2013/07/02

Paris Men FS-2014: Eine (Unbefriedigende) Rückschau...


In Paris hatten die nicht einmal einen Flitzer, der nackt den ein oder anderen trögen Laufsteg aufmischte. Die Männermodenschauen waren also bis auf wenige Ausnahmen eine tröge Angelegenheit, die man auch getrost unter den Tisch fallen lassen könnte. Und da bislang auch die wenigsten Labels einen Livestream haben, ging diese Erkenntnis auch nicht mit Zeitverschwendung einher.
Was nun nachhallen wird von vier Tagen Paris sind ein paar herausstechende, aber leider nicht herausragende Schauen und ebenso viele Marken, die zwar eine schöne Klamotte zu bieten hatten, aber eben das Rad nun auch nicht neu erfunden haben. Vielleicht sind auch einfach die Erwartungen zu hoch, an Paris mit der dort hineingeschriebenen Kreativität im allgemeinen und nach einer guten Mailänder Modewoche im besonderen. Natürlich werden aber auch ein paar Kollektionen in Erinnerungen bleiben. Allein deren Styling bietet Magazinen genug Stoff für ausgeprägte Modestrecken, egal ob es sich die gespiegelten Alloverprints von Givenchy oder die 80-er Jahre Version der Teddy-Boys von Saint Laurent handelt.
Gerade Hedi Slimane schafft es die Zuschauer (und späterem Konsumenten) Begriffe wie Schönheit und Ästhetik neu überdenken zu lassen, wenn er seinen anorektischen Laufstegfiguren die Hosen ganz weit hoch in den Schritt zieht. Allerdings kommt man auch schnell zu dem Schluss, dass mit der eigenen Vorstellungen und Definition dieser Worte so ziemlich nichts falsch ist. Nach seiner verspäteten Grungeinterpretation, der Zug ist längst weitergefahren gewesen als Slimane das Thema anging, macht er sich nun daran die 80-er Jahre Interpretationen der Rock'n'Roll-Ära neu zu verwursten und hat auch da irgendwie übersehen, dass es ein Thema von vorgestern ist. Nach dem Lady Gaga uns mit 'You and I' versuchte die Tage zu untermalen und dabei eigentlich nicht anders aussah, wagten sich Dolce & Gabbana noch mal an das Thema und dann wars auch schon durch. Hedi Slimane sollte nochmals überdenken ob die Fotografenkarriere nicht doch die bessere Wahl war, seine Rückkehr in die Mode hat bislang kaum überzeugen können.

Givenchy
Wie schon kurz erwähnt bietet auch Riccardo Tisci's neue Kollektion Stoff für kreative Umsetzungen im Printbereich, und sicherlich findet auch Kanye West was für seinen Kleiderschrank. Nach mehrerer Kollektionen mit vielen auf Shirts gedruckten Tieren geht er seinen Sommerkollektion grafischer an und spiegelt ganze Schaltkästen radikal auf Anzügen, Parkas und unzähligen Leggings. Darunter mischen sich dann immer wieder Querstreifen und da ein oder andere Portrait, das Leni Riefenstahls Nuba-Portfolio entlehnt sein könnte. 
In der Gesamtheit wirken die Looks, gerade diese völlige Überladung bringt Spannung. Schaut man aber genauer hin entpuppen sich viele Teile als ziemlich konventionell. Vor allem die gestreiften Polos verlieren ohne den Rest ihre modische Berechtigung und werden zu simplen Kleidungsstücken, die man so auch gerade im Sale bei Esprit oder P&C finden kann. Dies zeugt andererseits aber auch von einem durchaus gesteigertem kommerziellen Interesse bei den Strippenziehern der Marke, was man ja auch wieder verstehen kann. Mode ist eben auch nur Bekleidung, selbst die von Givenchy. 

Dries van Noten
Junya Watanabe
Eigentlich immer zu meinen Favoriten gehören Dries van Noten und Junya Watanabe. Doch auch bei den beiden herrschte etwas Stillstand in diesem Jahr. Watanabes Pfadfindergruppe ist dabei ebenso bekannt wie van Noten's Mustermix mit Goldstickerei, beides gabs zumindest in ähnlicher Form schon einmal. Und auch Raf Simons mit seinen kurzen Strampelanzügen und Lanvin mit nicht längeren Höschen wecken keine Begeisterung.
Vielleicht ist die allgemein vorherrschende Übersättigung schuld daran, dass es immer schwerer wird zu begeistern. Zweimal im Jahr, glücklicherweise ist es bei den Männern sogar noch so überschaubar, zeigen rund um den Globus dutzende Marken ihre 'Visionen'. 99% davon folgen dabei den vermeintlichen Trends, mit denen ein kleiner Haufen Vorwärtsdenker in der Saison zuvor begeistern konnte. Doch ein solcher Leader muss sich ebenfalls immer wieder aufs neue beweisen und diesen Jahr fehlten es so ziemlich allen Pariser Marken ein bisschen an Luft. 

Lanvin
Raf Simons 
Saint Laurent
In Paris laufen sich nun schon wieder die Damen bei den Couture-Schauen die Hacken wund. Ein Großereignis folgt dem Nächsten und viele Kollektionen sind vergessen noch bevor die Kleider in den Handel kommen. Vielleicht ist das aber auch gut, schließlich bekommen die Sachen dann eine zweite Chance und mache Kollektion beweist ihr Potenzial auch erst auf den zweiten Blick. 
Wenn wir uns im nächsten Jahr die Jeans alle hoch in den Schritt ziehen und wie verhuschte Stricher aus der Wäsche gucken, weiß ich dass ich mit meiner Einschätzung der Saint Laurent Show falsch lag. Ich für meinen Teil finde mich selbst am ehesten bei Miharayasuhiro (Headerbild) wieder, das ist meine Lieblingskollektion der vergangenen Tage.

Alle Bilder via Style.com

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