2011/09/21

Blica Im Interview...



Anne Feldcamp und der von ihr gemachte Blog 'Blica' gehören zu den Glanzlichtern in der Blogosphäre. Die Betrachtung von Mode und deren Einordnung in einen gesellschaftlichen Kontext findet in so gelungener Form kaum anderswo statt. 
Sie war nun so nett ein paar Fragen zu Mode im allgemeinen und zu Blogs ganz speziell zu beantworten. Ich danke ihr sehr für das nachfolgende Interview.

Seit wann bloggst du regelmässig? Und wie kamst du dazu?
Ich blogge seit Anfang 2008 – mein Blog entstand nach meinem Umzug nach Wien als Privatblog, das eigentlich niemanden interessiert hat. Erst so langsam habe ich entdeckt, dass da auch noch andere über Mode bloggen und so eröffnete sich für mich so langsam die wunderbare Welt der Modeblogs. 

Welchen Stellenwert hat Mode für Dich?
Ich habe in der Schule immer meine Mitschülerinnen in ihren damals angesagten Levis501- bewundert. Faszinierenderweise waren das nämlich auch die, die die Jungs abbekamen. Was ich daraus gelernt habe: Mit Kleidung kann man einfach verdammt gut tricksen. Ich habe dann gleich mal modisch rebelliert gegen die 501 und die damit einhergehenden Kleidungskonventionen. Das sah zwar ziemlich scheiße aus, war aber wohl wichtig und auch richtig. Kurz gesagt: Mit 15 wäre ein Modeblog für mich undenkbar gewesen. Die Mode an sich hat mich jedoch nie mehr so richtig losgelassen, auch wenn sich meine Leidenschaft jetzt nicht unbedingt in einem Kleiderschrein à la Anna dello Russo niederschlägt. Denn eines habe ich gelernt: Modische Improvisation ist alles.

Welchen Stellenwert hat Mode als Konsumgut und Kulturgut in Österreich?
Schwierige Frage an eine, die quasi zugewandert ist! Nur ganz knapp: In Wien gibt es zwar mittlerweile eine Vielzahl an Modeevents und überaus interessante DesignerInnen, da es ja auch entsprechende Ausbildungsstätten (wie die Modeklasse der Universität für Angewandte Kunst, um nur eine zu nennen) gibt – im Straßenbild schlägt sich das allerdings nur bedingt nieder.

Findet Mode in Museen statt?
Die Anzahl an Modeausstellungen hält sich in Wien in Grenzen. Historisch ausgerichtete Ausstellungen wie die 2009 gezeigte „Mode der Ringstraßenzeit“ im Wien Museum speisen sich aus der Modesammlung des Wien Museums. Zeitgenössisches wie zuletzt „Get in the Haze“ gibt es immer wieder im Freiraum Quartier21 des Museumsquartiers Wien zu sehen.

Glaubst du, Blogger können Mode einer breiteren Öffentlichkeit zuführen?  Oder sind sie eher 'nur' die Träger von Werbebotschaften und steigern  das Verlangen nach Mode als Konsumgut?
Noch glaube ich daran, auch wenn mir manchmal Zweifel kommen. Modetagebücher sind sicher die populärste Form der Fashionblogs, die gut gemacht sein können, aber nichts für mich sind: Ich bewege mich visuell lieber im Hintergrund. Auf „Blica“ beschäftige ich mich ja gleichzeitig weniger theoretisch als (hoffentlich manchmal auch) unterhaltsam mit Mode. Will heißen: ein Blog ist ein Blog und da darf man auch mal was runterschreiben, was nicht zehnmal überdacht und durchformuliert wurde. 

Auch wenn das Medium Blog noch recht jung ist, hat es sich doch recht  schnell entwickelt und scheinbar nichts an Attraktivität verloren. Was  hat sich in deinen Augen am meisten verändert, verglichen mit den  Anfangsjahren um 2005/2006?
Ich bin ja vergleichsweise spät dazu gekommen, 2008 hatte ich jedoch das Gefühl, einen gewissen Überblick über die Modeblogaktivitäten (vor allem im deutschsprachigen Raum) zu haben. Das würde ich jetzt so nicht mehr behaupten, zumal die BloggerInnen immer jünger werden und wahrscheinlich wenig mit meinem Modezugang gemein haben. Trotzdem versuche ich dran zu bleiben und das nicht einfach abzutun so nach dem Motto „Früher war alles besser“.

Waren BloggerInnen in den Anfangsjahren kreativer, weil sie unbedarfter waren?
Vielleicht anders herum: ich glaube, dass man heute angesichts der Vielzahl an Blogs noch viel mehr zur Kreativität gezwungen wird. Das macht die Sache wahrscheinlich weniger unbedarft und anstrengender als noch vor drei Jahren. Sich neben all` den immer professioneller und schneller agierenden Blogs und Onlineformaten zu behaupten, lässt mich häufig Postings verwerfen, weil die ja überall schon durch sind.

Was sind die Stärken von Blogs? Und was die Schwächen?

Einerseits ist da die Selbstbestimmtheit und die Möglichkeit, sich auszuprobieren und ein eigenes Blogprofil zu entwickeln. Da steckt natürlich wahnsinnig viel Potential drin. Fernab der Theorie verschlingen nebenher geführte Blogs allerdings sehr viel Zeit, was dazu führt, dass BloggerInnen für kleine Geschenke als Aufwandsentschädigung sehr empfänglich sind. (wobei dieses Problem bekanntermaßen auch im Modejournalismus ein Thema ist)    

Mittlerweile gibt es doch einiges an Vernetzungen und vor allem  regelmäßig stattfindende Diskussionen und Vorträge. Inhaltlich sind  es aber vor allem Punkte wie Monetisierung und das Gewinnen von  Werbepartnern, die interessant zu sein scheinen. Wie denkst du darüber und wie händelst du es bei blica?
Blica ist bislang völlig werbefrei, was einerseits mit meinem eigenen Anspruch an ein möglichst unabhängiges Blogformat zu tun hat, womöglich aber auch mit meinem völlig unterentwickelten Geschäftssinn. Gleichzeitig habe ich aber gar nichts gegen intelligente Geschäftsmodelle - solange der Inhalt stimmt.

Glaubst du Blogger sind kritikfähig und sehen Kritik auch als Chance  sich weiterzuentwickeln?
Na, das ist wohl wie das Leben im Offline: Kritik anzunehmen, fällt nicht immer leicht. Konstruktiv geäußerte Kritik hat aber sicher noch keinem Blog geschadet, wenn sie denn fair und nicht beleidigend formuliert wird. 

Wie werden sich Blogs zukünftig entwickeln? Oder ist eventuell schon  das Ende der Fahnenstange erreicht?
Der Blick in die Glaskugel, schwierig: Einige wenige BloggerInnen werden wohl in etablierten Modemedien landen, eine noch geringere Anzahl an Blogs wahrscheinlich als selbstständiges Geschäftsmodell funktionieren und eine große Masse an Formaten sang- und klanglos untergehen.   

Wie sollten neue Blogs sein, um an Relevanz zu gewinnen?
Authentisch, eigen und mit Mut zur Lücke.


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