2014/03/03

Best Dressed @ The Oscars...


Der Oscar ist ein ziemlich altes Ding, 86 um genau zu sein. Manchmal merkt man das dann der Veranstaltung dann auch an. Als Katherine Hepburn ihren ersten Goldjungen bekam, war der gerade einmal fünf. Schon 1933 gab die Schauspielerin wenig auf solche Auszeichnungen und war auch seltener Gast auf roten Teppichen. Heutzutage lässt man sich selbst hochschwanger das Spektakel nicht entgehen, und sei es nur um in den Best-Dressed-Listen aufzutauchen. 
Die Zeit von Schwankleider und lustiger Mode sind lange vorbei, auch Goth à la Gwyneth traut sich von der A-Klasse keine mehr. Zarte Blüten-, Perlen- und Pailettenstickereien sind die Mode auch in diesem Jahr. Auf den ersten Blick ist alles adrett zurechtgemacht, die Abgründe entdeckt man meist (Liza Minelli sei nun ausgenommen) erst auf den zweiten Blick. 
Doch natürlich gibt es Garanten für gelungenen Stil, Frauen auf die einfach Verlass ist. Cate Blanchett hat nicht nur zurecht ihren zweiten Oscar gewonnen, sie zeigte auch wieder, wo die modische Messlatte hängt. Armani Privé ist eine sichere Bank, noch dazu scheint Giorgio beim designen nur Cate im Kopf zu haben, und manchmal ein paar arabische Prinzessinnen. Die bestickte Robe bildet eine Einheit mit ihr, scheint so wie eigentlich alles an ihr sehr selbstverständlich. Armani hat da ganz klar eine Botschafterin, und Königin Cate einen Hofschneider.
Lupita Nyong'o ist hingegen erst vor kurzem auf der modischen Bildfläche erschienen und hat auch noch gar nicht viel gemacht in Hollywood. Nun gleich mit dem Oscar ausgezeichnet zu werden ist deshalb phänomenal, weil zum einen die Konkurrenz sehr stark war (Jennifer Lawrence sahen einige schon als große Gewinnerin) und zum anderen es selten beim ersten Anlauf gelingt. Sie scheint jedoch etwas geahnt zu haben und kam als Cinderella in hellblauer Prada-Robe. Große Kleider mit jungfräulicher Allure sind immer gut, das wußte 1999 schon Gwyneth Paltrow (Ralph Lauren) und im letzten stolperte sich Jennifer Lawrence (Dior) damit zur Statue hinauf. An Tränen fehlte es auch nicht, alles richtig gemacht also Frau Nyong'o.

Cate Blanchett in Armani Privé
Lupita Nyong'o in Prada
Schade ist, dass es nur eine Gewinnerin geben kann. So sehr Cate Blanchett die Ausszeichnung verdient, so sehr hätte ich sie auch Amy Adams gegönnt. Schon allein, weil in American Hustle ein wirkliches Fashionfeuerwerk an ihr entzündet wurde. Nach viel Gucci im Film trug sie es nun auch zur Zeremonie, diesmal etwas weniger tiefe Einblicke gewährend. Das Mitternachtsblau des Kleides wäre ein perfekter Hintergrund für den Goldjungen gewesen, 2005 hat es Hillary Swank (Guy Laroche) vorgemacht. Aber leider war das nichts mit der Auszeichnung, für keinen der vier nominierten Darsteller des Films. 
Im Gegensatz zu Amy Adams hat sich Jennifer Lawrenre ein bisschen bei der Kleiderwahl vergriffen. Sie ist Anfang 20, sieht aber aus wie ein Double von Emma Thompson in einem langweiligen Kleid, bei dem nur die Farbe Hallo-hier-bin-ich schreit. Es ist bereits das zweite Mal, dass sie daneben gelegne hat, die 'Bettdecke' mit schwarzem Geschenkband bei den Golden Globes war auch kein Hit. Sie sollte vielleicht ihren Hofcouturier wechseln, Dior ist keine gute Wahl für sie gewesen. 

Amy Adams in Gucci Premiere
Jennifer Lawrence in Dior
Während man immer ziemlich schnell weiß, was man super findet und was gar nicht, ist es bei denen dazwischen schwierig. Julie Delphy ist so ein Fall, und Sally Hawkins. Das Kleid von Julie Delphy (Jenny Packham) erinnerte an Kleider, die Pharaoninnen in Hollywood'schen Monumentalschinken trugen. Das ist fraglos großer Glamour, der da aufgefahren wurde, aber die Schauspielerin ist eigentlich zu modern für ein solches Kleid. 
Je länger ich mir Sally Hawkins anschaue, desto mehr komme ich zu dem Entschluss, dass eine schlechte Entscheidung war Valentino zu tragen. Sie sieht verloren aus in den großen Kleid, die Proportionen stimmen nicht und von den Haaren ganz zu schweigen. 

Julie Delphy in Jenny Packham
Sally Hawkins in Valentino
Haare, ja da war doch noch was. Jared Leto trug sie offen! Wäre er am Ombré (dieses Wort unbedingt merken für den nächsten Friseurbesuch) nicht zu erkennen gewesen, hätte er auch schnuckeliger Kellner oder als Mitglied des Orchesters eine gute Figur gemacht. Weiße Smokingjacken gehen nicht, auch nicht wenn sie von Saint Laurent sind. Sein Kollege Matthew McConaughey hat das auch nicht gewußt, konnte aber wenigestens mit einer schwarzen Fliege am Hals und einer schönen Frau im Arm punkten. Statuen gabs trotzdem, für beide. Wie es besser geht zeigte die Gastgeberin des Abends, der Look von Ellen DeGeneres war großartig und auch von Saint Laurent.

Jared Leto
Und dann haben wir auch noch das große Debakel des Abends: Liza Minnelli. Wer noch kein Rosenmontagskostüm hat, der findet hier eindeutig die passende Inspiration. 

Liza Minnelli
Alle diese und noch mehr Bilder gibt es hier

2014/02/27

Neu Am Kiosk: GQ Style...


