2010/04/11

A Single Man...


es war eine gute idee von den freunden gestern abend noch schnell ins kino zu gehen und in der spätvorstellung tom ford's erstlingswerk 'a single man' selbst in augenschein zu nehmen. es war auch eine gute idee statt eines dieser multiplexteile lieber ins charmante delphi (kantstraße) zu gehen und den film so noch dazu in großartigem ambiente genießen zu können.
das kino selbst ist ein highlight, die mit rotem stoff bespannten wände und die sessel aus dunklem holz mit cremefarbenen bezügen erinnern an die großen zeiten des kinos. ich kann mir gut vorstellen wie adrett gekleidete junge herren ihren begleiterin artig ins kino ausführten, klassische 50-er jahre illusion.
und dann begann auch der film und für mich waren die ersten zehn minuten die bewegendsten. mir kamen fast die tränen als sich george (colin firth) neben seinen blutüberströmten, auf schnee gebetteten, toten freund jim legt. in den folgenden 100 min. waren die bilder zwar immer wieder wunderschön und auch beklemmend, aber nie mehr so emotional aufgeladen.
mein größter fehler war am vergangenen sonntag die kritik in der faz gelesen zu haben. so hatte ich schon einen eindruck, voreingenommenheit kann einem manchmal auch etwas wunderschönes versauen. mir wäre nicht aufgefallen, dass die musik zuweilen zu viel wong kar wai ist oder manch eine floskel überflüssig ist, weil colin firth eh wenig worte braucht um die nötigen emotionen auszudrücken.
der cast des films ist so eine sache. tom ford hat sehr auf extreme schönheit gesetzt, egal ob bei der wunderbaren julianne moore oder bei dem blond bezopften puppen-lolita-mädchen (ryan simpkins). und dann die jungs, wie kann man bei jon kortajarena nicht sofort an sex denken? der typ mit seiner james dean-allure ist saugeil, aber auch wahnsinnig unglaubwürdig – was fürs auge halt, aber weniger wichtig für die handlung. nicholas hoult hingegen spielt die rolle von kenny da schon besser, stellenweise kann man sich sogar vorstellen wo es die beiden zuweilen hintreiben könnte.
und dann ist da ja auch noch die ausstattung. wie nicht anders zu erwarten hat sich tom hier selbst übertroffen. der bungalow in dem georg und jim zusammen lebten und der wenn george allein ist etwas sehr beklemmendes hat, ist ganz wunderbar und ein gutes beispiel für die amerikanische moderne in der mitte des 20. jahrhunderts. architekten wie john lautner, richard neutra oder pierre koenig haben mit ihren case study houses ein neues wohnen etabliert und es war nur richtig george und jim (der im film von beruf architekt war) genau in diese umgebung einzubauen.
auch die perfekten anzüge von tom ford (diesmal die modemacher-persönlichkeit) sind schmerzhaft in ihrer klaren schnittführung und perfektion. und kenny's cremefarbener mohair-pullover? er lässt nicholas hoult noch weicher erscheinen, betont die rettende rolle die ihm im verlauf des films zukommt.
der film ist optisch ganz klar top, und da kann ich dann auch über ein paar andere sachen hinwegsehen. auch die mit vielen rückblicken und erinnerungen versehene schnittführung wirkt gut strukturiert und durch den einsatz verschiedener farbstimmungen leicht zu durchschauen.
mein tipp: zu diesem schönen film ein schönes kino aussuchen und ein bisschen black orchid auflegen, dann wird der abend grandios!

foto von 5nf


Kommentare:

  1. Ich habe den Film auch gestern geguckt.
    Ebenfalls in einem kleinen charmanten Kino.
    Und ich bin heute noch hin und weg!

    : )

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  2. Bei uns lief der Film bereits im Januar; Wundert mich, dass er erst jetzt in Deutschland läuft.
    Teile deine Meinung über den Film, besonders was die Architektur, Ausstattung und Julianne Moore betrifft, ganz zu schweigen von Colin Firth. Das Einzige, was mich ein wenig störte, war Kenny, der für meinen Geschmack zu blass, jung und "süss" als letzte Reinkarnation seines Lebensgefährten wirkte, der wesentlich markanter, reifer und männlicher war. Trotzdem hoffe ich, dass T.F. weitere Filme macht!

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  3. Ich habe "A Single Man" gestern gesehen. Deinem Bericht gibt es nichts hinzuzufügen, ich bin immer noch hin- und weg.
    Einen Oscar hätte der Film im Übrigen für die beste Filmmusik verdient. Abel Korzeniowski hat eine überragende Arbeit geleistet.

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