2012/03/17

Kino: Barbara...


Nina Hoss und Christian Petzold sind kein schlechtes Team, 'Barbara' ist deren fünfte Zusammenarbeit und wieder gab es einen Bären bei der Berlinale. Während bei 'Yella' Nina Hoss einen Silbernen Bären für die beste Hauptdarstellerin ergattern konnte, bekam in diesem Jahr Christian Petzold einen für die beste Regie. 
Doch was will das schon heißen, bisher konnten mich selten bei der Berlinale hochgelobte Filme ins Kino locken. Und wenn ich sie mir dann im Fernsehen angeschaut habe, 3Sat strahlt sie gerne begleitend zu den Filmfestspielen aus, weiß ich meist auch wieder, warum das Interesse nicht für einen Kinobesuch gereicht hat. Bei 'Barbara' war es nicht anders, mein Interesse für den Film ging gen null. Trotzdem hatte ich Lust in Dresden ins Programmkino Ost zu gehen, schon allein weil es eines dieser netten kleinen Kinos ist, die Filme zu einem Vergnügen machen, und 'Barbara' hatten weder meine beiden Freundinnen noch ich bisher gesehen. Ich war ein bisschen angekränkelt und rechnete schon fest damit einzudämmern. Das Gegenteil war der Fall.
'Barbara' ist ein junge Ärztin, die das Leben in er DDR beengend empfindet und Ausreisen möchte, sie war in Haft deswegen und wurde in die Provinz strafversetzt. Ihr neuer Vorgesetzter, gespielt von Ronald Zehrfeld, ist bereits informiert über das Leben und die Brüche in Barbara's Leben. Noch bevor man Barbara kennenlernt, kommt man bereits mit dem sie überwachenden Stasi-Mitarbeiter in Kontakt. Im Laufe des Films bekommt man nicht nur immer mehr Zugang zu den Gefühlen von Barbara, sondern lernt auch die beiden Männer immer mehr kennen. Genauso werden die Mechanismen des Überwachungsapparates der DDR in seiner Brutalität sichtbar, was ein wahnsinnig unangenehmes Gefühl im Bauch zurücklässt. 
Der Film berührt und nimmt einen mit auf die Reise in die Gefühlswelt dieser jungen Frau, die eben von persönlicher Freiheit träumt und nicht wie in 'Das Leben der Anderen' hochgestochen mit Idealen um sich wirft. Christian Petzold gelingt es ein Bild zu zeichnen, dass die DDR eben nicht in diesem Blaugrau alter Polizeiuniformen darstellt, sondern alles in ein herbstlich goldenes Licht getaucht. Natürlich trugen zu diesem Eindruck auch die Kostüme von Anette Guther und das Szenenbild von Kade Gruber bei. Und nicht zu vergessen die unheimlich reiche Geräuschkulisse, die im Gegensatz zum fast völligen Fehlen von Musik steht. 
Ich bin wirklich froh, dass ich mich auf den Film eingelassen habe. Es ist ein toller Film, mit tollen Darstellern und schönen Bildern. Christian Petzold hat den Bären verdient und bekommt hoffentlich noch in paar weitere Preise dazu.


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