2011/07/06

Paris Haute Couture HW-2011: Chanel...


Coco Chanel soll ja die Mode revolutioniert und die Frau befreit haben, hat ihnen das Korsett entgültig verleitet und ihnen jugendliche Frische geschenkt. Karl Lagerfeld hingegen neigt von Zeit zu Zeit dazu selbst frische, junge Mädchen gouvernantenhaft zu verkleiden. Die Couture Kollektion von Chanel ist mal wieder ein gutes Beispiel dafür.
Ein Chanel-Kostüm hat von Natur aus etwas trutschiges und bedarf vor allem der richtigen Länge und Form des Rockes, um frisch zu erscheinen. Die tonnige Form für den kommenden Herbst wirkt selbst an den grazilen Modelkörpern unförmig, was dann durch die Stiefel mit den Blockabsätzen noch verstärkt wird. Die Uniformjacken zu Bleistiftröcken mit angesetzten Schößchen wirken da schon eleganter und zeitgemässer.





Nun dürfte sich die Anzahl der Kundinnen, die sich ihre kompletten Garderobe anfertigen lassen überschaubar sein. Vornehmlich sind es Kleider für den Abend, die Kundinnen ordern. Dementsprechend viele davon sind auch in der Kollektion zu sehen. Die Silhouette orientiert sich vornehmlich an den 1930-er Jahren, das Bild, wo Coco Chanel im Türrahmen lehnt, kommt mir in den Sinn. Genauso möchte Lagerfeld die Kollektion aber wohl auch als Anlehnung an Fritz Lang's Metropolis verstanden wissen. (Immer wenn Designern nichts einfällt um eine Kollektion zu beschrieben, müssen Metropolis, Blade Runner und ein paar andere Film herhalten. Langweilig!)
Und er erschafft uns auch eine passende Stadt dazu, die Place Vendome mit Coco Chanel als Säulenheilige inbegriffen. Die Inszenierung der Mode ist wichtiger Bestandteil im Marketingzirkus rund um die Mode, niemand versteht das besser als Lagerfeld und die Leute hinter Chanel. Doch von Zeit zu Zeit neigen sie dazu, die Kulisse größer erscheinen zu lassen als die Mode. Vielleicht auch um von deren Schwächen abzulenken oder den Focus zu verschieben. Die Kleider in der Kollektion wo ein Eisberg im Grand Palais aufgestellt wurde, waren kaum der Rede wert, während die letzte Couture-Schau, nur mit einem verspiegelten Portikus und einer sachlichen Präsentation durchaus gelungen war. Diesmal mussten wieder Effekte aus den Hut gezaubert werden, die Kleidung selbst war eher schwach.





Natürlich steht ausser Frage, dass es sich handwerklich um Kleiderträume handelt. Aber mittlerweile sind bei Chanel selbst kommerzielle angelegte Kollektionen wie die Cruise-Linie so reich an Details, dass die Couture schon Schwierigkeiten hat da noch eins draufzusetzen. Von der 'métiers d'art'-Kollektion ganz zu schweigen, da bündelt sich ja schon das gesamte der Haute Couture, ohne das es wirklich welche ist. Was das Design anbelangt, ist oft alles nur eine Wiederholung. Die Alte Mode wird zur Neuen Mode undeklariert, und das Publikum stimmt dem zu ohne zu hinterfragen.
Gute Presse ist Chanel trotzdem sicher, schließlich verfügen sie in der Rue Cambon 31 über großzügige Werbeetats. Und sollte man sich entschließen, mir ein Stückchen davon zukommen zu lassen, würde das zwar große Freude auslösen, meine Meinung aber kaum ändern.


