2010/05/20

Gebrauchsanweisung...


Während ich hier gerade am hübsch aufgeräumten Schreibtisch sitze, Kaffee trinke und mich an der eben noch zusammengestellten Playlist erfreue, unterrichtet Mary Scherpe (Stil in Berlin, u.a.) gerade die Industrie darüber wie der Blogger (das unbekannte und auch oft unkontrollierbare Wesen) richtig zu packen ist. 350€ ist der Beitrag den jeder für das neuerlangte Wissen zu zahlen hat, ist es das wert?
Während Blogger bis vor kurzer Zeit ihre Plattform nutzten, um Wissen zu teilen, oder vielmehr ihre Ansichten unters Volk zu bringen, haben einige nun das Podium für sich entdeckt. Angetrieben vom selben Exhipitionismus der beim bloggen unabdingbar ist, schreiten sie nur allzu gern aus der virtuellen in die reale Welt. Je nach geistiger Verfassung gelingt das manchen besser als anderen, und die die schlau genug sind kennen auch ihren Marktwert.
Grundsätzlich haben sich zwei Gruppen von Bloggern herausgebildet, welche sich auch insofern unterscheiden, dass die eine sich selbst zwar weniger von der Industrie manipulieren lässt, aber gerne weitergibt wie man die Masse gefügig macht. Wenn Mahret Kupka von 'Kleinmädchenbloggern' spricht wird klar wer zu welcher Gruppe gehört, ebenso wenn sich Mary Scherpe unter schmachtenden Blicken auf Podium stellt.
Inwieweit die Strategien aufgehen, sieht man wenn plötzlich allerorts Mobiltelefone gepostet werden oder sich Mädchen in T-Shirts ablichten die eigentlich in die Basicschublade gehören und wegen fehlender modischer Raffinesse kein Wort oder Bild wert sind.
Ich kann nun nicht behaupten nicht auch schon mal fast einer solchen gezielten Marketingstrategie verfallen zu sein, aber dank Spamkategoriessierung und genug Zeit die Sache zu überdenken hatte sich das schnell erledigt. Mittlerweile werden alle Mails die mir anbieten etwas geschenkt zu bekommen wenn ich verschiedene Auflagen erfülle mit einem 'Nein Danke' beantwortet.
Nun ist ein Blog, auch mein Blog, immer voll mit Werbung, aber es sollte ja um Sachen gehen die einem (mir) wirklich gefallen und nicht gepostet werden weil man was dafür bekommt. Ich nehme zumindest kaum jemanden ernsthaft ab die Produktrange von einem Duschgelhersteller, dessen Sachen im Laden unter 2€ zu haben sind, unheimlich großartig zu finden, so großartig dass es ein 10 minütiges Video wert wäre!?
Auch Scott Schumann (The Sartorialist) redet ja mittlerweile sehr gerne und oft, aber trotzdem hat er neulich schöne Statements zu diesen Themen abgeben. Die Botschaft lautete ganz klar, dass es am wichtigsten ist sich selbst treu zu bleiben und sich nicht instrumentalisieren zu lassen.
Um aber wieder zum Ursprung des Post's zurückzukommen, hier mein Tipp an Firmen die unbedingt ihre Produkte durch Blog's beschrieben und als gut befunden haben wollen (kostenlos übrigens): Erkennt doch den Blogger einfach als gleichwertiges Gegenüber an und spielt gleich von Anfang mit offenen Karten. Diese versteckte Honig ums Maul geschmiere um möglichst günstig Werbung zu platzieren ist nervig, für den Blogger und am Ende auch für die Leser!
Lesenswert ist auch folgender Post von Chris: Die (Ohn)macht der Straße


1 Kommentar:

  1. Also grundsätzlich hab ich nix dagegen, wenn sich Blogger für Marketingzwecke zur Verfügung stellen. Es waren ja nicht unbedingt die Blogger, die von sich behauptet haben, sie seien unabhängig und unerreichbar fürs Marketing. Die vielzitierte Unbestechlichkeit der (Mode-)Blogger ist ja auch ein Attribut, das man ihnen einfach mal so zugesprochen hat in der Hoffnung, dass es sich bewahrheitet, dass sich was ändern könnte. Die Tatsache, dass es dann doch anders kam als erwartet, aber trotzdem noch glaubt den Schein zu wahren, führte dann auch zu dem Dilemma, in dem sich die Blogger jetzt wiederfinden. Integrität wahren, oder Totalausverkauf? Da Modeblogs die Kriterien für kritische Berichterstattung in den wenigsten Fällen erfüllen, besteht daher ja auch nicht die Gefahr eines Ausverkaufs. Da das bloggen meistens auch eine persönliche Sache ist und eine subjektive Meinung widerspiegelt, sollte man die Entscheidung darüber, ob und für wen man Werbung macht, dem (unkritischen) Blogger überlassen und respektieren.

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