2012/10/27

Leere Hülle...


"Der Lumpensammler-Aspekt der Mode von (Martin) Margiela beschreibt den refigurativen Versuch, Kleider als Zeichen des individuellen, einmaligen Lebens, und das heißt auch des Todes, zurückzugewinnen." Als Barbara Vinken mit diesem Satz nicht nur das Kapitel über Martin Margiela, sondern auch ihr Buch 'Mode nach der Mode' abschloss, sollten noch gut sieben Jahre vergehen, bis Margiela alles über ihn von Vinken geschriebene in einem einzigen Kleidungsstück manifestierte, dem Duvet-Coat. 
Margiela's Kleider, und das ist tatsächlich bedingt durch die Idee des Recyclings, des Uminterpretierens und Entfremdens, dienen nicht mehr dazu ein 'unbelebtes Ideal' vorzugaukeln, sie stehen in der Tat für eine zweite, leblose Ebene, die jedoch die Spuren aufzeigen, die das eigene und das fremde Leben auf ihnen hinterlassen hat. Das darin eingehüllte Selbst ist physisch bedeckt, gleichzeitig aber auch sehr sichtbar und verletzlich. Der Duvet-Coat aus der Winterkollektion 1990/2000 ist quasi sie Quintessenz daraus, weil er durch den Bettdecken-Aspekt, die ihm innewohnende Intimität auf die Straße bringt. 
In dieser Woche gab es nichts wichtigeres (natürlich beschränkt auf die Mode- und Blogwelt) als die in New York präsentierte Kooperation zwischen Maison Martin Margiela und H&M. Auch wenn Martin Margiela, der ja in der Tat eine real existierende Person ist, seit langem nicht mehr öffentlich aufgetreten ist und auch seit geraumer Zeit schon nichts mehr mit der Marke zu tun hat, wurden hauptsächlich Stücke aufgegriffen, die einst von ihm erdacht wurden. In den Archiven stieß man dann unweigerlich auch auf den Mantel, der in meinen Augen das vermeintlichen Highlights der Kollektion ist. 
Mich interessiert nun gar nicht, ob es dem Markenimage schadet mit einem Textildiscounter zusammenzuarbeiten, oder was die Margiela-Kunden davon halten mögen. Mich würde eher interessieren, ob der Mantel mit den selben Botschaften belegt sein kann, wie vor 12 Jahren? Sind allein das Design und der (geistige) Entstehungsprozess wichtig oder spielen auch die Verfahren der Herstellung und des Vertriebs ein Rolle? 


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