2010/12/03

Serious - Thom Browne's Frauen...


Eine zweite Premiere wurde in New York gefeiert, auch der andere Thom, der mit H nach dem T, lanciert nun eine Damenlinie.
Thom Browne und Tom Ford leben zwar in der selben Stadt, aber in vollkommen anderen Universen. Der eine, der ohne H, kreiert Upper Class-Schick; wunderschöne Kleider, handwerkliche Meisterstücke mit Stickereien die Haute Couture in nichts nachstehen. Der andere Thom, der der mit Nachnahmen Browne heißt, greift in einen reichen Fundus aus Zitaten und bringt so meisterlich das auf den Punkt was gemeinhin als Modernität bezeichnet werden darf. Es ist das Nutzen der Vergangenheit um die Zukunft zu definieren. Nitsche bringt dieser Haltung folgendermaßen auf den Punkt: "Wir sind nun einmal die Resultate früherer Geschlechter.".


Seine Kollektion erinnert mich an Otto Wagner's Postsparkassengebäude in Wien. Wagner's Gebäude zeichnet sich durch die perfekte Synthese aus Funktionalität und Ästhetik aus. Nicht anders verhält es sich mit Browne's Kleidern. Wobei sich letzterer hin und wieder dazu hinreißen lässt die Funktion der optischen Wirkung zu opfern. So zum Beispiel beim Cape im ersten Bild, oder dem schürzenähnlichen, gefältelten Überrock. Beides ist nicht nötig, erhöht aber den optischen Reiz. Und schließlich setzte Wagner auch Nieten als Schmuckelement auf seine Fassade.



Browne bleibt seiner Designsprache treu. Er verwischt die Grenzen zwischen den Geschlechtern subtiler als nur Männern Röcke und Frauen Hosenanzüge anzuziehen.
Ideengeber für die Herren wie auch jetzt für die Damen sind die Prokuristen und Büroangestellten der 40-er und 50-er Jahre, und die Ironie von englischer Freizeitmode. Die Tennisschläger und Schneeflocken früherer Kollektionen ersetzt er für seine Damenlinie durch Schleifen und Meerjungfrauen.
Die Stoffe sind entweder einfarbige, gedeckte Wollstoffe oder gewebte Muster und Karos. Maskuline Elemente so umgewandelt, dass sie weiblich wirken ohne aber ihre Strenge aufzugeben. Die Falten sind rasiermesserscharf gelegt, die Kragen der Blusen gesteift und hochgeschlossen.
Das handwerkliche Raffinesse lässt sich gut in den Bilder erkennen. Alle Teile sind an den Kanten paspeliert; mal sichtbar wie an den Jackets, oft aber unsichtbar. Nur wenn der Schlitz eines Rockes sich etwas zu weit öffnet blitzen die Kanten hervor. Selbiges Ripsband setzt Browne aber auch als Schmuckelement ein. Es hält unter anderem die langen Perlenschnüre an ihrem Platz.


Thom Browne Kleider sind Preppy-Schick ohne die damit einhergehende Spießigkeit. Sie sind Bürolooks ohne die Langeweile schlechtgemachter Hosenanzüge. Nur für Partygirls sind sie nichts, aber die hatte Browne beim Entwerfen wohl auch nicht im Sinn.

Bilder von Sang Bleu

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