Bilder von Style.com

Kommentare:

  1. diese kollektion ist eine einzige katastrophe.
    bis auf wenige ausnahmen waren die ganzen
    kollektionen der letzten jahre katastrophal.
    es waren immer ein/zwei highlights dabei,
    aber das gros ist furchtbar.
    ich kann es nicht ergründen, warum.
    einige argumente habe ich für mich parat:
    1) herr lagerfeld (ich habe ihn selbst vor einigen
    jahren zweimal getroffen und er ist an sich ein
    netter kerl) ist zu sehr in seinem eigenen kosmos
    aus 18 jhd, und dem frühen 20 jhd. gefangen und
    versucht diesen sumpf, aus dem er nicht mehr raus
    kommt zu modernisieren, was seit jahren gründlich
    schief läuft.

    2) alle reden ihm so nach dem mund, dass jegliche
    eigenkritik vollkommen aus den augen verloren hat
    und jeden entwurf als genial einstuft.
    man betrachte bei den schauen die menge der outfits.
    es sind oft über 80 modelle. das ist viel zu viel.
    eine reduktion auf 30 modelle und die gut ausgearbeitet
    und auf das wesentliche konzentriert, würde dem ganzen
    neuen schwung geben.

    3) er macht seit seiner H&M sache immer nur das gleiche
    und er muss seinen eigenen look einbringen, damit er sich
    selbst gerecht wird.
    seine ausflüge in die geometrie funktionieren nicht und
    wirken immer "wurstig".

    also, im grossen und ganzen ist es nicht greifbar, warum
    das so furchtbar schlecht wird. vielleicht sollte er einfach
    öfter mal bei schanelle sein und seine arbeit machen und
    nicht die nase in jede kamera stecken und den jungen
    burschen am schnippel ziehen.

    wenigstens hat er uns dieses mal mit seinen männerentwürfen
    verschont, die eine totale katastrophe sind.
    nein, monsieur, das war nichts. gar nichts!

    FRED*

    ps. zur ehrenrettung muss man sagen, bei der letzten HC
    show mit kirsten mc menemy am schluss, das war schön, wie
    sie da rauskommt und auch das kleid war sehr schön.
    einzig nur die frau und das kleid. die kollektion hätte keiner
    gebraucht.
    und von der neuen kollektion braucht man nichts.
    und wenn man mir, wie dem rene, ein stück schenken würde,
    würde ich aus den stoffen schöne kissen nähen lassen und
    die knöpfe auf ebay verkaufen.

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  2. ich habe mir die show jetzt noch zweimal auf chanel.com angeschaut.
    schlimm, wirklich schlimm. keine chance. bis auf einige wenige wirklich
    gute entwürfe, leider grosser mist.
    show selbst enorm angelegt, wirkt aber sehr lustlos dieses mal.
    sehr verschlafen und ohne energie. und die sachen selbst wirken
    lahm und vieles ist aus früheren kollektionen einfach nur aufgewärmt.
    man merkt, dass er keine lust mehr hat. jemand mit der erfahrung
    kann eigentlich gar keine so schlechte kollektion machen.
    das er das geschafft hat, ist eine leistung an sich. nur in welche
    richtung?

    FRED*

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  3. Chanel braucht Lagerfeld, weil nur er diesem Druck standhalten zu können scheint. Welcher andere Designer könnte 6 Kollektionen mit je ca. 80 Modellen pro Jahr bewerkstelligen ohne irgendwann den Druck kompensieren zu müssen?! Und Lagerfeld braucht Chanel als Lebenselixier, oder 'Jungbrunnen'. Beide haben sich irgendwie aneinander gekettet und kommen da auch nicht mehr raus, solange Karl nicht irgendwann den Löffel abgibt. Erst dann wird sich die Marke neu erfinden können, was bei aller Tradition und auch allem wirtschaftlichen Erfolg nötig wäre. Zumindest um aus den gut verarbeiteten Klamotten wieder Mode zu machen, die auch in ihrer Zeit relevant ist.

    Lagerfeld kann aber schon auch anders, seine Fendi Kollektionen finde ich weit weniger angestaubt und teils auch sehr gelungen.

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