2011/06/08

Re-View: Based In Berlin...


In der Stadt begegnen einen dieser Tage Plakate von 'Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo'. Ich für meinen Teil habe sie zumindest bis gestern nicht als Kunst betrachtet, eher als Werbung für ein weiteres Rock-Musical am Potsdamer Platz oder so was in der Art, man weiß ja nie. Nun bin ich schlauer.
Gestern eröffnete mit der Based in Berlin eine Gruppenschau, die zeigen soll, was junge Künstler mit Hauptwohnsitz Berlin in ihren Ateliers so anstellen. Viele von ihren leben und arbeiten zwar hier, werden aber kaum wahrgenommen, weil sie nicht von hiesigen Galerien vertreten werden und nicht in den Museen Berlin gezeigt werden. Die Ausstellung ist natürlich tief im Kunsthallendiskurs verankert, sollte aber in meinen Augen durchaus als eigenständige Schau mit Werken spannender, junger Künstler, die den Geist der Stadt widerspiegeln gesehen werden.
Den Kuratoren ist es gelungen eine Ausstellungen zu konzipieren, die die unterschiedlichsten Positionen und Techniken vereint. Obgleich es bei den gezeigten Werken Schwerpunktsetzungen, und somit auch Schwachstellen gibt. Installationen sind ein Thema, Skulpturen auch, und natürlich New Media. Zu kurz kommt in meinen Augen die Malerei. Und wenn sie da war, dann eher so, dass ich schnell weitergegangen bin. Spielt Malerei in der jungen Kunst weniger eine Rolle. Oder wurde bewusst auf Werke gesetzt, die nicht 'konsumentenfreundlich' ist und gleich ihren Weg in Museen finden sollte?
Die fünf Kuratoren (wie die aussehen und wie sie heißen, haben ich heute morgen schon erwähnt) treffen auf jeden Fall den Zeitgeist und die kostenlose Ausstellung wird auch Leute anziehen, die vielleicht einen Bogen um zeitgenössische Kunst machen würden.


Der Rundgang am Morgen, samt der Möglichkeit Klaus Biesenbach und Hans Ulrich Obrist mal von nahem zu sehen, war eine gute Möglichkeit in Ruhe durch die Ausstellung zu laufen, noch bevor der große Rum am Abend viele Werke hat 'unsichtbar' werden lassen. Es bot sich auch die Möglichkeit Favoriten zu entdecken, und davon gibt es ein paar. Ich will nun nicht alle aufzählen, nur drei Arbeiten:

Kajsa Dahlberg - Ein Zimmer für sich allein
Ein an die Wandgeschraubtes Regal mit gelben Reclam-ähnlichen Büchlein ist nicht die Skulptur, es ist die Verpackung. Das Werk findet sich im Buch, vielleicht sogar auf eine Metaebene. Dahlberg hat aus 400 Bibliotheksexemplaren von Virginia Woolf's 'Ein Zimmer für sich allein' die Unterstreichungen und Anmerkungen herauskopiert und in einer Layering übereinander gelegt. Textstellen werden so verdichtet, bekommen mehr Intensität. Das Buch, ein Standardwerk der Genderdebatte, kann vielleicht auch stellvertretend für den Kunstbetrieb hergenommen werden.

Köken Ergun - Wedding
Wedding als Stadtteil Berlins wird zum Schauplatz türkischer Hochzeitsrituale und Traditionen. Ergun filmte über zwei Jahre hinweg 40 Hochzeiten schneidet diese zusammen und zeigt parallel auf drei Screens. Es entstehen beeindruckende Szenen. Dafür lohnt es sich Zeit mit zu bringen in fast voyeuristischer Manier etwas länger im Bunker hinter den Atelierhaus zu bleiben.

Asaf Koriat - The Brave
Immer wieder singen amerikanische Stars die Nationalhymne, durch das gleichzeitige Abspielen entsteht ein disharmonisches Kauderwelsch.

Die Ausstellung findet an fünf Orten in der Stadt statt, und geht noch bis zum 24. Juli. Eintritt ist frei.

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