2012/04/08

Kino: Mirror Mirror...


Man glaube es könnte nicht mehr schlimmer kommen, doch ganz zum Schluss beginnt Schneewitchen dann auch noch in alter Bollywood-Manier zu singen und zu tanzen. Oh man, was für ein grauseliger Film! Doch jede Geschichte, egal ob nun gut oder schlecht beginnt am Anfang, also auch hier kurz zurück...
Der gestrige Tag begann mit Frühstück mit meinen Eltern. Sie waren in der Nacht von Freitag auf Samstag in der Stadt, weil ich ihnen Karten für den Friedrichstadtpalast geschenkt habe. Gegen elf haben sie dann den Heimweg angetreten und ich habe mich erstmal wieder ins Bett gelegt und bis zum frühen Nachmittag geschlafen. Nach einem kurzen zweiten 'Frühstück' ging es direkt zur KPM Manufaktur, und von da aus weiter zum Einstein Stammhaus auf der Kurfürstenstraße. Spannend war da das Publikum. Neben den ganzen Familien und älteren Herrschaften gab es da auch die Fetischfraktion zu sehen, die zu kniehohen Springerstiefeln das Latexwestchen unter der Trainingsjacke trugen. Nach dem gesitteten Kaffeechen gings für die Herren bestimmt wieder zurück in den Darkroom. Aber das will ich mir gar nicht erst vorstellen müssen. 
Nachdem wir unseren Kaffee beendet hatten, waren wir kurz recht planlos. Doch Kino war eine Option und der Potsdamer Platz ist auch gleich um die Ecke gewesen. 'Mirror Mirror', also leichte Kost, war dann tatsächlich der Film des Moments, doch schon allein die Tatsache, dass nur noch Plätze in der zweiten Reihe frei waren, hätte mich abschrecken sollen, tat es aber nicht. Auch das Kindergeschrei und laute Popcorngefresse mancher Mitbesucher reichten noch nicht aus, mich wieder aus dem Kino rauszubringen. Leiser wurde es erst als die Werbung begann. Waren die Schnaps- und Bierspots gleich zu Beginn eigentlich für die Eltern gedacht? War es als Warnung dahingehend zu sehen, dass man den Film nur alkoholisiert ertragen kann? 
Na ja, dann ging das Drama endlich los und wir hatten das Vergnügen eine kämpfende Prinzessin und eine teilweise sogar ganz lustige Julia Roberts zu sehen. Insgesamt war der Plot aber so dumpf, dass es sich eigentlich nicht lohnt darüber überhaupt ein Wort zu verlieren. Die Kostüme und das Szenenbild hingegen waren schon recht interessant und teilweise sogar beeindruckend. Eiko Ishioka, die im Januar diesen Jahres verstorben ist, hat sich noch einmal richtig ausgetobt und einen wahren Kleiderrausch abgeliefert. Für eine Epoche konnte sie sich nicht entscheiden. Während die böse Königin elisabethanisch daherkommt, ist Schneewittchen eine Mischung aus Rokoko und zweites Kaiserreich und der Prinz spätes Empire. Aber bei Märchen steht eh eher der Bilderrausch im Vordergrund, weniger das Festlegen auf eine Epoche. Unter dem Aspekt kann man die Handlung genau einmal ertragen, danach helfen auch die Kostüme nicht mehr den ganzen Unsinn aufzupeppen. 
Was bleiben wird von 'Mirror Mirror' ist die Erinnerung an die wunderschöne Cartier-Werbung im Vorfeld des Filmes. Keine Ahnung warum die da lief, das Publikum war eher weniger Cartier, eher Spielemax. Als wir das Kino verlassen haben, tobte übrigens ein kleiner Schneesturm...

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