Langsam wird das Regalfach voll, in dem die GQ Style untergebracht ist. Doch das ist kein Grund nachher nicht gleich zum Zeitschriftenladen zu gehen und mir die neue Ausgabe zu holen. Vielleicht fange ich jetzt auch an mir wieder Haare wachsen zu lassen...
Nein, definitiv ist will ich keine langen Haare, und blonde Spitzen schon gar nicht. Natürlich kommen auch die GQ-Style Autoren an den Haaren von Jared Leto nicht vorbei und sie sind sicherlich auch gespannt wie seine Haare dann heute bei den Oscar's zusammengeschlungen, hochgefummelt oder wellig onduliert sind. Doch wenn er eins von dem Coverfoto lernen kann, dann ist es dass zu gemacht ziemlich unsexy aussieht, auch wenn sich noch so viel Mühe bei dem Look gegeben wurde.
Gleich nach dem Text über Hollywoods neuen Lieblingsgrunger geht es langhaarig weiter und 14 Seiten lang kann man sich anschauen, wie viel besser dann eben ungemacht aussieht. Das durch sanftes Wasser wandelte Modell trägt dann nicht nur das ganze große Thema des Summer, große abstrakte Muster und Hawaiimotive, sondern auch die essentiellen Teile von Prada. Ich höre unweigerlich Wagner's Wallkürenritt und sehe dabei Kubrick's Hubschrauber vor meinem inneren Auge. Schön sind die Sachen, klar, aber man muss sie nicht in jeder Strecke sehen. Gucci und Saint Laurent sind auch  oft vertreten, aber nicht so erkennbar.
Zu den wirklich Begehren weckenden Teilen im Heft gehören aber nicht die stark gefeaterten Teile, sondern ganz andere und unerwartete. Zum Beispiel sind da Hosen von Michael Kors, sie selbst mittels Herstellernachweis nirgendwo zu finden sind. Abgesehen davon, dass Kellan Lutz sehr adorable darin aussieht, ist auch der Schnitt einfach sehr neu wirkend. Bundfaltenhosen mit ausgestelltem Beim und hoch in der Taille getragen sind irgendwie altes Hollywood und durchaus auch in der Jetztzeit gut einsetzbar.
Und dann ist da noch eine ganze Strecke voll mit Einteilern, die die Sommergarderobe perfekt vervollständigen. Wie gut einen modeaffinen Freund zu haben, der ein solches Teil im Schrank hat.


Bei einem Magazin wie GQ-Style sollte man eher von einem Befriedigungsauftrag als von einem Bildungsauftrag sprechen. Dem jedenfalls kommt das Heft wieder einmal nach, wenngleich es nicht die Euphorie früherer Ausgaben auszulösen vermag.

2014/02/25

No Country For Gay People...


Russland hat es zuletzt nicht nur wegen Olympia in die Nachrichten geschafft, die neuen Gesetze in Uganda finden in den Kommentaren bei tagesschau.de Befürworter und in Arizona steht ein Gesetz kurz vor der Verabschiedung, das es Geschäftsleuten ermöglicht (vermeintlich) homosexuelle Kunden aus religiösen Gründen abzulehnen. Die Welt ist zweigeteilt und spaltet sich immer mehr, Homosexualität ist der große Aufreger und auch hierzulande treibt das Thema so manchem die Angstschweißperlen auf die Stirn. 
Wie immer sind es religiöse Gründe und Begründungen, in Uganda wie in Arizona, die ausgeübte Homosexualität unter Strafe stellen bzw. Diskriminierungen legitimieren. Wie immer geht es darum einfach einen Schuldigen auszumachen, der als Sündenbock herhalten muss. In allen Fällen wird der Schutz von christlichen Traditionen und natürlich der Schutz Minderjähriger ganz oben angestellt. Als ob Homosexualität anerziehbar wäre. Aber diesbezüglich ist Uganda genauso ein Entwicklungsland wie Arizona und Teile Baden-Württembergs. 
Schlimm ist, dass man nicht wirklich etwas tun kann. Eine Homo-Lobby, immer wieder im homophoberen Teil der Kommentarleisten erwähnt, existiert ganz real nämlich nicht. Die Community erscheint nur nach aussen hin als Einheit, im Grunde verbindet alle nur die kleine und im Grunde ganz unwichtige Tatsache, dass wir einen Menschen gleichen Geschlechts lieben oder eben mehr davon sexuell angezogen werden. Was ist daran so beängstigend? 
Wären wir eine Lobby, dann könnte es durchaus unbequem werden. Angeblich soll ja jeder zehnte Mensch 'andersrum' sein, was dann etwas mehr als eine kleine Bewegung wäre und als Gemeinschaft dann nicht mehr übersehen, übergangen oder in die zweite Reihe gestellt werden könnte. 
Als Matthias Matussek seine kleine Hasstirade losgelassen hat und noch dazu versuchte Homophobie mit freier Meinungsäusserung gleichzusetzen, gab es eben keine Lobby, die aufgestanden ist und Herrn Matussek gemeinschaftliche eine 'in die Fresse' gehauen hat. Kann man aber noch nachholen!


2014/02/21

Prada X Fassbinder...


Definitiv ein Film den man sich anschauen muss um die Mode von Prada für den kommenden Herbst zu verstehen ist 'Die bitteren Tränen der Petra von Kant' von Rainer Werner Fassbinder. Und wenn man schon einmal dabei ist, kann man sich auch gleich all seine anderen Frauenfiguren mit anschauen. Maria Braun oder Veronika Voss bieten ganz klar auch Stoff für den oder anderen Look, und für feuchte Träume gibt's Querelle. 
Doch wenn man mal all die künstlerische Intention der Kollektion weglässt und rein die Klamotte betrachtet ist es gar nicht nicht mehr so einfach sich diese Looks an der normalen Frau vorzustellen. Ist aber auch gar nicht nötig, für die sind all die transparenten Kleider mit den Fellkanten und Lederpaspeln eh nicht gemacht. 
Ach ja, um auf den Boden kommt ganz à la Beuys grauer Filz!


2014/02/20

Horizont Jawlensky Im Museum Wiesbaden...


