2011/10/25

Die Kunst Zu Sammeln...


Eine Aluleiter ragt von links in den Raum herein, an der Decke befestigt hängt ein Motor, der eine Platte an Schienen nach oben ziehen kann. Dann ist da noch die Box aus Plexiglas, in der sich ein Fenster spiegelt und auf der zwei milchig weiße Zylinder stehen. Es könnte eine Werkstatt sein, doch eigentlich ist es zu sauber dafür. Oder ist es ein Labor?
18 mal 12 Zentimeter misst die Fotografie von Monika Brandmeier, die den Namen 'Ecke' trägt. Allgemein sagen die Namen viel über die Arbeiten Brandmeier's aus, genauso viel wie sie verheimlichen. Sie bezeichnen das Dargestellte, ohne aber weiteren Raum für Interpretationen zu bieten. Ihre Kunst ist konkret, die Materialien sind bekannt und werden teils noch nicht mal verfremdet, um die Kunst entstehen zu lassen. Die Werke sprechen zum Betrachter, und behalten doch ein Geheimnis für sich. "Ich hatte die diffuse Vorstellung von einem wohligen Unverstehen bei gleichzeitiger Präzision. Klarheit und Fremdheit waren für mich bestimmende Parameter.", so Monika Brandmeier in einem Interview mit artnet. 
Es war mein dritter Kunstkauf in diesem Jahr, und das Bild kam nicht weniger spontan und unerwartet als die anderen auch. Ich entdeckte es in einem Schrank im Leonhardi Museum in Dresden; nur eine kleine Ecke war zu sehen, doch ich wußte augenblicklich, dass ich es haben will. Es ist Teil einer Edition, die für eine Ausstellung gemacht worden war. Auf 40 Stück ist die limitiert, und signiert ist das Bild natürlich auch. 
Editionen sind ein guter Weg um mit dem Sammeln von Kunst anzufangen. Die Preise sind überschaubar und man kann sich an die Kunst herantasten. 2005 beschrieb Max Küng in der Monopol, wie er über Nacht zum Sammler wurde. Bis vor zwei Wochen lag die Ausgabe im Schrank und nur aus Langeweile habe ich sie auf der Suche nach Lektüre willkürlich gegriffen. Sein Artikel und meine eigene Erfahrungen deckten sich sehr gut, wenngleich ich weniger exzessiv an die Sache heranging.
Mich packte nicht das Jagdfieber, ich machte mich teils nicht mal auf die Suche nach den Arbeiten. Sieht man mal von Terry Richardson's 'Batman und Robin', und auch die Uhren von Raphael Neff für Lumas sind nicht weiter erwähnenswert, fing ich Feuer bei zwei kleinen Bildern in großer Auflage von wirklich großen Fotografen. Candida Höfer und Thomas Struth weckten meine Leidenschaft und es interessiert mich nicht die Bohne, dass ich mir die Arbeiten mit circa 200 weiteren Menschen teilen muss. Warum auch nicht, tolle Kunst ist in gewisser Weise auch ein Allgemeingut.
Meist sind die Editionen Teil von Publikationen, fast jeder Verlag bietet welche in unterschiedlicher Qualität und Auflage an. Je nach Sammelgebiet findet man bei den unterschiedlichsten Verlagen spannende Arbeiten. Bei Taschen ist es vor allem Fotografie, die auf massenkompatible Namen und Gefälligkeit setzt. Bei Distanz wird schon echte Kunst angeboten. Und natürlich ist da noch der Bildersupermarkt Lumas, der das Feld der Editionen wohl am meisten aufmischte. Doch gerade da neigen die Bilder oft dazu ins rein dekorative abzurutschen.
