2010/08/04

Living In Switzerland...


Interiorblogs sind im Trend, sie machen den klassischen Wohnraumzeitschriften Konkurrenz und sind eindeutig inspirierender als der Ikea Katalog. Vor allem zeigen sie statt glatter Hochglanzeinrichtungen eher wie der Nachbar sein Zuhause gestaltet hat.
Wir haben nun auch die Möglichkeit zu schauen wies bei den Freunden in der Schweiz so aussieht. Der Tagesanzeiger zeigt auf der Sweet home Seite neben Einrichtungstips auch die Wohn- und Schlafzimmer der Eidgenossen.




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Kommentare:

  1. très interessant!!! Dies ist ein weiteres Indiz für den derzeitigen Niedergang der Printmedien.
    Best regards from Berlin!
    http://dandy-club.blogspot.com

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  2. Ich liebe die AD und auch die Elle Decoration, nicht falsch verstehen, aber die schrappen immer so haarscharf an meinem eigenen Leben vorbei. Ich mag auch nicht diese immer gleich gestylten Luxusdomizile wo Interiordesigner einfach drei Eames Stühle und ein bisschen Bauhaus zu ein paar antiken Beistelltischchen stellen und das dann alle als eklektizistisch nennen.
    Somit kann ich mich besser mit den Onlinevaianten identifizieren.

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  3. Blog sei Dank weiß ich jetzt nicht nur, was mein Nachbar grad tut und welche Kleidung er dabei trägt, sondern auch wie es bei ihm zu hause ausschaut. Jetzt sind es nicht mehr irgendwelche Promis, sondern Menschen wie du und ich, Nachbarn, "Freunde von Freunden" mit denen wir uns jetzt vergleichen, an denen wir uns jetzt messen müssen.
    Mag ja sein, dass so die durchschnittliche Schweizer Nachbarschaft aussieht, aber mein Kiez besteht (noch) nicht aus arrivierten "Kreativen", die sich ihre Lofts und Ateliers Dank des nötigen Kleingelds mit Designermöbeln vollstopfen, die völlig entfremdet sind von ihrem ursprünglichen Zweck als Gebrauchsgegenstand. Die stattdessen schön in der Ecke stehen, als Kunstwerk, Statussymbol und Fetisch, an dem sich ihre Besitzer aufgeilen. Manchmal glaub ich echt VITRA ist das IKEA für neureiche Deppen.
    Was sich als zufälliges Ensemble präsentiert und als ein Zeichen von Geschmack und Distinktion verkauft wird, ist doch auch bis ins kleinste Detail inszeniert: die Bücher und Magazine auf dem Tisch, die CDs, der ganze schicke Nippes in den Regalen - nichts wird dem Zufall überlassen. Dreckiges Geschirr sieht man eher selten. Und das soll natürlich sein?
    Ich geb dir Recht Rene, der Ikea Katalog ist nicht wirklich inspierierend, aber gerade diese ostentative Künstlichkeit lässt mir den kreativen Freiraum um mir meine Wohnung nach MEINEM Geschmack einzurichten. Die Einrichtungsblogs dagegen versuchen meinen Einrichtungsstil einem Klischee zu unterwerfen, welches nicht nur diktiert welche Möbel ich mir ins Zimmer stelle, sondern auch welche Bücher ich zu lesen und welche Musik ich zu hören hab.
    Der Fluch des Web 2.0 ist, dass es nichtmal mehr vor den eigenen Vier-Wänden, unseren intimsten Rückzugsort haltmacht und uns dazu nötigt ihn den bewertenden Augen der Öffentlichkeit preiszugeben.

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  4. Och naja, "nötigen" find ich jetzt etwas übertrieben Chris. Ich denke geheime Kameras sind in den Buden wohl nicht installiert, da wird sich schon jemand verdammt freuen wenn die Interiorblogger vor der Tür stehn. Mich nervt es auch, das 100ste Bertoia Drahtgestell zu sehen, und alle machen was kreatives im Designbereich, klar. Aber, es gab mal eine ähnliche Natürlichkeits-Debatte betr. Modemagazine; ich zumindest habe keine Lust auf die Frau von nebenan, so herrlich normal und unperfekt. Dafür kaufe ich mir kein Magazin. Und wenn ich mir ein Interiormagazin ansehe, egal ob Print oder Blog, brauche ich kein dreckiges Geschirr, und Durcheinander auf dem Boden. Ich brauche Illusionen. Aus denen ich mir meine persönlichen Inspirationen rausnehme. Und wenn ein Haus in einer Strecke einfach atemberabend aussieht, ist es mir grade egal ob die Stylisten die Vitra Stühle, den iMac und die Wasserkaraffe mit Limettenscheibe selber rangeschleppt haben

