2011/03/11

Mode Thema Mode: Japanese Fashion 1980 To 2010...

In London wird morgen eine große Retrospektive über das Schaffen von Yohji Yamamoto eröffnet und im Haus der Kunst in München läuft seit wenigen Tagen eine Ausstellung die sich der japanischen Mode seit 1980 widmet. Der heutige Vortrag 'Japanese Fashion 1980 to 2010' bettet sich sehr gut in den Kontext ein.
Gehalten wird er übrigens von Akiko Fukai. Sie ist Kuratorin am Kyoto Fashion Institute und betreut dort eine der schönsten und wichtigsten Modesammlungen der Welt.

Ort: Vortragssaal im Kulturforum
Beginn: 18:00 Uhr

Nachtrag: Akiko Fukai lies alle Aspekte Japanischer Mode lebendig werden, traditionelle Kimonos waren ebenso Thema wie moderne Erscheinungen und Einflüsse wie Manga und Kawaii. Und natürlich die Rolle großer japanischer Designer und wie sie die Mode in den letzten 30 Jahren prägten. Der Vortragssaal war bis auf den letzten Platz gefüllt, das zeigt wie wichtig und relevant das Thema ist. Die beiden aktuell stattfindenden Ausstellungen zeigen das deutlich. Fukai ist verantwortlich für die in München, hat sie kuratiert und gewährte einen Einblick in ihre Arbeit.
Der erste Teil des Vortrags widmete sich gegenwärtigen Moden. Die 'Verkleidungen' der jungen Frauen und Männer lösen im eigenen Land bei älteren Generationen Verwunderung bis Unverständnis aus, bei uns eher Faszination. Das erschaffen bzw. Identifizieren mit Avataren lässt Moden verschmelzen und verbindet klassische Elemente japanischer Mode mit europäischen Kleidungsstilen und Epochen. Diese Phänomene erklären sich auch durch die Offenheit der Japaner für andere Kulturen, reale und unreale.
Japanische Mode ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Thema. Um 1850 öffnete sich Japan für westliche Einflüsse, Handel wurde möglich. Die Japaner importierten recht schnell die westliche Art sich zu kleiden. Zuerst veränderte sich die Männerkleidung, in der Frauenkleidung kamen die Veränderungen langsamer. Dabei sind vor allem in der Frauenkleidung die Unterschiede, auch die theoretischen sehr groß. Westliche Kleidung zielt immer auf eine Hervorhebung des Körpers ab, japanische umhüllt ihn und lässt die Figur nur dezent erahnen. Die Neugier und das vermeintlich Moderne dieser neuen Art sich zu kleiden, führten aber dazu, dass traditionelle immer seltener wurde und mittlerweile nur noch an Festtagen angelegt wird.
Auch umgekehrt waren die Einflüsse auf die Mode immens. Die Weltausstellung 1867 in Paris brachte den Pariserinnen in den aus heutiger Sicht verwerflichen Völkerschauen nicht nur die Kultur Japans nahe, sonder anhand dort 'ausgestellter' Japanerinnen auch die Art sich zu kleiden. Dies hatte zur Folge, dass die japanischen Seiden für Kleider verwendet wurden und auch Schnittelemente wie Kimonoärmel adaptiert wurden. Teilweise wurden auch ganze Kimonos als Mäntel getragen, allerdings lose fallend oder mit schmalen Gürteln. Die dicken und die Taille verstärkenden Obigürtel kamen kaum zu Einsatz, zumindest nicht ohne den Schönheitsidealen der jeweiligen Zeit angepasst zu werden. Charles Frederic Worth verwendete die aus Japan kommenden Elemente ebenso wie Coco Chanel. Ihre Coromandelparavents stehen noch in der Rue Chambon 31, Chanels früheren Apartment.
Nur wenige Designer wagten sich aber auch an die traditionellen Schnitte. Madeleine Vionnet, die Meisterin des Schrägschnitts erkannt aber die Raffinesse und konstruierte Kleider, die heute nicht weniger originell sind als in den 1920-er Jahren. Sie verwendete die Konstruktion eine Kimonos und veränderte sie so, dass eine Abendkleid mit Schleppe entsteht. Oder sie seht Biesen so gekonnt, dass sie wie die Wellen in einem Zengarten erscheinen.
Und auch heute noch übt japanische Kleidung einen Einfluss auf Designer aus. John Galliano's Origami-Orgien im Sommer 2007 sind der Höhepunkt einer langen Reihe von durch Japan beeinflussten Kollektionen und wir werden wohl in den kommenden Jahren nichts vergleichbares mehr zu sehen bekommen.
Seit den 1970-er Jahren macht aber auch eine zweite aus Japan kommende Mode von sich reden. Issey Miyake und Kenzo Takada machten von sich reden, und Hanae Mori zeigte Couture Kollektionen. Doch eine wirkliche Revolution lössten ersten erst Rei Kawakubo und Yohji Yamamoto aus. Ihre dekonstruiert wirkenden Kleider lösten sich von tradierten Vorstellungen von Mode. Es ging nicht mehr darum den Körper zu formen oder besser gesagt, ihn in eine Form zu bringen. "Das erotische Topik der westlichen Körpereinstellung wird negiert.", so Barbara Vinken in Die Mode nach der Mode. Auf die Spitze getrieben wird diese Negieren dann durch die Kawakubo's Buckelkleider Mitte der 1990-er. Hier ging es nicht mehr nur darum den Körper zu verhüllen und zu entsexualisieren, sondern ihn neu zu formen und zu 'entstellen'. Heutige Designer orientieren sich an diesen Vorstellungen und entwickeln sie weiter. Neben Martin Margiela und Ann Demeulemeester, sind vor allem japanische Designer zu erwähnen. Junya Watanabe und Undercover by Jun Takahashi sind neben den noch immer relevanten Marken Yohji Yamamoto und Comme de Garçons die wichtigsten Vertreter japanischer Mode.
Die Münchner Ausstellung widmet sich diesen Designer und macht deutlich wie wichtig deren Ideen für unsere heutige Art sich zu kleiden. Als kleinen Eindruck hier noch ein Video von Yamamoto's Schau FS-2000.

video

Es ist ein tragischer Umstand, dass gerade heute Japan von einer unbeschreiblichen Katastrophe heimgesucht wird. In Gedanken bin ich bei den Opfern des Bebens und deren Angehörigen.

Kommentare:

  1. Ein wunderbares Buch, das in keiner Hausbibliothek fehlen darf, ist "Lob des Schattens. Entwurf einer japanischen Ästhetik" von Junichiro Tanizaki (1886-1965).

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  2. Gerade das Thema Schatten, und auch Wabi/Sabi wurden aufgrund ihrer Komplexität nur angerissen. Und darin besteht auch der größte kulturelle Unterschied.

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