Alexej von Jawlensky habe ich als Maler erst in Wiesbaden kennengelernt. Seine Serie abstrakter Köpfe, die durchaus als expressionistische Ikonen gelten können, blieben mir bei meinem ersten Besuch im hiesigen Museum in Erinnerung. Nun widmet das Museum dem aus Russland stammenden und 1941 in Wiesbaden verstorbenen und auf dem hiesigen russisch-orthodoxen Friedhof begraben eine Ausstellung, die sein Werk in die Kunstgeschichte einordnet. Neben Weggefährten wie Marianne von Werefkin, Wassily Kandinsky und seinem Lehrer Ilja Repin sind auch Werke von Vincent van Gogh, Paul Cézannes, Edvard Munch und vielen anderen Künstlern zu sehen.
Horizont Jawlensky zeigt auf, wie die künstlerische Entwicklung geprägt wird durch Weggefährten, Freunde und Vorbilder. Aber es ist auch zu sehen, wie sich der Künstler eben aus genau jenen Fängen wieder befreien muss, um den eigene Stil weiterzuentwickeln. Der 15 Räume umfassende Rundgang ist nach Themen und künstlerischen Etappen gegliedert. Es geht über München und den Blauen Reiter weiter zum pointillistischen Stil Seurat's und Signac's bis hin zu kubistischer Lichtmalerei, wie sie in den Bildern Robert Delaunays zu finden ist. 
Die Vielschichtigkeit in der Arbeit findet sich bei wenigen Künstlern, meist bleiben sie einem Stil und einem Ausdruck treu, sind Impressionisten, Expressionisten, Kubisten. Von Jawlensky war alles, teils gleichzeitig oder auch nacheinander. Es ist schwer ihn einzuordnen, oder auch nur festzustellen ob er nur Impulse aufnahm oder selbst welche setzte. Kunstgeschichte hat er erst mit seinen Serien geschrieben, zu denen auch jene abstrakten Köpfe gehören und die nun in der Ausstellung gar nicht zu sehen sind. Vielleicht weil es dafür dann keine Referenzen mehr gibt und eben kein anderer Künstler etwas ähnliches gemacht hat. 
Zu sehen ist Horizont Jawlensky noch bis zum 01. Juni 2014 im Museum Wiesbaden 


Alexey von Jawlensky, Hyazinthe länglich
Leo Putz, Bildnis Gusti Bennat II
Franz von Lenbach, Bildnis Marion
Gabriele Münter, Promenade
Ferdinand Hodler, Frauenbildnis
Marianne von Werefkin, Badehaus
Robert Delaunay, Die Fenster über der Stadt

2014/02/09

American Hustle - How To Look Like Sydney Prosser Alias Amy Adams...


American Hustle ist noch nicht bei uns in den Kinos gestartet, Deutschland-Premiere ist erst am 13. Februar, doch der Film hat schon jetzt nicht nur gute Chancen auf den ein oder anderen Oscar, sondern kann auch modisch eine Renaissance des Disco-Looks auslösen. Die Sexyness der späten 70-er Jahre gab es so zum letzten Mal bei Studio 54 im Kino zu sehen, der Trend hat also Potenzial.
Die herausragende Figur mit dem größten Potenzial als neue Modeikone ist die von Amy Adams dargestellte Sydney Posser.  Sie trägt schwingende Jerseykleider zu hochhackigen Riemchensandalen, der Ausschnitt recht selten nicht bis zum Bauchnabel und die langen rotbraunen Locken sind perfekt gelegt. Wahrscheinlich hat sich an ihrer Figur der für einen Oscar nominierte Kostümbildner des Films, Michael Wilkinson, richtig ausgelebt und hat weniger Originalfotos gewälzt, als sich Tom Ford's Gucci Kollektionen aus den 90-er Jahren angeschaut. 
Nicht nur die plakative in die Kamera gehaltene Lady Lock in der Python-Version bringt die Marke ins Spiel, auch die beim genaueren Hinsehen zu erkennende Horsebit Halskette weisen auf die Marke, die zwei ikonische Details (Horsebit und Bambushenkel) als essentielle Markenzeichen ins Rennen schickt. Das ist natürlich recht nah an der Schleichwerbung dran, aber wir sind ja seit langem nichts anderes mehr von Filmen gewöhnt. Und lieber Mode als Autos und Schnaps...

Lady Look in Python von Gucci
Horsebit Halskette von Gucci
Doch da ist noch eine andere Marke, die ihre Wurzeln in den 70-er Jahre hat und den Stil dieser Zeit vor allem durch das noch heute aktuelle Wrap-Dress verkörpert. Amy Adams trägt davon gleich verschiedene Farbvarianten und natürlich wirbt auch Diane von Fürstenberg damit. Nach der großen Renaissance der Kleider vor ein paar Jahren, dürfte nun eine neue Kundinnengeneration diese Kleider wieder entdecken und sofern sie nicht schon im Kleiderschrank der Mütter hängen und als Vintagevarianten getragen werden können, steigert die Präsenz im Film auch die Umsätze.  

Amy Adams (mit Christian Bale) in einem
Wrap Dress von Diane von Fürstenberg  
Wrap Dress von Diane von Fürstenberg
Und weil es zum perfekten Look auch Schuhe braucht, habe ich die Sandalen von Saint Laurent als Ideal empfunden um den Look zu komplettieren. Die sind eben nicht Vintage oder Retro, sondern ganz neu und heiß, aber trotzdem ziemlich Disco. 

Saint Laurent
Wie schön erwähnt, der Film ist noch nicht in den Kinos zu sehen, aber sicherlich ist er schon jetzt prägend ein Leitmotiv kommender Moden. Man sehe sich nur mal die Looks an, die Prada verstreut während der Männerkollektion zeigte. Da gab es eben genau jenen Sexappeal zu sehen, dem Amy Adams so lässig auf der Leinwand Leben einhaucht. Prada ist ganz weit vor, Gucci historisch bedingt auch, und andere werden folgen. 
Wie sich das auf die Männermode auswirken wird, ist weit weniger vorhersehbar. Sicherlich wird weder Bradley Cooper's Minipli noch das zum offenen Hemd getragene Brusthaar modische Hysterien auslösen. Aber vielleicht tragen wir die Hosen unten wieder weiter und bevorzugen längere Hemdkragenvarianten? Ideen liefert der Film einige, es ist an uns was draus zu machen!

Ball Des Sports 2014...