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  5. Linda! Natürlich freuen die Leute sich, wenn sich der Interior Fotograf ankündigt, genau deswegen hat man sich ja die Möbel ins Haus gestellt, in der Hoffnung, dass sie Aufmerksamkeit erregen. Ich glaub ich würd mich genauso geehrt fühlen, wenn jemand meinen Bertoia Diamond Chair als eben diesen erkennt.
    Und ich würde ihn ebenso vorteilhaft wie möglich platzieren und ablichten lassen. Vorher würde ich natürlich noch das dreckige Geschirr wegräumen und den Teppich, auf dem er steht, geradezupfen. Du, ich liebe den Schein und die Künstlichkeit, vor allem bei den von dir angesprochenen Modemagazinen. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Schein in der Mode, und damit schließ ich Möbel mit ein, unabdingbar ist. Ich wär glaub ich der letzte, der die "modelfreie" Brigitte als Modemagazin bezeichnen würde. Ebenso wär ich der Letzte, der diesen Schein kritisieren würde. Es gibt aber diese Tendenz, vor allem in der Werbung hin zur sogenannten Authentizität, d.h. Dinge so zu inszenieren, dass sie den Anschein erwecken natürlich zu sein. Und genau diese "Natürlichkeit" ist es, die mich stört, weil dieses Klischee immer mehr an Einfluss gewinnt und uns vorschreibt, wie wir natürlich sein können/müssen. Klar, die Schrankwand in "Gelsenkirchener Barock" interessiert mich genauso wenig wie dich Linda. Die Interiorblogs nötigen nicht die Leute mit den Designermöbeln und Lofts sich preiszugeben, wie gesagt, die können es kaum erwarten mal ihre "crib" zu zeigen, sie nötigen niemanden die Tür zu öffnen, der nicht will. Aber sie nötigen Menschen, die sich nicht ohne weiteres eine komplette Eames Mid Century Einrichtung leisten können mitzuziehen, bei diesem exhbitionistischen Internetceleberity-Kult. Wie gesagt, es sind nich mehr Promis, die den Takt vorgeben, sondern "ganz normale Menschen, wie du und ich". Und genau das ist das Fatale. Promis haben die Kohle, und die geben als Referenzgruppe (wie man im Marketing sagt) auch vor, was man im besten Fall zu kaufen hat um hip zu sein. Aber gleichzeitig ist es auch nicht ganz so schlimm, wenn wir da nicht mithalten können, immerhin spielen die in einer ganz anderen finanziellen Liga. Aber wenn unsere Nachbarn plötzlich zu Celebrities werden, dann stehen wir viel stärker unter Zugzwang. Jetzt müssen wir nicht nur draußen auf der Straße mit unserer Kleidung zeigen, dass wir dazugehören, sondern nun auch in den eigenen vier Wänden, in die wir vor Interiorblog-Zeiten auch nicht jeden rein ließen, eben weil es ein intimer Bereich war, in dem wir in Jogginghose in unsere IKEA-Couch furzen durften.

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  6. ok, diese "inszenierte Natürlichkeit" in der Werbung, z.B., kann man, wohl war als Problem ansehn. Alle scheinen natürlich schön zu sein, finanziell unabhängig, jung,kreativ, zu Hause in einer stilvollen Altbau-Wohnung. Wir heissen im Idealfall Jorgensen, leben in Kopenhagen und haben ein Sommerhaus in den Schären. Und ja, man zweifelt schon mal an dem, was man selber gerade darstellt. Und ich weiss auch, dass für eine Strecke in einem Heft mit Initialen S w die Einrichtung 2 Tage komplett ausgeräumt, und neu wieder eingeräumt wird, um die ach so Natürlichkeit zu zeigen... . Gerne dann auch mit schönen natürlichen KleinFamilie Menschen. Aber was für mich zählt, und da meine ich nur mich, ich weiss dieses Bild einzuschätzen. Ich fühle mich nicht unter Zugzwang, zumindest nicht wenn ich mich selber zur Vernunft rufe. Wie Du sagtest, Deine Umgebung lebt nicht so. Es sind doch Einzelfälle, die Mehrheit ist und bleibt normal. Ich kenne einfach niemanden, der sich jetzt von diesen Bildern und den daraus resultierenden Erwartungen beeinflussen lässt. 2 Bsp.e: und wenn der Facehunter noch 100 Fotos mit Melonen auf dem Kopf postet, ich zieh trotzdem keine an. Bei mir stapeln sich Architektur Magazine, aber ich weiss ganz genau wo bei mir die Träumerei von einem hippen Sichtbetonhaus aufhört.

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