2012/01/24

Paris Haute Couture FS-2012: Giambattista Valli / Christian Dior...


Die Männermodeschauen in Mailand in Paris, die Fashion Week in Berlin und die Haute Couture Präsentationen in Paris – Ein Modehighlight jagt das Nächste, man kommt mit dem Schreiben gar nicht hinterher... Schauen wir also mal nach Paris und lassen uns ein bisschen hinwegtragen von den Couture-Träumen. Fünf Häuser zeigten am ersten Tag, darunter auch zum ersten Mal wieder Atelier Versace. Die bekommen einen eigenen Post, deshalb widme ich mich erstmal Giambattista Valli und Christian Dior. 
Kurz vor Weihnachten verkündete Didier Grumbach, der Direktor des Chambre Syndicale de la Haute Couture, eine kleine Sensation. Nach nur einer Saison wurde Giambattista Valli in den exklusiven Kreis der aufgenommen, als vollwertiges Mitglied. Und das ist eigentlich gar kein Kinderspiel, normalerweise dauert es bis zu fünf Jahre bis das Chambre Syndicale überhaupt über diesen Schritt nachdenkt. Nicht nur die Kontinuität in Kollektion ist dabei entscheidend, sondern auch eine bestimmte Anzahl an Näherinnen im Atelier und eine gute Mischung aus Tages- und Abendoutfits. Valli kann dies alles vorweisen, und noch dazu trägt sich die Kollektion auch wirtschaftlich. Das ist eine kleine Sensation, das können nicht wenige Couture-Häuser von sich behaupten. 
Doch was ist der Reiz der Kollektion? Giambattista Valli ist kein Kernerschütterer, weder in seiner Boutiquen-Kollektion noch in der Couture. Vielmehr steht er in der Tradition großer Häuser wie Balmain und Dior. Es geht um Eleganz und Schönheit, und natürlich im Perfektion. Dazu kommt handwerkliches Können. Seine Kleider sind reich an Details, sie weisen Pailletten- und Federstickereien auf und werden zu einem harmonischen Bild komponiert. In den Tagesensembles sind es strenge Linien, die dann durch verspielte Brüche gelockert werden, in den Abendkleidern modelliert er den Stoff geradezu um den Körper.
Gerade der Vergleich mit Christian Dior liegt doch sehr nahe und besonders ein Modell lohnt es sich da mal genauer zu betrachten. 1947 machte der New Look Furore und prägte ein ganzes Jahrzehnt. Sinnbild dafür wurde vor allem das Modell 'Bar', welches Willy Maywald in seiner berühmten Fotografie für die Ewigkeit festhielt. Ein Tailleur formte die Silhouette und wurde zu einem weit schwingenden schwarzen Rock kombiniert. John Galliano zeigte 1997 in seiner ersten Kollektion eine Referenz an diesen Look und fertigte den Rock aus Krokoleder. Valli greift nun ebenfalls diese Idee auf, verlängert den Rock vervollständigt die Jacke mit einer Schleife. Die zeigt nicht nur welcher Tradition sich Valli verpflichtet fühlt, sondern auch wie zeitlos und modern diese Eleganz ist. In einem anderem Kleid das über und über mit schwarzen Stabperlen besetzt ist erkennt man eine Referenz an Christobal Balenciaga.




Zum zweiten Mal zeigte auch Bill Gaytton Couture für das Haus Christian Dior. Doch merkt man der Kollektion an, dass die Verhältnisse im Hause Dior unklar sind und Gaytton sind aus dem Archiv bedient statt eigener ideen zu zeigen. Nun ist es wahrscheinlich auch nicht seine Aufgabe und der enorme Druck, der momentan bei Dior herrscht wird auch nicht gerade ein freundliches Arbeitsumfeld schaffen. Während Bill Gaytton im Sommer noch an die Galliano'sche Tradition der Inszenierung anzuknüpfen versuchte, war nun Zurückhaltung angesagt. Die Haare waren in einer eleganten Welle nach innen gerollt und das Make-Up war dezent. Pat McGrath, die ja für die ausgefallen Gesichtsbemalungen bei Dior zuständig war und damit selbst zum Star wurd, dürfte sich hier mehr oder weniger gelangweilt haben.
Aufwendig gearbeitet sind die Kleider natürlich, sie sind mit reichen Stickereien versehen und Mille Feuille Techniken bilden Farbverläufe. Allgemein aber sind die Schnitte an den New Look angelehnt, die Taille bildet den Mittelpunkt von dem knielange schwingende Röcke ausgehen. Das ist leider nicht nur aus den Kreationen von Christian Dior selbst bekannt, sondern wurde so auch von John Galliano mehrfach wiederbelebt. Die Farbskala deckt alle Graunuancen, dazu kommen dann Schwarz, Weiß, Nude und ein wenig Rot und Mauve. 
Ich glaube, dass Bill Gaytton durchaus in der Lage ist das Label zu leiten und für eine gewisse Zeit führen sollte. Er könnte es neutralisieren und so für einen Neuanfang vorbeireiten. Aber sollte versuchen nicht mehr John Galliano nachzuhängen, denn dieser ist noch viel zu präsent in den Looks. Auch wenn es schon nicht mehr so stark sichtbar ist wie noch im vergangenen Sommer.



Bilder von Style.com

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