2011/10/21

Miami - New York...


Das Jahr 2011 war unter anderem auch geprägt durch einen Hintern in einem weißen Satinkleid. Pippa Middleton kann sich damit in die Reihe der großen Schauspielerinnen Hollywoods einreihen, wußten diese doch, natürlich unterstützt durch sehr begabte Kostümbildner, ihre Reize genau dadurch zu betonen. Ein Paradebeispiel dafür wie elegant und sexy weißer Satin den Körper umspielen kann, ist Claudette Colbert. 1934 spielte sie in Frank Capra's 'It happened one night' die Rolle der verwöhnten Ellie Andrews, gewann dafür den Oscar als beste Hauptdarstellerin und wurde über Nacht zur bestbezahlten Schauspielerin Hollywoods.
Insgesamt gewann der Film fünf dieser Statuen, unter anderem als bester Film, für die beste Regie und das beste Drehbuch. Dabei war es anfangs gar nicht so leicht Schauspieler für die Hauptrollen zu finden. Colbert war genauso wenig die erste Wahl für die von ihr gespielte Rolle, wie ihr Partner Clark Gable. Sie nahm nur an, weil man ihr das doppelte ihrer üblichen Gage zahlte und dazu noch zusicherte nicht mehr als drei Wochen zu drehen. 
Nach diesem Triumph wurde es keinesfalls einfacher mit Frau Colbert. Wie Greta Garbo war sie sehr darauf bedacht, dass ihre Verträge bis ins kleinste ausgearbeitet waren. Profilaufnahmen durften nur von ihrer linken Gesichtshälfte gemacht werden, Nahaufnahmen allgemein nie am Nachmittag und spätestens 17 Uhr verlies Claudette Colbert das Set, der Feierabend war ihr heilig. Plötzlich erscheinen einem die Wunschlisten einer Jennifer Lopez doch gar nicht mehr so exotisch, oder!?


Für Clark Gable hingegen war der Film als Strafe gedacht. Auch die Rolle des Peter Warne wurde zuerst anderen Kollegen wie Robert Montgomery angeboten, allerdings ohne Erfolg. Gable stand eigentlich bei MGM unter Vertrag und es war unüblich für ein anderes Studio zu arbeiten. Doch Louis B. Mayer sah es als eine gerechte Strafe für Gable's aufsässiges Verhalten an, ihn an Columbia Pictures zu verleihen. Am Ende wurde auch Clark Gable mit einen Oscar belohnt und hat vielleicht sogar eine Dankeskarte an Herrn Mayer geschickt. 
Und beide haben diese Statue wirklich verdient. Man schaut sich diesen Film an und hat das Gefühl, die Essenz aller Liebeskomödien darin zu entdecken. Allein die Idee Bein zu zeigen um als Anhalter von einem Auto mitgenommen zu werden, erscheint uns vielleicht mehr als abgedroschen, ist da aber sehr witzig. "I'l stop a car, and won't use my thumb... It's a system all my own."
Der Film hat Tempo, die Dialoge sind reich an Pointen und keiner der beiden Hauptdarsteller spielt sich in den Vordergrund. Es ist ein Miteinander zweier sehr guter Schauspieler, die sich gegenseitig immer wieder die Bälle zuwerfen und so den Film vorantreiben. Gable fand auch Gefallen an seiner Rolle, ganz im Gegenteil zu seiner Partnerin. Colbert war der Meinung den schlechtesten Film der Welt gemacht zu haben.


Klar ist die Geschichte recht einfach gestrickt, selbst 1934 war das nichts neues. Es geht um eine junge Frau die einen Mann heiraten will, der ihrem Vater nicht in den Kram passt. Sie springt von Bord der Familienyacht und macht sich mit dem Bus auf nach New York um zu ihrem Verlobten zu fliehen. Auf der Reise lernt sie einen Reporter kennen und beide verlieben sich ineinander. Zwischendurch passieren noch so Sachen wie gestohlene Koffer, kaputte Brücken und Busse, und aller möglicher andere Kram, der vorkommen muss, um die Reise künstlich zu verzögern. 
Nein, wirklich spannend klingt das heute vor allem deshalb nicht, weil es eben viel zu oft adaptiert und kopiert wurde. Immer wenn er darum geht einen Mann und Frau zusammenzubringen, auch wenn diese im ersten Augenblick ganz offensichtlich nicht zusammenpassen, werden eben diese Stilmittel eingesetzt. 
Allein die Szene, wo sie in einer Pension übernachten und sie seinen Pyjama ausleiht, wurde später mehrfach übernommen. Man erinnere sich nur an die Komödie 'Pyjama für zwei' mit Doris Day und Rock Hudson. Oder 'Ein Herz und eine Krone', da sind es ein Reporter und eine Prinzessin die sich auf ähnliche Weise verlieben. Leider aber ohne Happy End.