Zum zweiten Mal in meiner Zeit in Wiesbaden fand fast vor meiner Haustür der Ball des Sports statt, der zu Gunsten der Deutschen Sporthilfe zum 44. Mal Sport und Wirtschaft zusammenbrachte. Wieviele der knapp 2.000 Gäste die rund 1.000 Euro für die Eintrittskarte selbst bezahlt haben, weiß ich nicht. Aber sicherlich haben so einige den Unkostenbeitrag gerne gezahlt um mit OlympiasiegernInnen und WeltmeisternInnen zu dinieren. Es geht auch tatsächlich um den guten Zweck, schließlich unterstützt die Deutsche Sporthilfe letztendlich SportlerInnen darin Träume von Olympia zu realisieren. 
Kein Wunder also, dass die Demonstranten auf der gegenüber liegenden Straßenseite überhört wurden, obwohl dies eigentlich kaum möglich war. Auf den Plakaten ging es hauptsächlich um die Zustände in Russland und das vermeintliche Wegsehen in Bezug auf anhaltende Menschenrechtsverletzungen. In der HR-Abendschau wurde natürlich auch das angesprochen und die Initiatoren des Balls, allem voran der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Sporthilfe Dr. Michael Ilgner, betonte, dass man auch Herrn Hitzlsperger eingeladen hat, er aber nicht hat kommen können. Was für ein Statement ist das denn bitte gewesen Herr Ilgner. Bei Fussballerinnen ist Homosexualität viel weniger ein Tabu. Steffi Jones, ehemalige Fussballnationalspielerin und offen lesbisch, kam mit ihrer Ehefrau. 



Es waren aber noch ein paar mehr Persönlichkeiten angereist, die neben dem (leider immernoch) hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier über den roten Teppich flanierten. Britta Heidemann, Franziska van Almsick und die ehemalige Hochspringerin Ulrike Meyfarth waren gekommen, Fabian Hambüchen und Matthias Steiner auch. Die Bundesregierung wurde vertreten durch Thomas de Maizière und Veronica Ferres lässt natürlich auch diesen roten Teppich nicht aus, das ausgschamte Luder. 
Nach einem dreigängigen Menü galt es nur noch den Auftritt von PUR zu ertragen und dann durften sie alle wieder nach Hause. Mit einem Reinerlös von 750.000 Euro kann man den Ball als Erfolg verbuchen. 
Es war übrigens der letzte Ball in den Wiesbadener Rhein-Main-Hallen, denn die werden noch in diesem Sommer abgerissen und machen einem Neubau platz. Trotzdem wird der Ball auch in den kommenden Jahren in Wiesbaden stattfinden, das gab Oberbürgermeister Sven Gerich gestern Abend bekannt. Der war nicht nur zusammen mit seinem Ehemann Ballgast, sondern stattete auch den gut 25 Demonstranten einen Besuch ab. 


2014/02/07

Doodle Des Tages...


Wer sich heute schon einmal zu Google verirrt hat, dem wird der heutige Doodle aufgefallen sein, das ein politisches Statement ist und damit eine Besonderheit in Google's Doodle Universum darstellt. Ganz bewusst wurde für den heutigen Tag die Regenbogenflagge, das offizielle Zeichen LGBT- Community, mit Sport zusammengebracht. Das ist eine wirklich gute Sache und ein gelungenes Zeichen gegen die Russland gängige Diskriminierung von Minderheiten zum Auftakt der olympischen Spiele!

Recycling: Warum Sotschi So Viel mit Olympia 1936 Gemeinsam Hat...


Gestern starteten inoffiziell die XXII. Olympischen Spiele in Sotschi, noch bevor alle Athleten fein säuberlich sortiert in ein nach aussen hin fertig wirkendes Stadion einmarschiert sind, haben die Eiskunstläufer schon einmal ihre Runden drehen dürfen. Naja, ist Eiskunstlaufen nicht auch ziemlich nach dem Camp-Geschmack? Und warum ist ausgerechnet ein Eiskunstläufer Putin's Lieblingssportler?
Nach den Protesten im letzten Herbst ist wieder Ruhe eingekehrt und auch wenn noch immer Homosexuelle und andere Minderheiten tyrannisiert werden, wurde doch schnell wieder auf Sport umgeschaltet; Coke und Visa machen weiter Umsatz und Putin sonnt sich weiter in Selbstherrlichkeit.
Nachfolgenden Text habe ich schon im August veröffentlich, es lohnt sich aber ihn noch mal hervorzuholen, einfach der Aktualität halber...

Neulich erstaunte mich ein Kommentar unter dem von Silke Burmester bei Spiegel Online veröffentlichten Artikel über die Homophobie in Russland doch sehr. Meinte der Kommentator doch, dass die Anti-Gay-Gesetze in Russland eine innerpolitische Angelegenheit seien und aussenstehende nicht das Recht hätten darüber zu urteilen oder diese zu bemängeln. Klar, wir alle sind ziemlich gut darin die Augen zuzumachen oder einfach in eine andere Richtung zu schauen, wenn es unangenehm wird. Und stünden nicht die olympischen Spiele kurz bevor, wäre doch auch alles super. Bei der bevorstehenden Leichtathletik WM in Moskau, die in wenigen Tagen über die Bühne gehen wird funktioniert dies doch auch ganz wunderbar. Oder schon mal jemand von einem Boykott selbiger gehört?
Auch das IOC schaut weg, Wirtschaftsfaktor und Geldmaschine Olympia und all dieser Kram sind wichtiger als eine kleine Minderheit, die doch einfach mal ihren Mund halten soll und dann doch eigentlich ganz beschaulich leben könnte. Geht doch schließlich nur um ein paar Schwule und Lesben, anders wärs wenns Juden wären. Ach nein, dass war ja vor 77 Jahren. Und im Grunde hat auch damals das Wegschauen der Aussenstehenden wunderbar funktioniert. Für ein paar Wochen wurden in Deutschland einfach ein paar Plakate und Schilder von den Straßen entfernt und der ein oder andere deutsche Viertel- teils sogar Halbjude hat sogar mitspielen dürfen. Und die von ausserhalb hat man eh reingelassen, nach zwei Wochen sind die schon selbst wieder gefahren. Danach gings dann richtig ab und erst als das Kind sprichwörtlich in den Brunnen gefallen war hat man reagiert. Nein, eigentlich doch erst als es ans eigene Territorium ging und Hitler begann Krieg zu spielen schritt man ein. Und die Rettung der überschaubaren Anzahl von Überlebenden Juden war ein positives Nebenprodukt, welches am Ende die Möglichkeit bot die Täter vor Gericht zu bringen. 
Nun plant Putin und seine Mannschaft sicherlich nicht das eigene Land zu vergrößern, ist ja eh schon weit und größtenteils leer. Es gibt also keinen Grund sich auf den Schlips getreten zu fühlen und Streit will ja auch keiner haben. Die Schwulen hierzulande sind ja ganz nett und haben alle so einen guten Geschmack. Und die Lesben? Ja, in Pornos schaut man denen gerne mal zu... Aber bitte, um die in Russland und all den anderen Ländern mit ähnlichen Gesetzen will sich nun wirklich nicht noch kümmern müssen. Und warum Olympia boykottieren, ist doch im Fernsehen so nett anzuschauen wie die da die Pisten herunter fegen. 
Wir leben in einer Welt, in der man sich die Drohnen im Spielzeugladen kaufen kann um zu schauen ob des Nachbarsgarten auch säuberlich gemäht ist. Unsere Emails, und alle Kontobewegungen sowieso, werden überwacht, schließlich weiß man ja nie. Hinter jeder Hecke wird ein Terrorist vermutet, und verdächtig ist grundsätzlich eh jeder. Wenn es aber um die wirklich grundlegenden Rechte unserer Mitmenschen geht, hierzulande oder anderswo, haben wir unseren Großeltern und Urgroßeltern doch mehr gemein als uns lieb sein sollte.
Weitere Artikel zu diesem Thema hier und hier. Vor allem bei der TAZ sind es die Kommentare die erschrecken und davon zeugen, dass es durchaus auch hier Befürworter ähnlicher Gesetze geben könnte.

