2013/01/06

Fernsehereignis - Das Adlon...


Heute Abend strahlt das ZDF den ersten Teil dreiteiligen Familiensaga 'Das Adlon' aus. Im ersten Moment, das muss ich zugeben, klingt das nach TV-Kitsch und natürlich werden auch wieder viele Klischees bedient. Gleichzeitig war das vergangene Jahr geprägt durch die Arbeit an diesen Film und somit ist es auch ein ganz persönlicher Abschluss meiner Zeit in Berlin und der Arbeit bei der Theaterkunst. 
Ich habe im April 2012 bei der Theaterkunst in Berlin angefangen zu arbeiten, dem größten Kostümfundus Deutschlands mit über 10 Millionen Einzelteilen. Gleichzeitig begannen auch die Vorbereitungen der Dreharbeiten an der Adlon-Reihe und ziemlich von Anfang an kam ich mit dem Projekt in Berührung. Die Kostümbildnerin Dorothee Kriener war quasi permanent im Hause, viele Anproben fanden statt und auch Anfertigungen wurden gemacht. 
Zu meinen Aufgaben gehörte es zu schauen, dass alle probierten Teile dann nochmals auf kontrolliert und für die Auslieferung vorbereitet wurden. Unzählige Male bin ich jeden Tag zwischen Büro, Fundus und Werkstatt hin und her gerannt, und zwischendurch galt es noch Stoffe, Knöpfe und Kleinteile zusammenzusuchen oder aus Stoffmusterbüchern Vorschläge für die Neuanfertigungen herauszusuchen und diese bei den Lieferanten abzufragen. 
Wichtig war vor allem, dass die Kostüme echt aussahen und vor allem bei Neuanfertigungen wurde wert auf authentische Stoffe und Verarbeitungen gelegt. Den Schneiderinnen forderte dies viel Könnerschaft ab und manchmal auch die ein oder andere Schweißperle. Gelungen ist die Arbeit dann, wenn das Kostüm im Film völlig verschwindet, ob das gelungen ist wird man heute Abend sehen. 


Im ersten Teil des Filmes ist es vor allem Sunnyi Melles, die eine Schlüsselrolle spielt und deren Kostüme viel Aufmerksamkeit erforderten. Die ersten 20 Jahre des 20. Jahrhundert brachten viele modische Umbrüche mit sich, diese müssen auch im Film bedacht werden. Während die Damen um 1900 noch meterweise Stoff hinter sich her schleppten, wurden um 1910 die Röcke schon etwas kürzer und enger, und die Taillen (das Oberteil) fielen weiter. 
Vor allem, und das habe ich oben schon geschrieben, muss ein gutes Filmkostüm zur Person des Trägers passen. Der Kostümbildern hat die harte Aufgabe die Wünsche des Schauspielers mit der eigenen Kostümidee in Einklang zu bringen, muss sich auf subtile Art und Weise durchzusetzen verstehen. 
Wer jetzt schon etwas Lust auf 'Das Adlon' bekommen hat, der findet hier eine toll gemachte Seite mit vielen interaktiven Features und Informationen zur Geschichte des Adlons und zu den teils fiktiven teils realen Personen im Film. Viel Spass beim fernsehen!!!

Kommentare:

  1. Lieber René,
    das ist wirklich aufregend, daß Du so in das Projekt involviert warst! Im Sommer wurden auch einige Szenen in Düsseldorf, im goldenen Muschelsaal der Rheinterrasse gedreht, und ich stand eigentlich schon auf der Statistenliste, hatte dann aber zu lange Haare für die Zwanzigerjahre. Haha, und zu einem Haarknoten à la Virginia Woolf konnte ich die Damen von der Statisterie leider nicht überreden. Umso begeisterter bin ich nun von Deinem Erlebnisbericht!
    Mit den besten Grüßen aus der Glitzermetropole,
    Julia

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  2. das war sicherlich ein toller Job, der hätte mich auch begeistert obwohl ich mitterweile die ersten Folgen gesehen habe und enttäuscht bin, fiktive Geschichten zu erfinden, damit Liebe und Schicksale eingebaut werdenobwohl ich denke das die Familie genügend Stoff hergibt.
    Siegmar

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  3. Ich finde ganz gut, dass man lieber eine fiktive Familie erfindet als die von realen, aber eben längst toten Personen zu verfilmen und diese somit eventuell vorzuführen.
    Ich fand die beiden ersten Teile sehr unterhaltsam und kurzweilig. Adlon kann durchaus mit Downton Abbey mithalten.

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