Für die Kostüme im Film zeichnete Robert Kalloch verantwortlich. Zwischen 1932 und 1947 war er unter anderem für Columbia Pictures tätig und stattete insgesamt 136 Filme aus. Bislang kannte ich ihn nicht, auch von den meisten seiner Filme hab ich bislang nichts gehört. Seine Arbeit bei 'It happened one night' ist aber herausragend, wenn auch der Film fast ausschließlich die selben Looks zeigt. 
Claudette Colbert hat gerade einmal drei verschiedene Outfits, was quasi nichts ist verglichen mit heute. Es gibt eine Art Hausanzug, der asiatisch anmutet und dessen einziger Schmuck posamentenartige Verschlüsse sind. Und es gibt das weiße Satinkleid in der Schlußszene. Beide Looks sind aber vergleichsweise kurz zu sehen, im Gegensatz zu dem Kostüm mit weißen Bubikragen und kleiner Baskenmütze, in dem Colbert die Flucht bestreitet. 
Doch der schmale Rock und der kleine Tailleur sind nicht weniger reizvoll, als die beiden anderen Kleider. Kalloch hat vor allem bei der Jacke darauf geachtet, dass sie alles andere als langweilig wirkt. In der Rückansicht formt das schrägverlaufende Streifenmuster die Figur, durch den weißen Kragen und die Manschetten gewinnt das Outfit etwas mädchenhaftes. 


Auch das was Clark Gable trug war stilbildend. Immer wieder sind es Varianten des gleichen Looks, der die Eleganz der Zeit widerspiegelt. Vor allem dem Norfolk Jacket wird hier gehuldigt, jenem sportlichen Jacken, die durch Falten im Rücken an Bewegungsfreiheit gewinnen, ohne jedoch formlos zu wirken. Im Gegenteil, im Riegel in der Taille sorgt für eine figurbetonte Optik. Dazu wurden Westen oder Pullunder getragen, die ebenfalls schmal am Körper saßen. Krawatte war natürlich Pflicht.
Mode in Filmen hat Einfluss auf die Industrie und den Verkauf, sie kann angekurbelt werden und eben auch das Gegenteil kann der Fall sein. Clark Gable schaffte es den Verkauf von Unterhemden einbrechen zu lassen, einfach in dem keines trug. Es gibt da eine Szene im Film, in der sich die beiden Protagonisten darüber unterhalten, wie unterschiedlich sich Männer und Frauen ausziehen. All dies passiert natürlich während sich Gable seine Hemdes entledigt und eben keine Unterwäsche zum Vorschein kommt. Er war einer der beliebtesten Stars und sicherlich auch ein Sexsymbol, die Wirkung von nackter Haut in jenen Jahren kann man sich heute nicht mehr so ganz vorstellen.
Den Einfluss der Kleider im Film auf die Mode hingegen schon. Auch heute noch haben die Outfits nichts an Reiz und Eleganz verloren. Seltener wird der Film als Referenz für bestimmte Kollektionen genannt, aber in vielen finden sich Anleihen. Gerade Ralph Lauren ist wie kaum ein anderer Designer geprägt durch Filme. Das schräg geschnittene Seidenkleid mit der Federstola hätte genauso Ellie Andrews tragen können. Genauso wie die Anzüge und Kombination aus der Männerlinie  Peter Warne sehr gut stehen würden.

Rena Lange / Turnbull Asser / Ralph Lauren

Ralph Lauren / Burberry (mitte)

Gerade jetzt, wo es draußen wieder früher dunkel wird, kann man sich mit dem Film einen schönen Nachmittag machen. Wer gute Filme mag, wird 'It happened one night' genauso mögen, wie Leute die sich für Mode interessieren. Man muss ihn sich noch nicht mal ausleihen oder kaufen, auf Youtube gibt es ihn auch anzuschauen.

Bilder von hier, hier, hier, hier, hier

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