Bei Euronews gibt es übrigens viele schöne Twitter-Bilder und -Posts, die Journalisten von ihren wirklich wunderschönen Behausungen machen. Da wäre man gerne Gast in Sotschi!

2014/02/06

Recycling: Suits...


Vor gut anderthalb Jahren habe ich ein kleines Faible für die damals neue amerikanische Serie 'Suits' entwickelt, dann aber Ende der ersten Staffel aufgehört weiter zu schauen. Nun kommt die Serie auch im deutschen Fernsehen, ab Freitag geht's los auf VOX. Ich recycle jetzt einfach mal den Post, quasi der Aktualität wegen...

Seit Tagen springt mir bei einer nicht wenig bekannten und hier auch schon öfter erwähnten Shoppingseite eine Bild entgegen, welches 'Suits' anpreist. Nicht nur um die Anzüge geht's, sondern auch um die TV-Serie, die schon im letzten Jahre in den USA angelaufen ist und auch einige europäische Sender ins Programm genommen haben. In Deutschland ist man da noch nicht ganz so weit, vielleicht weil zu wenig Blut und vorkommt und zu wenige Klischees bedient werden. Wie dem auch sei, ich habe gestern ein bisschen im Netz gesucht und die Serie gefunden. Den Sonntag verbrachte ich damit meinen Kleiderschrank aufzuräumen, auszumisten und 'Suits' zu schauen. 
Früher, also vor gut zehn Jahren, war ich mal ein Fan von 'The Practice'. Ich mochte den Schneid von Dylan McDermott, der war nicht unsexy. Danach dann habe ich keine Anwaltserie mehr gefunden, die ich nur irgendwie ansatzweise interessant fand. Nach fünf Folgen hat mich das 'Suits'-Fieber gepackt, nicht nur der Style gefällt mir, auch die Inhalte. 
Die Geschichte von 'Suits' ist die eines jungen Mannes, der schlau und charmant ist, allerdings sein Leben nicht wirklich auf die Reihe gekriegt hat. Zufällig stolpert er in die Bewerberrunde einer Anwaltskanzlei, wird angestellt und muss nun sein Leben dort meistern. Patrick J. Adams / Mike Ross und Gabriel Macht / Harvey Specter sind die beiden Hauptdarsteller der Serie, spielen Boss und Assistent wenn man so will. 


Was man bei 'Suits' aber auch lernen kann, und da schließt sich der Kreis zur Shopping-Seite, ist die Macht von Kleidung. Der richtige Anzug, vor allem der richtig gut sitzende Anzug, entscheidet über Erfolg und Misserfolg. Tragisch zwar, und furchtbar oberflächlich, aber so läuft der Hase nunmal. Von Harvey kann man einiges lernen. Er trägt stets eine Weste unterm Jacket, alles ist perfekt zusammengestellt. Mike hingegen hat noch einiges zu lernen; an erster Stelle, dass man für 500$ vielleicht einen vernünftigen Anzug bekommt, keinesfalls aber fünf. Und zu schmale Krawatten sind auch nicht gerade eine gute Wahl. Aber wie schon erwähnt, Mike ist ein schlaues Kerlchen und lernt schnell. 
Und auch wir können einiges lernen, sofern wir genau hinschauen. Man kann sich abschauen, wie man in Anzügen eine gute Figur macht und wie diese auf andere wirken. Aber es gibt auch noch ein paar andere hilfreiche Tipps fürs Leben. 'Suits' kann aber genauso dazu dienen aufzuzeigen, wie man als Mann ziemlich stylisch den Tag rumbringen kann ohne gleich in die noch immer vorherrschende 'Mad Men'-Midcentury-Nostalgie zu verfallen. 
Ich werde nun noch ein bisschen weiterschauen, weiter aufräumen und dann mal überlegen, ob es nicht mal wieder Zeit für einen Anzug wäre...

Nach zwei Jahren habe ich letztere noch immer nicht im Schrank, brauchte ich bisher einfach nicht. Viel Spass mit 'Suits'!

2014/02/02

Kino: Der Medicus...


Ein Jahr ist es her, dass ich Noah Gordon's Historienklassiker gelesen habe und noch etwas länger, dass ich auf einen Wilmersdorfer Hinterhof zwischen einem Haufen Schaffellen hockte und daraus eine Mantel gebastelt habe. Stellan Skarsgård, in der Rolle des trunkenboldigen Baders, war dann auch mehrmals darin zu sehen... 
Mein Dreivierteljahr bei der Theaterkunst in Berlin bot auch die Möglichkeit einen kleinen Beitrag zu diesem Film leisten zu dürfen und heute dann im Kino sehen zu können, was daraus geworden ist. Wieviel Arbeit allein in den Gewändern der 'Studenten' gesteckt hat, mit welcher Akribie alles von Hand hat genäht werden müssen und dann doch wieder ganz anders auszusehen hatte, kann man sich auch nur bruchstückhaft vorstellen, wenn man es nicht selbst miterlebt hat. Thomas Oláh war für das Kostüm verantwortlich.


