2011/08/01

Ringstraßenzeit...


Der Rittmeister Taittinger, mit einem Namen bedacht, der einen augenblicklich an Champagnerseligkeit denken lässt, sieht keinen anderen Ausweg, als seinem Leben ein Ende zu setzen. Mit einer Kugel, ganz so wie es sich für Mann seines Standes gebührt.
Franz Baron von Taittinger ist die wichtigste Figur in Joseph Roths Roman, und anhand seiner Person wird, wie in allen von Roths Romanen, der Untergang der k.u.k. Monarchie abgehandelt. Wenig allerdings hat die Geschichte mit den strauß'schen Operetten gemein. Oder mit den Musikfilmen aus den 50'er Jahren, bei denen die Stubenmädeln den Aufstand proben und am Ende von ihren Offizieren zum Altar geführt werden.
Taittinger verführt auch, aber aus Langeweile. Die schwangere Krämertochter Mizzi lässt er sitzen und erinnert sich ihrer erst, als es darum geht dem Schah von Persien eine Gefährtin für eine Nacht zu verschaffen. Die ganze Affäre verspinnt sich zu einem immer dichteren Netz, in dem es viele Opfer zu beklagen gibt und man selten Mitleid mit Taittinger hat, einfach weil er in seiner Blindheit glaubt, dass sich schon alles regelt. Erst am Ende zieht sich die Schlinge zu und er erkennt, dass er an dem Leid eine beachtliche Mitschuld trägt.
Das Buch schildert die Welt des Adels, deren Leben im schillernden Wien und das Verkommen ihrer Besitztümer in den hinteren Winkeln des Reiches. Und auch wie verkümmert ihre Seelen sind. Eine Befreiung aus diesen Schranken erscheint für den Lesern an vielen Stellen möglich, die Protagonisten aber sind zu gefangen in den Reklements der jeweiligen Gesellschaftsschicht, um für sich selbst eine Lösung finden zu können. Ausser eben, wie in Taittingers Fall, Selbstmord zu begehen. Und es zeigt das 'Volk' und dessen Bestreben Wohlstand zu erreichen und dadurch an Verkommenheit den Adligen in nichts nachsteht.
Das Buch hat man in ein paar Stunden durch, die Geschichte fesselt einen geradezu an die Seiten. Leichte Kost ist es allerdings nicht.

Joseph Roth: 'Die Geschichte von der 1002. Nacht'; erschienen bei Diogenes

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