Die vielleicht besten findet man bei Texte zur Kunst. 1990 fingen die mit einer auf 80 Stück limitierten Arbeit von Martin Kippenberger an, heute finden sich da Namen wie Mike Kelley und Carsten Nicolai im Portfolio noch verfügbarer Arbeiten. Viel länger ist aber die Liste der Arbeiten, die längst vergriffen sind. Fraglos ist da natürlich der Kippenberger dabei, aber auch Meese, Tillmans und alle anderen wichtigen Namen, deren Kunst man gerne Zuhause hätte.
Es war klar, dass ich den Laurenz Berges von Texte zur Kunst haben musste, und 'Lönningen' ist nun alles andere als gefällig und dekorativ. Ich weiß gar nicht, ob meine Mutter das Bild schon gesehen hat, aber gefallen wird es ihr kaum. Der Fotograf kommt nicht nur aus dem gleichen Umfeld wie Höfer und Struth, ist auch ein Becherschüler, sondern das Bild fesselt mich jeden Tag aufs neue. Doch war es bislang auch mein einziger Kauf bei Texte zur Kunst, keine andere Arbeit hat mich dermassen für sich eingenommen.
Kunst, auch wenn es sich nur um verhältnismässig günstige Editionen in großen Stückzahlen handelt, ist an erste Stelle dazu da den Betrachter zu fordern, in zu fesseln und zum nachdenken anzuregen. Wovon ich hingegen wenig halte, ist das Sammeln als Wertanlage zu betrachten. Und es ist nicht so, dass die Editionen weniger gewinnträchtige sind. Auch wenn die Stückzahlen mit oft 100 Exemplaren extrem hoch sind, haben trotzdem nur 100 Leute das gleiche Bild. Und es ist auch spannend zu wissen, dass es 100 Gleichgesinnte gibt. 
Es gibt keine Liste, keinen programmatischen Leitfaden in meinem Interesse für Kunst. Ist ein solcher wichtig beim sammeln? Im letzten Jahr gab es tatsächlich mal die Überlegung die Düsseldorfer Photoschule, also massgeblich die Schüler von Bernd und Hilla Becher, als Schwerpunkt auszubauen. Zum Beispiel habe ich da noch eine Arbeit von Boris Becker im Auge, doch kann ich mich momentan nicht durchringen knapp 500 € auszugeben. Abgeschrieben ist das noch lange nicht, allerdings ist warten auch nicht immer die beste Lösung. Man weiß ja nie, wieviele noch da sind und ob man sich nicht ärgert, wenn die Edition dann ausverkauft ist.
Das kann passieren, aber man kann sich so auch schon mal an den Kunstmarkt gewöhnen. Wenn man dann irgendwann mal Kunst in größeren Dimensionen sammelt, wird es oft jemanden geben, der entweder schneller ist oder mehr zahlen kann. Auch Küng hat zu lange gewartet und die Arbeit 'Joke, Girlfriend, Cowboy' von Richard Prince vepasst. Dafür hat er aber eine wunderschöne Fotografie von Fischli/Weiss, die ich dem Prince grundsätzlich vorgezogen hätte.
Meine Wohnung war im letzen Jahr noch nahezu bilderlos, mittlerweile gibt es verschiedene Zusammenstellungen in verschiedenen Räumen. Im Wohnzimmer hängt das Polaroid mit einer Stadtansicht von New York, neben Berges, Struth und Höfer. Konkret sind es immer Orte die auf den Bildern zu sehen sind, immer menschenleer. Im Flur haben sich zwei Fotografien von Walter Pfeiffer zu Terry Richardson gesellt, während ihnen gegenüber zwei Bilder von Viktor Slota hängen. Und im Schlazimmer gibt es bisher nur Brandmeier's 'Ecke'. Die Wohnung wird zur privaten Galerie. Ich würde es nicht übers Herz bringen nur für die Schublade zu kaufen.
Während ich den Artikel schreibe klicke ich mich schon wieder durch ein paar Seiten auf der Suche nach spannenden Neuentdeckungen. Texte zur Kunst bietet gerade eine Arbeit von Monica Bonvicini an, und Edition Schellmann vier Drucke von Thomas Ruff...

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