Allein für die Ausstattung ging ein Großteil des Geldes drauf. Bei 26 zur Verfügung stehenden Millionen Budget ist es ein Wunder, dass der Film durchaus mit von Hollywood produzierten Kostümschinken mithalten kann und optisch zu überzeugen vermag. Der Regiseur Philipp Stölzl verbindet im Medicus schöne Bilder mit einer spannenden und kurzweiligen Handlung. Tatsächlich gibt es keine einzige langweilige Minute, höchstens manchmal etwas zu viel Pathos. Das kann seiner Vergangenheit als Opernregisseur geschuldet sein, und seiner Zusammenarbeit mit Rammstein, Westernhagen und Madonna. Und wenn dann die Sonne über der Wüste aufgeht ist auch der Werbefilmregisseur Stölzl nicht weit.
De Schauspielerriege setzt sich aus Kinoneulingen wie Tom Payne, gestandenen Hasen wie natürlich Ben Kingsley und Stellan Skarsgård und ein paar bekannten heimischen Gesichtern zusammen. Franz Dinda hat einen kurzen Auftritt, Fahri Yardim hätte ich gar nicht erkannt und von Elyas M'Barek hatte ich mir mehr versprochen. Seit 'Fack yu Göhte' ist der ja in aller Munde und darf nun im Medicus an der Pest sterben. Gar nicht gefallen hat mir Emma Rigby, die als Rebecca den Hauptdarsteller hat verzaubern dürfen. 
'Der Medicus' ist ein durchaus sehenswerter Film, der gut recherchiert das Mittelalter wiederauferstehen lässt und erfolgreich hiesigen Mittelalterklischees entgegenwirkt. Wenn man allerdings das Buch gelesen hat, wird man enttäuscht sein, weil eben zwangsläufig gekürzt hat werden müssen um den Stoff verfilmen zu können. 


2014/01/31

Aussen Hui, Innen Momix Botanica...


Die Alte Oper in Frankfurt ist schon ein Erlebnis, zumindest dann, wenn man sich nicht im Vorfeld mal angeschaut hat, was einen erwartet. Es war mehr als ein kleiner Schock, als wir das den Charme der 70-er aus jeder Pore atmende Treppenhaus vom Parkhaus her erklommen hatten und im Zuschauerraum sofort in unsere Schulzeit zurückversetzt wurden. Die Alte Oper ist mehr eine zu groß gewordene Schulaula und verzaubert nicht mal mit Chic, wie es die Deutsche Oper in Berlin oder die Kölner Oper vermag. Selbst der Friedrichstadtpalast hat mehr Esprit. Kein Wunder also, dass das Publikum nicht bereit ist sich etwas Mühe beim Outfit zu geben und es teils nicht einmal für notwendig hält das Handy auszuschalten. 
Doch wir waren ja nicht vordergründig wegen des Ambientes oder unserer Sitznachbarn dort, sondern wegen der amerikanischen Tanzkompanie Momix und deren Show Botanica. Sobald das Licht ausging, konnte man die Umgebung schnell hinter sich lassen und eine wirklich ausserordentliche Performance in mehreren Akten erleben. Modern Dance wurde mit Akrobatik und viel Budenzauber gemischt, dessen einzige Schwachstelle der nicht wirklich erkennbare roten Faden war. Aber wir wurden wirklich mitgerissen von der Musik und waren beeindruckt vom tänzerischen Können und den Bildern, die auf die Bühne gezaubert wurden. 
München, Stuttgart, Baden Baden und ein weitere deutsche Städte stehen noch auf dem Tourneeplan, es lohnt sich wirklich sich die Show anzusehen! 

2014/01/29

Zwischen Orient Und Okzident - Autoban...


Einen der sicherlich schönsten Buchläden Deutschlands gibt es in Köln, bei Walter König findet man die beste und umfangreichste Auswahl an Mode-, Kunst- und Designbüchern. Kein Wunder also, dass ich genau dort auf den bei Gestalten erschienenen Band über das in Istanbul gegründete und beheimatete Architektur- und Designbüro Autoban entdeckte. 
2003 gründeten Seyhan Özdemir und Sefer Çaglar zusammen Autoban (Der Name steht für Geschwindigkeit und verbindet das türkische Wort Otoban mit Kraftwerks Hit von 1974. Auch das Markensignet zeugt von dieser Verbindung.) und stehen seitdem für modernes Design, das spielend europäische und osmanische Einflüsse zu verbinden versteht und zurecht mehrfach für seine Arbeiten ausgezeichnet wurde. Bauhaus, Eames, Art Deco und Skandinavisches stehen der Formenvielfalt des Orients mit seinen Mustern, Strukturen und Materialien gegenüber. 
Doch was zuerst wie ein Wiederspruch erscheinen mag, fügt sich harmonisch zusammen und lässt warme Interieurs entstehen. Es ist nicht verwunderlich die Ideen der Designer vor allem in öffentlichen Raum wieder zu finden. Hotels, Bars und Restaurants wurden in der Vergangenheit ebenso gestaltet, wie Loungebereiche von Fluggesellschaften und die Geschäfte von Modeunternehmen. Osmanische Ornamente werden dabei für die Gestaltung der Wände verwendet während die Möblierung im Bereich des klassisch modernen Design anzusiedeln ist. 
Für ihre Interieurs verwenden Özdemir und Çaglan sowohl Stücke anderer Designer, wie auch aus ihrer eigenen Kollektion, die vom portugiesischen Hersteller De La Espada produziert wird. Die Schönheit und die haptische Sinnlichkeit des Designs und der verwendeten Materialien begeisterte mich bereits 2011, da habe ich Autoban zum ersten Mal entdeckt. 

