2010/08/14

Regenwetterlektüre...


Draußen ist es gerade recht grau und nieselig, und eigentlich wäre es das perfekte Wetter um im Bett zu bleiben und einfach in eine andere Welt anzutauchen. Zola's 'Paradies der Damen' wäre zum Beispiel eine solche.
Stattdessen bin ich schon im Büro und werde mich gleich diversen Abrechnungen hingeben müssen. Vorher aber dann doch noch ein kleiner Anstecher in einen der berühmtesten Kaufhausromane. Ja, es gibt in der Tat wohl diese Gattung in der Literatur, Romane die sich mit Einkaufswelten beschäftigen. Zola's Roman ist aber in meinen Augen auch entscheidend dafür verantwortlich, den Mythos von Paris als Hauptstadt der Mode und des luxuriösen Einkaufens zu bilden.
Der Roman enstand zu selben Zeit als die Umgestaltung Paris' im vollen Gange war, George-Eugène Haussmann's Pläne weitestgehend vollendet waren und sich die großen Kaufhäuser als gesellschaftliche Institutionen etablierten. Das Kaufhaus im Roman, ein eigentlich fiktiver Ort, ist in der Gegend um die Opéra Garnier angesiedelt, da wo auch heute noch die Tempel des Konsums zu finden sind. Wer schon einmal in Paris war, hat beim lesen sofort Bilder vor Augen.
Ich empfehle das Buch, weil es eine Revolution im Handel beschreibt. Und gerade heute sind wir wieder an einem ähnlichen Punkt. Bei Zola geht es vom Facheinzelhandel zum Warenhaus, heute vom physischen Akt des Einkaufens zum virtuellen in Online-Shoppings. Und natürlich auch, weil Émile Zola ganz wunderbar bis ins kleinste Detail beschreibt und man die Stoffberge fast riechen kann.
Wer heute also nichts vor hat, sollte in den nächsten Buchladen gehen und das Wochenende im 'Paradies der Damen' vertun. Passend dazu auch das Bild Gustave Caillebotte, eines der schönsten Bilder der Zeit nach dem zweiten Kaiserreich und Sinnbild für die Moderne wie sie Zola beschreibt.

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