2012/03/07

Le Train Bleu De Louis Vuitton...


Zwischen 1922 und 1939 verband ein Zug den Norden Frankreichs mit den mondänen Badeorten an der Cote d'Azur. Wohlhabende Briten reisten so in die Sonne und genossen während dieser Reise exklusiven Service, sie nächtigten in Schlafkabinen und wurden von einem eigenen Stewart betreut. Zu seiner Zeit war der blaue Zug, sein Name leitet sich vom blauen Lack der Schlafwagen ab, nicht weniger legendär als der Orient Express. Ballette wurden nach dem Zug benannt und auch gemordet wurde darin; Agatha Christie und Georges Simenon machten ihn zu Schauplatz ihrer Kriminalgeschichten. Ein jehes Ende fand diese Art des Reisens dann 1939 mit Ausbruch des zweiten Weltkrieges, und nach dem Krieg veränderte sich das Reiseverhalten der Menschen eh. Fast 24 Stunden Zugfahrt wollte dann niemand mehr auf sich nehmen. 
Heute Morgen fuhr Le Train Bleu in das im Louvre aufgebaute Zelt ein und versetzte das Publikum noch einmal in diese legendäre Epoche zurück. Den Wagen entstiegen Modelle in Reisekostümen, die in so aufwendigen Jacquardmustern gewebt waren, dass man sich in die Zeit zurückversetzt fühlte. Sie erinnerten in der Farbgebung an Bloomsbury und die Arbeiten Sonia Delaunays. Ähnlich muss es wohl ausgesehen haben, als in den frühen 1920-er Jahren russische Emigranten, vornehmlich Großfürsten und Großfürstinnen wie Felix und Irina Yusupov, den Zügen entstiegen und die Pariser mit der ihnen inne wohnenden Grandezza beeindruckten. Louis Vuitton zeigte Kleider und Essembles, die sich in die Zeit des stilvollen Reisens zurückwünschen lässt. 
Nicht zum ersten Mal war ein Zug Schauplatz einer Modenschau, mit dem 'Dior'ient Express' hat John Galliano schon für den Winter 1998 diese Kulisse als Schauplatz seiner Haute Couture Schau gemacht. Marc Jacobs braucht kein Dior um Dior zu spielen, in den letzten Saisons gleicht sich nicht nur die Mode der hohen Schneiderkunst an, sondern eben auch das Ambiente. Das Karussell im letzten Jahr, oder die Fahrstühle in der Saison davor, waren aufwendig und beeindruckte das Publikum. Doch sind es alles auch Sachen, die eben andere schon mal gezeigt haben – der Zug gab es eben schon bei Dior, das Karussell bei Chanel. Vergisst die Modemeute so schnell, dass man einfach alles wieder aufbereiten kann und neu erscheinen lässt?

Bild: Screenshot

Kommentare:

  1. ja, die vergessen schnell. so wie die goldfische.
    das sind sie letzen endes auch.
    schnelles vergessen schützt davor, nachdenken
    zu müssen. nachdenken, auch über sich selbst.
    nachdenken darüber, dass einen die anderen
    vielleicht eben so schnell vergessen könnten.
    nachdenken darüber, was man vielleicht selbst
    für ein armes licht ist.

    wie dem auch sei. das LV-remake ist etwas fade.
    zumal dior doch auch LV ist, oder?
    haben die dann den alten galliano-zug genommen
    oder einen neuen bauen lassen?
    die alte show fand ich auf jeden fall besser, irgendwie
    atmosphärischer. die neue etwas fade und lahm.

    und um auf meinen post von vor wochen zu kommen.
    das machen menschen mit viel viel geld, die an noch
    mehr geld kommen wollen. es gab auch einfache, gute
    shows, von leuten, die (noch) keiner kennt, die eine
    gute, solide kollektion auf die beine gestellt haben und
    die in einer einfachen location gezeigt haben.

    müssen wir einen LV-zug sehen, wenn wir selbst viele
    stunden im zug sitzen?
    NEIN!

    FRED*

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  2. Die Lock ist alt, der Wagen wurde extra gebaut... Bei den Kleider hat es dann nur Stickereien auf der Vorderseite gereicht, die Rückseiten sind unbestickt aus glatten Stoffen... Vorne hui, und hinten...

    Ich verstehe was du meinst und in dem Fall ist wieder die Kulisse hauptsächlich dazu da, um das Publikum zu (ver)blenden. Ähnlich verhält es sich auch mit Chanel.

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  3. ja, das stimmt. ich habe mir die chanel show angeschaut.
    der schmuck ist unglaublich toll. aber der rest. das sieht
    genau so aus, wie die kollektionen davor. nichts macht
    wirklich lust. das ganz hätte man auf 20 teile konzentrieren
    können.
    lasch und lahm die show übernimmt jetzt immer mehr die
    mode und die models sind auch kein knaller mehr.
    das wird immer mehr und mehr kommerzialisiert und die
    mode leidet darunter.
    und alle schauen zu klatschen und lassen sich "einlullen".

    man darf das nicht weiter unterstützen und muss kritischer
    sein.

    FRED*

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