teiler fand ich mehr als sehenswert und es ist tatsächlich so das mein Großvater nie über Krieg und Gefangenschaft gesprochen hat und grundsätzlich auch keine Fragen beantwortet hat. Diese Produktion zu zeigen war sehr wichtig, insbesondere wo Jugendliche schon wieder auf die Propaganda der Rechten reinflassen und ganze Dörfer wie Jamal braun wählen und rumlaufen wie in einem Göbels-Propaganda-Film.
    Siegmar

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