2012/09/16

Art Berlin Contemporary, Kurz abc...


Gegen 11 waren die Besucherzahlen der abc noch überschaubar, nur wenige interessierte schlängelten sich an den als Träger fungierenden Gerüsten und Bauzäunen. Die Galeristen, spartanisch ausgestattet mit einem Holzhocker und einem kleinen Tischen, saßen neben ihren Arbeiten und wurden irgendwie selbst zum Teil der Inszenierung. 
Die abc ist eine bewußte Abkehrung vom klassischen Messestand hin zu einer mehr oder weniger kuratierten Gesamtschau. Alles wird Kunst, die ausgestellten Arbeiten genauso wie die Raumgestaltung. Und schließlich sogar die Menschen, die darin umhergehen, rumstehen und eben auch rumsitzen. 
Die Bilder trügen, schon gegen halb zwei sah es deutlich anders in den Hallen aus. Als wir gingen gab es schon eine kleine Schlange an der Kasse und sicherlich füllte es sich zum Nachmittag richtig. Die wichtigen Sammler sind wohl aber schon weitergezogen; während gestern eher der kunstinteressierte zu sehen war, konnte man nicht wirklich noch Kunstkäufer ausmachen. Auch das war wahrscheinlich ein Grund, warum die Galeristen und Galerinas so entspannt rumsaßen und sich kaum von den Besuchern stören ließen. 
Ein bisschen schade ist noch immer, dass es die Art Forum nicht mehr gibt. Gerade das Zusammenspiel der unterschiedlichen Messearten ergab eine runde Mischung. Die abc ist zwar auf einem guten Weg, kann aber allein noch nicht die Lücke füllen. Zumindest empfinde ich das so. 
Heute gehen wir noch auf die Preview, worauf ich auch schon sehr gespannt bin. Dann ist das Kunstwochenende schon wieder vorbei, aber viele Eindrücke konnte ich auf jeden Fall mitnehmen. 














2012/09/14

French Roast - PANTONE 19-1012...


French Roast ist ein rotstichiges Grau, dass vorschnell auch in die Lilapalette packen könnte. Es ist ein Farbton, denn man so schon oft bei Armani gesehen hat und den es auch bei den geflochtenen Ledertaschen von Bottega Veneta gibt. Es ist eine Farbe die zu allem passt, und trotzdem nichts halbes und nichts ganzes ist. Sie ist bisschen wie ein trüb nebeliger Novembertag und passt deshalb so gut zur kommenden Jahreszeit. 
Mr. Porter hat ein paar schöne Sachen in diesem Farbton, auch wenn es gar nicht so einfach war diese aus dem reichhaltigen Sortiment herauszupicken. 

Gucci
Dolce & Gabbana
Turnbull & Asser
Bottega Veneta
Uniform Wares

2012/09/13

New York Men FS-2013: John Bartlett...


John Bartlett setzt voll und ganz auf die Natur. Nicht nur, dass sich der Designer für den Tierschutz engagiert, alle Kleidungsstücke werden auch rein vegan hergestellt. Vielleicht spiegelt sich das aber dann doch etwas zu sehr in der Farbwahl wieder, es ist alles ein bisschen zu sehr gedeckt und fast bieder. Auch die arabischen und nordafrikanischen Einflüsse in den Schnitten und bei den Drucken ändern daran wenig.
Auch bei den Bildern von der Show der Funke vielleicht nur bedingt überspringt, im Laden hängend fände ich die Sachen durchaus einer näheren Betrachtung wert. Sie Bundfaltenhosen haben einen guten Schnitt und auch die Shirts gefallen mir in ihrer Schlichtheit.





New York Men FS-2013: J.Crew...


J. Crew entwickelt sich zu einer Marke, die immer interessanter finde. Die Anzüge sind schön geschnitten und die Looks sind so kombiniert, wie ich auch selbst gerne angezogen bin. Vor allem aber kann man sich die Sachen auch leisten, was leider durchaus ein wichtiges Kriterium ist. 
In New York wurde nun die neue Kollektion vorgestellt. Unverkennbar sind die amerikanischen Wurzeln und die Einflüsse des Preppy-Stils, doch gleichzeitig hat die Kollektion auch etwas durchaus europäisches. Die Anzüge mit Weste wirken fast britisch, ohne jedoch allzu steif und glatt gebügelt zu sein. Favoriten sind der Anzug im ersten Bild, gerne auch inklusive Clement Chabernaud, und die grüne Safarijacke. 




Alle Bilder hier

2012/09/12

Was Frauen Brauchen...


