2012/10/28

Geschlossene Gesellschaft - Die Berlinische Galerie Zeigt DDR Fotografie...


Denkt man an Fotografie aus der DDR kommen einen wahrscheinlich an erster Stelle Namen wie Sibylle Bergemann, Arno Fischer oder Roger Melis in den Sinn. Oft sind es Fotografen, die sich mit Modefotografie beschäftigten, denen in den letzten Jahren immer wieder Ausstellungen gewidmet wurden. Allein die in denen Arbeiten der 2010 verstobenen Sibylle Bergemann gezeigt wurden, sind kaum noch zu zählen. Doch neben dieser auftragsbezogenen Fotografie gab es auch eine Künstlerszene, die frei arbeitete. Die Berlinische Galerie zeigt mit 'Geschlossene Gesellschaft' die Bandbreite der professionellen Fotografie in der DDR.
Wenig überraschend ist dabei die Bandbreite, mit der sich dem Thema gewidmet wurde. Doch gleichzeitig war dies so gebündelt wohl auch eher selten zu sehen. Vor allem die dokumentarische Fotografie und das Ablichten der Lebensumstände sind bekannt. Bilder in schwarzweiß, die leere Straßen, rauchende Schonsteine und immer wieder Arbeiter zeigen (Helga Paris). Dem gegenüber stehen dann die, die in leuchtenden Farben eine DDR zeigen, wie sie das Politbüro am liebsten sah; Bilder von lachenden Menschen bei Sportfesten und FDJ-Treffen (Jens Rötzsch). Bilder die sich je nach Gusto uminterpretieren lassen, deren Systemkritik man betonen oder einfach ignorieren kann.
Was in der Ausstellung dann wirklich überrascht sind die künstlerischen Herangehensweisen, die frei von allen Konventionen die Fotografie als künstlerisches Medium nutzen. Florian Merkels leuchtende Farben lassen zuerst an die Siebdrucke von Andy Warhol denken und erstaunen, weil man diese Intensität kaum mit der DDR assoziiert, Jörg Knöfel's Labyrinth führt auf beengende und beängstigende Art und Weise dem Betrachter den Prozess des Tötens vor Augen.
Zusätzlich zur Ausstellung, die sicherlich nicht umsonst in den 'European Month of Photography' gelegt wurde, gibt es in zehn Galerien Ausstellungen von in der Berlinischen Galerie zeigten Fotografen. Und auch am S-Bahnhof Ostkreuz ist Fotografie zu sehen, die mehr oder weniger direkt in Zusammenhang mit der Ausstellung steht. Einige Fotografen aus der ehemaligen DDR gründeten nach der Wende die Agentur Ostkreuz, später dann kam noch eine Schule für Fotografie dazu. Die Bilder der Absolventen werden nun am Durchgang zur Sonntagstraße gezeigt.
Wer am heutigen Sonntag also noch nichts vorhat, ein Ausstellungsbesuch in der Berlinischen Galerie lohnt sich genauso, wie die Fahrt nach Friedrichshain.

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