2012/06/03

Kino: Les Adieux À La Reine...


Dieser Blog soll keinesfalls zu einem Filmblog mutieren, doch in der der Tat war ich schon wieder im Kino. Und wieder war es Film, der den Dekorationen und Kostümen huldigt. 'Les Adieux à la reine' feierte im Februar während der Berlinale Premiere und ist nun auch offiziell in den Kinos. 
Nach Sofia Coppola nimmt sich nun der französische Filmemacher Benoit Jacquot des Marie Antoinette Stoffes an und nimmt den Zuschauer mit an den Hof von Versailles. Doch geht es diesmal nicht um Cupcakes und Schuhe, nicht um die romantische Darstellung einer bisweilen naiven und sogar sympathischen Königin, deren Ende ja allen bekannt sein dürfte. Nein, diesmal wird ein weitaus realistischeres Bild eines gerade im untergehen begrifffenen Konstruktes gezeigt. Man sieht nicht wie der 'Eisberg' das Schiff rammt, aber man merkt die aufkommende Unruhe. Die Raten verlassen langsam sinkende Schiff und nehmen mit, was ihnen in die Hände fällt. Am Ende empfindet man nicht mal mehr großartig viel Mitleid mit dem der Königin bevorstehenden Schicksal.
Jacquot beschreibt in seinem Film drei Tage im Leben der Königin Marie Antoinette aus der Sicht ihrer Vorleserin Sidonie Laborde. Die junge Frau, gespielt von Léa Seydoux, ist eine Bindeglied zwischen den dunklen Löchern in denen die Bediensteten ihr Leben fristen und den glanzvollen Räumen der Königin. Sie springt aber auch zwischen der Welt des hohlen höfischen Lebens und des Intellekts hin und her. Sie deutet die Zeichen der Zeit, und ist trotzdem ihrer Herrin ergeben; sie verkörpert den Geist der Aufklärung und befreit sich ganz im Kant'schen Sinne aus der Unmündigkeit. 
Der Film ist durchaus wert angeschaut zu werden, nicht nur wegen tollen Bilder die Jacquot zeichnet. Die Kostüme von Christian Gasc und Valérie Ranchoux machen das Bild rund und den Film zu einem Genuss, da kann man sogar über die manchmal etwas schleppende Story hinwegsehen. Die schauspielerischen Leistungen sind ebenfalls respektabel und selbst die meist eher mittelmässige Diane Kruger kann überzeugen in ihrer Rolle als Königin. 


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