Opera Palas © by Autoban
Wenn ich schon weder eine Lampe oder ein Möbelstück von Autoban besitze, so kann ich zumindest in ihren Designs und Interieurs schwelgen. Das Buch von Gestalten liefert einen ganz wunderbaren Einblick in die Welt von Autoban, liefert aber gleichzeitig noch viel mehr wissenswertes über eine lange Designtradition an deren Ende eben Autoban steht. 
Orient und Okzident beeinflussten sich über die letzten Jahrhunderte hinweg und vor allem das 18. und 19. Jahrhundert schwelgten geradezu in einer Fülle gegenseitiger Einflüsse. Europäische Herrscher verfielen einer Orientmanie, die unter anderem in der türkischen Kammer im Dresdner Schloss sehen kann und osmanische Sultane statteten ihre Paläste mit Möbeln des Rokoko aus. Auch der Zauber und das Mysterium das von den geheimen Abenteuern im Harem des Sultans ausging, war ein beliebtes Sujet in der Kunst. Für die Monografie wurde das Thema in einem Essay aufgearbeitet und macht das Buch auch was die Texte betrifft spannend. 

Möbeldesigns von Autoban
Natürlich ist auch die Gestaltung des Buches wichtig und diesbezüglich wurde ganze Arbeit geleistet. Inhaltlich gliedert sich der Band in einen Textteil am Anfang, Bildern von Interieurs im Mittelteil und Pläne und Skizzen, sowie ein Überblick über das Produktportfolio, am Ende. Das unterschiedliche Arten von Papier für die verschiedenen 'Kapitel' verwendet wurden, macht die Qualität auch noch spürbar. 

2014/01/28

Schön Unpraktisch...


Der milde Winter hat einen ganz großen Vorteil, es ist warm genug sich den Mantel lässig über die Schultern zu legen statt ihn wärmend um sich schlingen zu müssen. Was nach Dandy aussieht und schon allein der nonchalanten Wirkung wegen nur von den Italienern erfunden worden sein kann, Visconti lässt grüßen, geht nirgendwo besser als in Mailand und Florenz. Und genau da konnte man die beiden Herren im Bild auch ausmachen, bei der Pitti Imagine Uomo in Florenz.
Doch es waren gar nicht die Herren, die diesen Look seit geraumer Zeit wieder auferstehen haben lassen, sondern ein paar findige Damen, die von Saison zu Saison aufs neue Heerscharen von Streetstylefotografen zu begeistern wissen. Die Damen Chefredakteurinnen, dann die Riege russischer It-Lady's, bei denen man eigentlich auch nur halb weiß wofür sie gerade ihre fünfzehn Minuten Aufmerksamkeit abbekommen und ein paar Asiatinnen machten vor, was dann für Fashion Weeks in Berlin, Stockholm und anderswo von Bloggerinnen und modisch versierten Damen adaptiert wird. Hier ein ganz aktuelles Beispiel. Das war nicht der erste Trend, der eigentlich gar keiner ist, und bestimmt auch nicht der Letzte. 
Noch einmal zurück ins Heimische, und somit in die eigene Lebenswelt. Das perfekte Accessoire für den Look, also den weich fallenden Mantel, habe ich im Schrank und auch das Wetter ist entsprechend, trotzdem stellte sich nach einem kurzen Selbstversuch heraus, dass es wahnsinnig praktisch ist, einfach doch die Arme durch die Ärmel zu stecken – Nonchalance hin oder her. Und an den meisten Tagen trage ich eh ganz unprätentiös meinen dunkelblauen Carhartt-Parka.

Bildquelle: Streetfsn

2014/01/27

Looking...


Ich hänge in letzter Zeit doch wieder an Serien fest. Da ist natürlich das großartige Downton Abbey, neuerdings mag ich House of Cards und auch Girls finde ich ganz großartig. Nun kommt noch Looking hinzu, eine neue Serie von HBO, die drei recht unterschiedliche Männer auf ihrer Suche nach dem Richtigen zeigt. San Francisco, und das ist fast schon das einzige Klischee an der Serie, bildet den Hintergrund für die Alltäglichkeiten zwischen Freundschaft, Jobs, Liebe und Sex. 
Die erste Folge habe ich gesehen und kann es nun kaum erwarten weiter zu schauen. Allerdings heißt es auch wieder von Woche zu Woche ausharren zu müssen, voll Spannung und Vorfreude. 

2014/01/24

Sektentum Bei H&M...


Fährt man die Otto-Suhr-Allee entlang kann man den Glasbau in dem Scientology beheimatet ist gar nicht übersehen. Es ist ein kleines Missionierungszentrum, in dem jeden Tag 'Tag der offenen Tür' ist. Da Kirchen und Sekten längst an Reiz und Anziehungskraft verloren haben und Fastfood- und Fastfashionketten die neuen Religionszentren sind, hat nun H&M im Epizentrum der Pseudohippness (Hackesche Höfe) eine 'Kirche' aufgemacht, in der sich die Jünger missionieren lassen können. Was da genau abgeht und wann man da Matthias Schweighöfer treffen ist bei Lesmads nachzulesen...
Aber mal ehrlich, ist es das, was die Welt braucht? 

2014/01/23

Couturen...


In Paris zeigen, eigentlich ist der Spass noch gar nicht wirklich zu Ende, gerade wieder die Meister der Mode, dass was ihre Versionen zum Thema Haute Couture sind. Das Themenspektrum reicht von der ganz großen Oper über Materialschlachten hin zum Cloud Atlas. Was da genau auf wen zutrifft lohnt eine Einzelbetrachtung. Achso, ein bisschen Dynasty ist auch dabei.


Valentino – Opern sind dann gut, wenn am Ende möglichst viele Beteiligte sterben, und keine haben ihre Heldinnen schöner sterben lassen als Puccini und Verdi. Allein wenn sich die Tosca am Ende von der Engelsburg stürzt und dabei zum letzten Mal das musikalische Thema aufflammt sträuben sich mir immer wieder die Nackenhaare auf. Ähnliche Wirkung haben die Kleider, die nun von Valentino als couturene Visionen vorgestellt wurden. Nicht nur Tosca, auch all den anderen weiblichen Figuren der Oper ist diese Kollektion gewidmet und die auf Tüll gestickte Partitur von Verdi's La Traviata gibt die Richtung vor.  
Mein persönliches Highlight sind aber gar nicht die überreich bestrickten und mit Applikationen versehenen Tüllträume, sondern die schlichten Säulenkleider in dramatischen Nichtfarben. In ihnen kann man sich Ibsen's verzweifelte Heldinnen darstellen, wie sie versonnen über norwegische Fjorde blicken oder eine Choreografie von Martha Graham (Headerbild).
Aber wenn es ein Highlicht gibt, muss auch etwas gegenteiliges vorhanden sein. Es gibt einen Schwanenkleid, das zwar ausgefeilter, aber nicht weniger dumpf ist wie das berühmte Original von Björk. Und leider war es nicht das einzig um den Hals gewickelte Tierabbild. Was als naive Applikation wunderbar in der Kollektion funktioniert, geht bei den tüllenen Cocktailkleidern leider schief.


