2012/02/04

Paris Qui Dort...


'The Artist' belebt in Zeiten digitaler Filmbearbeitung und von 3D das Metier des in schwarz-weiß gedrehten Stummfilms wieder und führt uns zurück ins Jahr 1927, wo eben jenes Medium durch den Tonfilm abgelöst wurde. Natürlich bewundern wir noch heute Langs 'Metropolis' und gruseln uns vor 'Nosferatu', aber die ganze Vielfalt hat man selten vor Augen und bis auf wenige Ausnahmen (die beiden schon erwähnten und ein paar weitere gute alte Bekannte) werden auch selten Stummfilme gezeigt. 
Vor Jahren, es sind auf jeden Fall mehr als 12, zeigte Arte 'Paris qui dort'. Ende der 1990-er hatte ich ein extremes Faible für Paris und natürlich habe ich mir den Film angeschaut. Dann geriet er in Vergessenheit und gestern Abend entdeckte ich ihn zufällig bei Youtube. Ich war gleich wieder Feuer und Flamme, zusätzlich ist mir die unglaubliche Schönheit der Looks aufgefallen. Doch bevor es um Details geht, sollte ich kurz ein paar Fakten zum Film und die Handlung eingehen. 


1925 drehte René Clair mit 'Paris qui dort seinen ersten Film, und er schrieb auch selbst das Drehbuch. 27 Jahre war er da alt. Aufgewachsen ist er in Pariser Viertel Les Halles, im 'Bauch von Paris' (Emile Zola), und dürfte das Leben und den Puls von Paris deutlich miterlebt haben. Paris war um die Jahrhundertwende der Nabel der Welt und in seinem Erstlingswerk bringt er eben jenen Herzschlag zum Stillstand.
Die Stadt spielt eine Hauptrolle im Film, welcher auch in manchen Quellen als der erste französische Sciencefictionfilm bezeichnet wird. Wobei bereits 1902 Georges Méliès 'La voyages dans la Lune' drehte und dieser mit einer Rakete aufwarten kann, während Clair 'nur' Autos und ein Flugzeug einsetzt. Was allerdings wohl schon neu gewesen sein dürfte, sind die Strahlen mit denen Paris dann eben zum schlafen gebracht wird. Eine Art Dornröschenschlaf hüllt die Stadt ein und nur acht Menschen fallen ihm nicht anheim. 
Albert ist Wärter auf dem Eiffelturm und erwacht eines Tages über einer stillen Stadt. Er steigt hinunter und findet nur schlafende Menschen, stehende Autos und fast leere Avenuen vor. Zur gleichen Zeit landet ein Flugzeug, dessen Passagiere natürlich auch keine Strahlen abbekommen haben. Zufällig begegnen sich Albert und die fünf Fluggäste und begeben sich dann auf Erkundungstour. Sie erkennen schnell die Vorzüge einer schlafenden Stadt, das Geld liegt förmlich auf der Straße und sie nehmen sich was sie kriegen können. Auch die Mona Lisa wurde 'gestohlen' (siehe Bild), nach 1911 dann das zweite Mal. 
Schnell macht sich Langeweile breit und die Protagonisten baden in den Fontänen des alten Palais du Trocadéro, das Palais de Chaillot wurde erst 1937 erbaut, und spielen, küssen, tanzen und schlagen sich letztendlich auf dem Eiffelturm. Das sind die schönsten Szenen mit, nicht nur weil man sieht, dass Paris doch einem Ameisenhaufen gleicht und nicht ganz so still stand, sondern auch, weil diese Szenen eine unheimliche Leichtigkeit haben und durch wunderschön fotografierte Bilder bestechen. 
Da oben dann nimmt der Film eine Wendung und zwei weitere nicht schlafende Personen kommen ins Spiel. Aber das soll sich jeder selbst anschauen. 


Obwohl der Film innerhalb einer recht kurzen Zeitspanne spielt, es dürfte sich um einen Tag handeln, sind viele Kostümwechsel enthalten. Die Mode der Zeit wird erkennbar, besonders was die Männermode angeht. Da gibt es nahezu alles, von der Badehose bis hin zum Smoking. Allein wenn Albert durch die Straße läuft und an den Schlafenden vorbeigeht tut sich ein Portfolio mit unterschiedlichsten Looks auf. Natürlich sind es wieder die Sportsjackets die mein Herz höher schlagen lassen, einmal ist es in einer sehr lässigen Form zu sehen und einmal in dunkel, was dann schon formeller wirkt. Aber auch wie die Jackets und Anzüge sitzen ist einzigartig gut und machen Lust sich ein bisschen mehr Mühe mit der Kleidung zu geben.


Der gesamte Film dauert ungefähr 40 Minuten. Er ist ungemein kurzweilig und es lohnst sich sich die Zeit dafür zu nehmen. Ich habe ihn wieder genossen! Und wer genau hinschaut, dem fällt vielleicht auch die Ähnlichkeit des Hauptdarstellers Henri Rollan mit Jean Dujardin auf. Rollan war übrigens ein Stummfilmstar der den Sprung in den Tonfilm schaffte und in insgesamt 47 Filmen mitspielte, unter anderem neben Liselotte Pulver in 'Les Adventure d'Arsène Lupin'. René Clair starb 1981 und gehört zu den wichtigsten Regiseuren des französischen Kinos. 


1 Kommentar:

  1. Schöner Artikel, da alle in Begeistrung über "The Artist" ausgebrochen sind und ich den Film leider nocht nicht gesehen habe, werde ich mir heute abend Deinen Tip ansehen.
    Siegmar

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