2011/12/09

Zwei Welten: C/O Berlin Zeigt Ron Galella Und Gundula Schulze Eldowy...


Elizabeth Taylor und Jacky Onassis auf der einen Seite, Ulla und Horst auf der anderen. Hier der Blick eines Paparazzo, der sich in das Leben der Celebrity's hineinschießt,  und da intime Momentaufnahmen einer Frau, deren realistischer Blick tief ins Leben hineinsticht. Was verbindet die Glamourwelt eines Ron Galella und dieses sichtbar machen von Alltäglichem bei Gundula Schulze Eldowy? Immer geht es um Menschen, die im Blitzlicht und die, die einem täglich auf der Straße begegnen. Heute Abend wird in der C/O Galerie eine Ausstellung eröffnet, die, so unterschiedlich die Bilder sein mögen, Zeitgeschichte darstellt. 
Die untere Etage im alten kaiserlichen Postfuhramt ist dem Fotografen Ron Galella gewidmet, aus dessen gewaltigem Werk 140 Fotografien ausgewählt wurden, die gelungen gruppiert die Zwiespältigkeit seiner Arbeit darstellen. Es ist eine Hassliebe die Prominente und Paparazzi immer wieder zusammenführt und auseinander treibt. Erstere brauchen die Fotografen, um ihr Dasein zu legitimieren und immer wieder den eigenen Stellenwert zu manifestieren. Wer nicht abgelichtet wird, der ist nicht interessant; daran lässt sich auch der Marktwert bemessen. Ohne immer neue Bilder kann wiederum der Fotograf nicht leben. 




Die Bilder wurden so gehängt, dass kleine Serien einzelner Prominenter entstehen. Dadurch lassen sich die Entwicklung und das Altern der Fotografierten ablesen. Man kann Elizabeth Taylor ebenso über einen längeren Zeitraum begleiten, wie Michael Jackson. Fotograf und Motiv kannten sich irgendwann, gemocht werden sie sich nicht unbedingt haben. Jacky Onassis bewirkte sogar vor Gericht, dass sich Galella ihr nicht weiter als 50m nähern durfte. 
Doch wenn man sich die Bilder anschaut und mit den heutigen oft verschwommenen Aufnahmen vergleicht, erkennt man doch eine ganz andere Qualität. Die Paparazzi lagen eben nicht hinter Büschen, sie näherten sich in gewisser Hinsicht sogar respektvoll. Wie sich das gegen Ende der 1980-er änderte sieht man an Fällen von Prinzessin Caroline von Monaco, die 1995 erfolgreich Burda verklagte und zumindest hierzulande für ein Umdenken sorgte, und dem tragischen Tod von Prinzessin Diana. 



In der zweiten Etage hängen die Fotografien von Gundula Schulze Eldowy. 1977 begann sie zu fotografieren, hauptsächlich die Menschen und die Ecken rum um das Scheunenviertel. Die Ausstellung im Postfuhramt findet da statt, wo die Fotografin vor gut 30 Jahren ihre Motive fand. Die Bilder haben einen dokumentarischen Charakter, haben den Charakter von Milieustudien. Man sieht, dass es der Fotografin gelungen ist, eine intime Nähe zu den Menschen aufzubauen. Sie lebte Tür an Tür mit ihnen und zeigt sie ungeschönt, ohne sie aber vorzuführen. 
Es schmerzt fast, wie tief sie in das Leben und auch die Leiden ihres Gegenübers eindringt. 'Tamerlan' ist so eine Serie. Über Jahre begleitete sie eine Frau, die sie durch Zufall im Park kennenlernte und bis zu ihrem Tod immer wieder fotografierte. Die Bilder zeugen von einer unheimlichen Nähe und Vertrautheit, und auch von Schmerz und Tod. 
Man denkt an die Bilder von Diane Arbus und Paul Strand, und Henri Cartier-Bresson. Letzteren lernte Schulze Elbowy kennen und verbrachte einen Abend in Pankow mit ihm, Strand und Arbus kannte sie durch deren Werke. Die Fotografin erzählte beim Presserundgang, dass die DDR nun keine ganz abgeschlossene Insel gewesen sei und man in den Universitätsbibliotheken auch Bücher amerikanischer Fotografen fand. Dass sie durch deren Werk beeinflusst wurde stellte sie selbst in der Führung durch die Räume heraus. Sie sieht ihre Arbeit als Anknüpfung an die Unmittelbarkeit in der Darstellung dieser Fotografen. 


Ende der 1980-er Jahre, kurz vor dem Fall der Mauer, verlässt Gundula Schulze Eldowy Berlin. Sie sieht diesen Schritt als Beginn ihres Nomadentums. Erste Station ist Dresden, wo sie reale Lebenswelten zu fotografieren beginnt. Nicht mehr das Private steht im Fokus, sondern Arbeitswelten und der Alltag der Menschen. Vom Kreissaal über den Schlachthof in die Ballettschule; die ganze Bandbreite des städtischen Lebens hält Einzig in die Bilder. Und auch die Farbe kommt hinzu. 
Man erschrickt bei den Bildern, die realistische Darstellung lässt einen kurz die Luft anhalten. Und doch ist es genau das, was eben das Leben ausmacht – Geburt und Tod, Schönheit und Leid.


Die Ausstellung ist gelungen kuratiert und eben durch das Zusammenbringen dieser beiden Fotografen vor allem in ihrer Gesamtheit sehenswert. Gundula Schulze Elbowy und Ron Galella sind sich trotz aller Unterschiedlichkeit gleicher als man anfangs annehmen mag. Beide zeigen das Leben, nur eben unterschiedliche Facetten davon.
Die Eröffnung ist heute Abend, die Ausstellung geht dann bis zum 26.02.2011.

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