Auf Carolina Herrera ist eben Verlass. Auch in dieser Saison hat sie wieder ein wunderschönes Abendensemble entworfen, dass mit Leichtigkeit jedes kunstvoll drapierte Couturekleid in die Schranken weißt. Ich liebe es, wenn Frauen ein schlichtes Oberteil, eine weiße Hemdbluse oder eben ein T-Shirt, zu einem bodenlangen Abendrock kombinieren. Mehr Eleganz und Schick, aber vor allem mehr Understatement geht einfach nicht.


Was Frauen hingegen nicht brauchen, ist das pinkfarbenen Ballerinabarbiekleid von Oscar de la Renta. Nicht mal eine Paris Hilton würde noch so rumlaufen, was wirklich was heißen will. Eigentlich ist de la Renta ein Garant für luxuriöse, elgante Mode, doch für den Sommer 2013 hat er sich die falschen Inspirationen geholt. Würde er seine Kleider in Kartons mit Plastiksichtfenster im örtlichen Spielzeugladen verkaufen, wären die Looks OK, aber an wirklichen Frauen muss man das alles nicht haben. 

Via Style.com

Sport Frei...


Farbpalette...


2012 ist das Jahr von Tangerine Tango, und auch in den Herbst hinein wird uns diese Farbe erhalten bleiben. Doch Pantone hat auch noch ein paar andere Farbvorschläge in seiner Palette für die zweite Hälfte des Jahres 2012. Nicht weniger wohlklingend sind die Namen der Farben, French Roast und Sea Fog kann sich nur eine sehr romantische Natur ausgedacht haben.


Man kann nun versuchen die Farben in den Läden zu finden, ob man erfolgreich sein wird steht auf einem anderen Blatt geschrieben. In den Männerabteilungen habe ich zumindest wenig in Ultramarine Green oder in Bright Chartreuse hängen sehen, Teile in Rhubarb konnte man zumindest im Sommer noch finden. 
Ich werde aber mal die Augen offen halten und versuchen zumindest einen Vorschlag pro Farbe zu liefern...

2012/09/11

New York Men FS-2013: Libertine...


Klar, man könnte auch einfach einen weißen Anzug nehmen und die Sprayerjungs von um die Ecke bitten mal ein paar Punkte drauf zu machen. Aber so funktioniert Mode nun mal nicht. Der Anzug von Libertine ist auch deshalb so schön, weil eben vorher noch keiner die Idee hatte. Oder doch?

Coexist...


Nach einer Stunde auf dem Rudergerät war die Laune dann deutlich besser gestern Abend. Erstaunlich was Sport doch bewirken kann. Mit positiv zur Erhellung beigetragen hat aber auch das neue Album von The XX, welches den Namen 'Coexist' trägt und seit letzter Woche in den realen und den virtuellen Plattenläden zu erwerben ist. 
Nun ist die Musik nicht wirklich ein Stimmungsaufheller, eher plätschert sie sachte davon und nimmt einen mit auf eine Reise. Gar nicht so schlecht passte die Musik zum rudern, zum Gedanken verloren wegtreiben und im Rhythmus der Bewegung von all dem abzulassen, was mehr oder minder den Tag versaut hat. 

New York Men FS-2013: Robert Geller...



Also eins ist klar, ich bin nicht in New York. Ich bin nicht vor Ort, habe nur Bilder und poste trotzdem über das was man da auf dem Laufsteg sehen kann. Robert Geller zum Beispiel gefällt mir; seine Farbwahl, seine Schnitte und seine vielen Lagen. 

2012/09/10

Gestern Und Heute...


Der heutige Montag gehört definitiv zu denen, die mit dem Stempel 'Vergessenswert' versehen gelöscht gehören. Die Rumdiskutiererei mit Bauarbeitern am Morgen, sie hatten mich zugeparkt, sorgte schon für schlechtes Kharma und so blieb es dann den ganzen Tag hindurch auch. Im Bett bleiben wäre eine Alternative gewesen, oder einfach mal so richtig alles rauslassen. Stattdessen staute sich da gehörig was an und macht sich nun in Form kleiner Herpesblässchen auf meiner Unterlippe breit. 
Wahrscheinlich war aber der heutige Tag auch deshalb so mies, weil der gestrige so gut war. Es war herrliches Wetter und wir haben und in die Sonne begeben um den Tag zu vertrödeln, wir fuhren Boot auf dem Wannsee und hatten Abends ein tolles Essen in einem bayrischen Lokal. Ach wenn doch nur jeden Tag Sonntag wär!

2012/09/09

Herbstmantel...


