2012/03/02

C/O Berlin Zeigt Arnold Newman...


Der Morgen begann heute eigentlich relativ entspannt; ich saß am Rechner, neben mir der duftende Kaffee und ein Croissant mit Waldfruchtmarmelade. Dann fiel mir ein, dass ja bei C/O bald Arbeiten von Arnold Newman zu sehen sein würden, ich wußte aber nicht genau wann. Nach dem Besuch der Website der große Schock, die geht heute los! Ich griff also schnell zum Telefon und habe mich für den Presserundgang angemeldet, ich setzte schnell die Speichercard in die Kamera ein und rannte schnell zum Bus. Das war 10:25 Uhr, pünktlich um elf war ich da. 
Arnold Newman habe ich vor mehr als drei Jahren entdeckt, es war das erste Buch welches ich mir damals bei dem neuen Job in dem Verlag gekauft habe. Mich faszinierten damals die Portraits, mittlerweile hat sich die Begeisterung auf das gesamte Werk der Fotografen ausgeweitet. Die Art wie er die Fotografien komponiert ist meisterhaft. Er ist niemand der auf den Zufall setzte, es waren immer durchdachte Fotos, die bis zum finalen Abzug genauestens ausgearbeitet waren und dadurch heute nur noch meisterlicher erscheinen. 
Das Konzept der Ausstellung ist sehr genau durchdacht und dem Besucher wird die Möglichkeit gegeben, sofern er nicht nur drei Sekunden pro Bild verweilt, die Arbeiten Newman's unter verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und durch Newman sehen zu lernen. 'Masterclass' wurde nicht von ungefähr als Titel der Ausstellung gewählt. William A. Ewing, den sieht man auch auf einigen der Bilder, hat die Ausstellung konzipiert und auf die Räumlichkeiten bei C/O zugeschnitten. Die einzelnen Räumen können als Klassenzimmer betrachtet werden, in denen der Betrachter immer einen neuen Aspekt von Newman's Arbeit sehen und studieren kann. Der Einsatz von Licht und von geometrischen Strukturen zur Gestaltung des Bildraumes werden ebenso erkennbar, wie Nähe und Distanz, Selbstbild und Fremdbild des Dargestellten. Manche der Portraitierten, es sind fast ausschließlich wichtige Persönlichkeiten in der Mitte des 20. Jahrhunderts, liessen sich fallen und es anstanden analytische Portraits, bei denen Mensch und Umgebung verschmelzen und so eine Persönlichkeit sichtbar werden lassen. Andere hingegen lassen den Betrachter nicht hinter die selbst errichteten Fassaden schauen, und zeigen so trotzdem all ihre Abgründe. Newman's Arbeiten werden auch als 'Environmental Portraits' bezeichnet. 
Zwei Bilder in der Ausstellung berühren besonders, sie hängen in unterschiedlichen Räumen und gehören doch zusammen. Auf der einen Seite ist da Alfred Krupp, der Stahlmagnat, der vor einer Fabrikhalle mit Einsenbahnrädern sitzt und den Betrachter dämonisch in die Augen schaut. Auf der anderen Seite, der Raum trägt den Titel 'Empfindsamkeiten', ist dieses Bild von Otto Frank. Er steht in dem Dachboden, der jahrelang als Versteck für die Familie diente und dessen Geschichte sicherlich jeder kennt. Doch man findet unter den 200 gezeigten Werken, viele davon sind zum ersten Mal überhaupt ausgestellt, noch weitere Geschichten und Verknüpfungen. Doch ein paar Schwachstellen hat die Ausstellung auch, frühe Arbeiten Newman's werden nur wenige gezeigt. Dabei sieht man schon bei denen wie sich sein Auge schulte, wie er Geometrie und Struktur einsetzte um das Bild zu gestalten, wie wichtig eine gezielte Lichtsetzung war. 
Arnold Newman ist eine Entdeckung, die jeder der sich für Fotografie begeistert machen sollte. Den zur Ausstellung erschienen Katalog habe ich neben mir liegen, daneben steht die halbvolle Tasse Kaffee von heute morgen, mittlerweile natürlich kalt, und wird nun gleich ausgiebig studiert. Die beiden anderen Bücher im Regal sind unter Dauerbenutzung, weil Newman's Arbeiten inspirierend sind und ich nicht genug davon bekomme. 











Heute Abend findet die offizielle Eröffnung statt, danach sind die Bilder bis 20. Mai zu sehen. Mehr Infos hier.

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