Armani Privé – Mit dieser Kollektion feiert sich Giorgio Armani erneut selbst und zeigt auf neue, was in seinen Augen Eleganz ausmacht. Wenn bei seinen Ready-to-Wear Kollektionen die Models bedächtig schreiten, langweilt mich das schon nach dem dritten Outfit, bei der Couture hingegen ist der Schritt angemessen und macht die Raffinesse der einzelnen Kleider zu einem Genuss. Schließlich wird wohl auch keine Kundin nur ansatzweise in die Situation kommen dem davon fahrenden Bus hinterherrennen zu müssen. 
Nicht nur die Musik vermittelte den Eindruck des Orients, auch die ornamenthaften Stickereien, die schweren Seidenbrokate und zarten Chiffone tragen zum Eindruck von tausendundeiner Nacht bei. Die Allure für diese Kleider haben eigentlich nur arabische Prinzessinnen, die Kollektion scheint auch gar keine andere Kundschaft im Auge zu haben und Königinnen wie Rania von Jordanien ausstatten zu wollen. Naja, vielleicht stehen einige der Kleider auch Hollywooddiven ganz gut. Mal sehen ob eine der Damen etwas davon tragen wird!?


Chanel – Erst in bewegten Bildern schaffte es Karl Lagerfeld Sympathien für diese Kollektion in mir aufkeimen zu lassen, was aber gar nicht an den Kleidern lag, sondern an der Art der Präsentation. ich fand toll, wie die Mädchen jugendlich die Treppen runterrannten und damit dem immer gleichen Tweedquatsch Elan und Esprit verliehen. 
Ich bin wirklich zwiegespalten was die Kollektion betrifft. Die kurzen, in der Taille geschnürten Kleidchen sind madamig und mit den runden Stehkrägen auch schon tausendmal gesehen. In Kombination mit Sportschuhen lässt sich aber selbst ihnen eine modische Allure nicht absprechen. Allerdings bezweifle ich auch, dass die Chanelkundin dies dann so tragen wird und somit alles schnell wieder altbacken wirkt. Gelungen waren die langen Kleider, die auch mit einem Abendschuh getragen ihre Trägerin noch wunderschö aussehen lassen. 
Wirklich schlimm aber waren die Federungetüme, die an den Film Cloud Atlas erinnerten. Da halfen auch die Turnschuhe nicht mehr. 


Giambattista Valli – Der Farbkanon ist ähnlich dem von letzter Saison, royalblaue und karmesinrote Tupfer auf porzellanenem Weiß. Auch seine Könnerschaft im drapieren stellt der Designer wieder unter Beweis. Valli belebt mit seinen Entwürfen eher die Idee von Couture der 1950-er Jahre, also auf Korsagen konstruierte Cocktail und Abendkleider, deren Sinn es ist die Frau erstrahlen zu lassen und nicht zwingend Avantgarde sein wollen. Es fehlt zwar oft das überraschende Moment, aber die Kollektionen sind durchdacht vom ersten bis zum letzten Look. Die Kundschaft dankt es und kauft. Gerade dieser Aspekt ist bei einem Designer, der eine solche Kollektion eben nicht nur aus reiner Freude und aus Prestige machen kann, besonders wichtig. 


Christian Dior – Raf Simons hat einen guten Stofflieferanten und dessen Angebot gefiel scheinbar so gut, dass gleich das gesamte Angebot in der Kollektion untergebracht wurde. Ein Gitterwerk aus mit Laser geschnittenen Durchbrüchen und applizierten Ornamenten macht zwar die Kollektion sehr plastisch, aber leider nicht besser. Kristalline Strukturen und amorphe Silhouetten stehen sich gegenüber, gehen aber selten auf einander ein. Einzig die Inspiration für die Kollektion, die Keramiken von Valentin Schlegel aus den 1950-er Jahren lassen sich in der direkten Gegenüberstellung erkennen. Trotzdem fehlt die Spannung, der Ausdruck und vor allem eine schlüssige Aussage. Ganz böse ausgedrückt: Es sieht aus als hätte ein Abendschulkurs Modedesign sich an einem Haufen Vorhangstoffen verwirklicht. Einzig mit den Hosenanzügen, die wie immer unbeschreiblich gut geschnitten sind, kann mich Simons diesmal überzeugen. 
Nun kann sich ein Designer mal einen Fehltritt erlauben, und es war bisher sein einziger bei Dior. 


Versace – Donatella Versace's Kollektionen hingegen sind ja immer ein Fehltritt, aber das wenigstens konsequent. Da geht auch diesmal wieder um das Mehr! Mehr Schulter, mehr Trash und vor allem viel mehr SEX. 
Hätte man Grace Jones eine Gastrolle in Dynasty gegeben, wären genau das passenden Kleider für sie gewesen. Die Frau, die das tragen kann braucht schon einiges an Allure und Selbstvertrauen um darin nicht verkleidet zu wirken. Während die meisten Models unbeholfen über den Laufsteg stolperten nahm man Karlie Kloss ein einziger wirklich ab, förmlich mit der Marke verschmolzen zu sein. Es flackerte für einen kurzen Moment noch einmal die Glanzzeit der Marke auf, damals als Gianni eine Horde Supermodels für sich laufen hatte. 
Insgesamt ist das ein Haufen bunter Knete, der schwerlich als Mode bezeichnet werden kann und nur an Berlusconi'schen TV-Sternchen oder einer Jennifer Lopez ansatzweise zur Wirkung kommt. 

Natürlich waren das nicht alle Marken, die Couture im Programm haben. Zum Beispiel gab es zum ersten Mal wieder eine Schau von Vionnet und auch Schiaparelli war zum ersten Mal wieder auf einem Laufsteg zu sehen. Letzteres fand ich eher unbedeutend und Vionnet lohnt sich gesondert zu betrachten. 

Headerbild: Martha Graham in Lamentation, fotografiert von Herta Moselsio
Alle anderen Bilder: Style.com