Ein schwarzer Double-Face Mantel aus Wolle und Kaschmir wird, da bin ich mir ziemlich sicher, ständiger Begleiter meines Freundes werden. Es war quasi Liebe auf den ersten Blick, nach kurzer Bedenkzeit ging er in seinen Besitz über. 

Mantel und Hose von Acne, Schuhe von SpringCourt

Kino: To Rome With Love...


Ach, lieber Woody Allen, das war irgendwie nix! Die Reise nach Paris im letzten Jahr war ja sehr angenehm, die Überspanntheit der Charaktere erträglich und die Geschichte am Ende irgendwo auch in sich stimmig, aber 'To Rome with Love' ist irgendwie eine unausgegorene Aneinanderreihung von Eventualitäten. Was soll man da am Ende mit raus nehmen als Zuschauer?
Der Delphi Filmpalast war schon fast extrem voll am gestrigen Abend, das halbe Charlottenburger Bildungsbürgertum schien sich versammelt zu haben um sich mit ernster Miene intellektuell über die randlose Brille schauend diesem Filmvergnügen hinzugegeben. Erstaunt war ich dann, dass die platt kalkulierten und sehr vorhersehbaren Lacher so gut funktionierten. Sender und Empfänger schienen auf gleicher Wellenlänge, oder glaubten manche einfach nur, dass das Prädikat Woody Allan ausreicht um einen guten Film zu machen? 
Nicht nur, dass die Geschichte schlecht ausgedacht war und bei der Regie mehr herauszuholen gewesen wäre, auch Woody Allen als Schauspieler war kein Vergnügen. Die anderen Darsteller, in diesem Episodenfilm sind da einige zu finden, reichten von großartig (Roberto Begnini) bis mangelhaft (Alec Baldwin). Dazwischen gab es dann noch ein paar Mittelmässige (Penelope Cruz) und äusserst Nervige (Ellen Page). Domenico Dolce und Stefano Gabbana sind auch mal kurz zu sehen, warum auch immer.
Definitiv muss man diesen Film nicht gesehen haben, auch wenn Spiegel Online ihn für den besten Film des späten Woody Allen hält. 


2012/09/06

...


Punkte, überall Punkte. Der Louis Vuitton Store war anlässlich von Fashion's Night Out voll und ganz auf die Kooperation mit Yayoi Kusama eine Punktemeer; sie waren auf dem Boden und auch auf den Gesichtern der Damen am Empfang. Ansonsten prangte eher das Logo des Labels, auf den Gästen fast mehr als auf der ausgestellten Ware. Wir hatten ein paar Drinks und starteten in den Abend. Von da an ging es weiter zu anderen Boutiquen mit anderen Logos, die Gästen allerdings waren überall die Gleichen. Diese Shopping Nacht ist eben doch mehr eine kleine Gruppenwanderung...

Best Cover Of The Month...


Während die Vogue wieder die Stärke eines Telefonbuches hat, und sich im September bei den Amerikanern eh alles um Mode dreht, hat auch der New Yorker Mode auf das Cover gebracht. Upper-Class-Eleganz trifft auf Fashionista-Style; die Attribute der einen werden durch die andere ad absurdum geführt. 
Ian Falconer gestaltete zu achten Mal seit 1998 ein Cover, bei dem die kleine, leicht untersetzte Lady mit blonder Fönfrisur im Mittelpunkt steht. Chanelkostüm und Kelly-Bag sind genauso ihre Markenzeichen, wie die fast entsetzt nach unten fallenden Mundwinkel. Mit Witz und Ironie wird einem Frauenbild gehuldigt, dass in Deutschland so vielleicht noch in Düsseldorf und auf Sylt antreffen kann, in New York aber auf jeden Fall zum Straßenbild rund um die Fifth Ave. gehört. 

Alle Bilder hier

Tagesoutfit...


Es ist an der Zeit mal wieder die Cordhosen aus dem Schrank zu holen. Seit vier Jahren besitze ich eine in einem Burgunderton und trage sie sehr gerne im Herbst. Es ist wirklich ein Klassiker, den man sich einmal anschafft und dann jahrelang tragen kann. 
Die oben ist von Aubin&Wills gibt es bei Mr. Porter, aber man bekommt die auch anderswo. Es ist eine gute Alternative zur dunkelblauen Jeans, die ja auch jeder im Schrank haben sollte.

Fashion's Night Out...


Es ist wieder soweit, Fashion's Night Out steht heute an. (In Düsseldorf ist es morgen soweit.) Viele Läden haben bis Mitternacht auf und Laden dazu ein ordentlich Geld auszugeben. Am Ku'damm gibt es allerorts kleine Events und auch auf der Friedrichstraße sind die Läden offen. 

