2012/06/10

Tagesausflug: Mit Dem Rad Um den Tegeler See...


Bei Tegel denken die meisten an den benachbarten Flughafen, wenige aber an den zu Reinickendorf gehörenden Stadtteil und den dazugehörigen See, der immerhin nach dem Müggelsee der zweitgrößte Berlins ist. Die Havel hat hier eine Ausbuchtung mit vielen Inseln und Halbinseln entstehen lassen, die es sich am besten mit dem Rad erkunden lässt. Wir sind gestern von Wedding aus gestartet, die Müllerstraße hoch gefahren und waren erstaunt von der Schönheit und Größe des Sees. 
Unterwegs haben wir uns mit frischen Erdbeeren, die es ja gerade an allen Ecken in erdförmigen Häuschen zu kaufen gibt. Die wurden die die Radfahrt etwas in Mitleidenschaft gezogen, passten aber trotzdem perfekt zu diesem Sommernachmittag. Aber auch am See gibt es viele Ausflugslokale, die neben selbstgebackenen Kuchen auch allerlei aus Spargel anbieten. Man verhungert also auch nicht, wenn man vergisst den Picknickkorb zu packen. 


Wer die Umgebung des Sees lieber vom Boot aus erkunden will, der kann natürlich einen der zahlreichen Dampfer besteigen und sich umher schippern lassen. Wer aber lieber selbst mal Kapitän sein will, der findet auch Boote zu ausleihen. Da gibt's dann Ruderboote, solche mit Motoren und auch einen Schwan zum treten. 
Vom Wasser aus kann man die Borsig-Villa Reiherwerder entdecken, die sich für Radfahrer hinter hohen Mauern verbirgt. Seit 2006 befindet sich da die Akademie des Auswärtigen Amtes, zuvor wollte Helmut Kohl sie zum Dienstwohnsitz des Bundeskanzlers machen. Erbaut wurde das stattliche Landhaus in den Jahren 1908 bis 1913 von Ernst von Borsig, einem der reichsten Männer Preußens. Die Borsigs machten ihr Vermögen mit Maschinen, unter anderem bauten sie die erste Dampflokomotive. Und Ernst von Borsig war einer der wichtigsten Geldgeber der NSDAP in den 1920-er Jahren, doch bereits in den frühen 1930-er Jahren rückte er von dieser Einstellung wieder ab und warb für eine Regierung unter Franz von Papen
Ja, der Tegeler See ist auch reich an Geschichte und Geschichten. Als Conny Froboess 1951 die Werbetrommel für den Wannsee rührte war nicht nur einer der Schlager des frühen Wirtschaftswunders geboren, sondern geriet auch der Tegeler See etwas aus dem Blickfeld. Dabei hat Conny Froboess später in Interviews öfter gesagt, dass sie mit ihren Eltern gar nicht zum Wannsee zum baden fuhr, sondern an den viel näheren Tegeler See. Auch wir werden sicherlich dahin zurückkehren, an dieses schöne Stück Sommerfrische.

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