2011/11/04

Kippenberger Weggeputzt...



Das war wohl die Nachricht des gestrigen Tages: Eine Reinigungskraft hat es mit der Arbeit sehr genau genommen und sich sicherlich voller Hingabe einem Werk von Martin Kippenberger gewidmet. Nichts ist nun mehr so wie es mal war, die Kalkflecken sind nicht mehr in der Gummiwanne und die Reinigungskraft hat nun wahrscheinlich auch keinen Job mehr. 
Kippenberger zu verstehen ist schon generell nicht einfach, und in den Augen von Otto Normalverbraucher auch nicht wirklich schön. 'Wenn es anfängt durch die Decke zu tropfen', jenes nun zerstörte Werk macht da keine Ausnahme. Der mannshohe Turm aus doch recht geordnet erscheinenden Holzlatten, darunter ein Gummitrog, macht erst zusammen mit dem Titel einen Sinn. Auch was der Fleck dann war, nämlich getrocknete Kalkreste, erschließt sich erst dadurch. Die Intention der Reinigungskraft war sicherlich nicht die Zerstörung des Werkes, sondern seine 'Verschönerung'. Wenigstens der Trog hat wohl glänzen sollen...
Für das Museum ist das peinlich, das Werk ist eine Leihgabe eines privaten Sammlers. Und der wird sicherlich nicht vor Freude im Dreieck gesprungen sein. Klar, es ist ein Versicherungsfall, aber in der Haut von Direktor Dr. Kurt Wettengel möchte man trotzdem nicht stecken. Erwartet man doch, dass sich die Verantwortlich intensiv darum bemühen, jeden der sich im Museumsbetrieb mit der Kunst auseinandersetzt, im Vorfeld zu informieren. Angeblich hatten die Reinigungskräfte die Anweisung sich nur auf 20cm zu nähern, aber anscheinend reichte das nicht aus. Man hätte ihnen die Kunst erklären müssen, dann hätte die Person Kippenberger's Arbeit auch verstanden.
Es stellt sich aber trotzdem die Fragen, in wie weit das Werk mit dem Verschwinden des Fleckes wirklich zerstört ist. Ja, die Grundidee ist natürlich kaputt und man kann den Fleck nie wieder so gestalten, wie er einmal war. Aber machte erst der Fleck die Arbeit zur Kunst? Vielleicht könnte man einfach Kippenberger's Werk einen weiteren Aspekt hinzufügen, nämlich eine Art performativen Charakter, an dem eben nun auch die Reinigungskraft beteiligt war!?

1 Kommentar:

  1. Die Idee einen neuen Aspekt mit dem perfomativen Charakter hinzuzufügen ist super. Ich bin die ganze Zeit am überlegen ob es sich nicht um einen PR-Gag handelt, da die yellow-press sich in unsägliche Art darauf gestürzt und auch die Kommentare u. Meinungen waren teilweise erschreckend.
    Siegmar

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