2011/03/29

Thyrsis...


Cy Twombly ist schwer zu verstehen. Nimmt man sich Roland Barthes als Interpretationshilfe, bleibt nur noch mehr Verunsicherung zurück. Barthes Sprache und seine Texte sind nicht weniger verschlüsselt als die Werke des Künstlers. Doch gleichzeitig bringt er Twomblys Werk in einem einzigen Satz auf den Punkt: "Im Grunde sind die Leinwände Twombleys große mediterrane Zimmer, warm und lichtdurchflutet, mir versprengten Elementen."
Parallel zur großen Halle im Hamburger Bahnhof ist ein die Sammlung Marx untergebracht. Vorbei an den Warhols, den Rauchenbergs und den anderen Granden amerikanischer Kunst der Nachkriegszeit, stößt man ganz am Ende auf Cy Twomblys Triptychon 'Thyrsis'. Das Werk beinhaltet die Information, schreit einem sein Thema entgegen, und lässt einem doch ratlos. Thysis war ein Schäfer, der einen Geißhirt ein Lied singen sollte.
Twombly ist kein Historienmaler, obwohl er immer wieder historische Stoffe und Ereignisse als Grundlage seiner Bilder benutzt. Den Lepanto-Zyklus habe ich hier schon erwähnt, andere Bilder widmen sich der Schule von Athen oder Orion. Seine Bilder sind dem Graffiti ähnlich, sie transportieren verschlüsselte Botschaften. Barthes zitiert Tao: "Das Sein gibt Möglichkeiten, durch das Nichtsein nutzt man sie."

Quelle: Roland Barthes 'Cy Twombly' (Merve Verlag Berlin)

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