2012/09/05

Schwarz Und Grau...


Die Uniform für den Herbst: schwarzer Rollkragenpullover unter grauem Tweedsakko. Nun müssen sich nur noch die Temperaturen diesem Look anpassen, denn leider ist momentan doch noch etwas zu warm dafür. Aber ich freue mich schon drauf die Sachen zu ersten Mal tragen zu können. 

2012/09/04

News: Stefano Pilati Wird Kreativdirektor Von Agnona...

Vor wenigen Minuten kam die Nachricht, dass Zegan Stefano Pilati unter Vertrag genommen hat und er ab dem 01. Januar den Posten des Kreativdirektors bei Agnona einnehmen wird. Ich finde das toll, weil ich ihn als Designer großartig finde und er dann die Möglichkeit hat eine Marke zu gestalten, die nicht so mit Erwartungen und Bildern vorbelastet ist, wie es bei YSL der Fall war. 
Stefano Pilati hat sich dazu noch nicht geäußert, aber Gildo Zegna (CEO der Gruppe):
„Ich bin begeistert, Stefano in unserem Unternehmen zu wissen. Er verfügt über großes Talent, Erfahrung von unschätzbarem Wert und einen enormen Enthusiasmus. Wir haben anspruchsvolle Pläne für Agnona und sind überzeugt davon, unter seiner kreativen Leitung dieses kleine Juwel in eine globale Marke zu verwandeln. Ebenso haben wir uns über die Rolle in der Mode der Marke Zegna Gedanken gemacht. Mit dieser Ernennung wird es uns möglich sein, unsere Tradition in der Schneiderkunst und unsere führende Position bei der Entwicklung neuartiger Materialien mit einer neuen Vision von Männermode zu kombinieren.”

Urban Queen...


Die britische Version von X-Factor hat Misha B im letzten Jahr zwar nicht gewonnen, sie wurde glaube ich vierte, trotzdem war sie wohl die Herausragendste von allem. Ihre Stimme beeindruckte nicht weniger als ihre immense Präsenz, ihre Looks waren auf den Punkt und jede ihrer Bewegungen bei der Performance stimmte bis ins kleinste. Nur wegen ihr blieb ich tatsächlich an der Staffel hängen. 
Nun kommt sie mit ihrer ersten Single rum und es der Song "Home Run" ist mein Ohrwurm des Tages. Es lohnt sich mal reinzuhören, genauso wie es sich lohnt mal die 'alten' Auftritte von Miss Misha anzuschauen. Ihre Tina Turner Nummer muss man gesehen haben! Und das neue Video auch!!!

Boni De Castellane...


Wenn das eigene Geld nicht ausreicht um einem exklusiven Lebensstil zu föhnen, muss man sich eben reich verheiraten. Im ausgehenden 19. Jahrhundert war es weniger verpönt als heute nach einer guten Partie Ausschau zu halten, vor allem wenn es für beide Seiten einen Gewinn darstellte. Anna Gould war mehr als eine gute Partie. Auf die Tochter eines amerikanischen Stahlmagnaten mit einer Mitgift von geschätzten 15 Millionen Dollar hatten sicherlich mehrere junge Herren ein Auge geworfen, vor den Altar führte sie jedoch Boni de Castellane. 
Boni hieß eigentlich Paul Ernest Boniface de Castellane und entstammte einer Familie, die zu den edelsten Frankreichs gehörte und Titel wie Marschall von Frankreich trug. Seine Ur-Großmutter war Dorothée de Courland, die in Friedrichfelde geboren wurde; Boni hatte auch ein bisschen deutsches Blut in seinen Adern. Fraglos waren die de Castellanes reich, doch auch wieder nicht so sehr um Bonis exklusiven Lebensstil ohne weiteres bezahlen zu können. "Meine Eltern besaßen ein recht hübsches Vermögen. Sie waren jedoch nicht im vollen Besitz ihrer Einkünfte, da meine Großeltern noch lebten. Das hinderte sie aber nicht, ihren Kindern gegenüber generös zu sein. Was sie mir gaben, entsprach jedoch nicht meinen Ausgaben. Das Geld ist mir immer zwischen den Fingern zerronnen. Ich weiß nicht, wie es kam, daß ich immer welches hatte, aber nie welches behielt."
Nach einer kurzen Laufbahn bei Militär reiste er durch Europa und landete in Schoß der Familie Gould, die sich freute ihre Tochter Anna nun mit einem echten französischen Adelstitel schmücken zu können. Doch schnell merkte die Familie, dass der junge französische Edelmann wohl auch das hart erarbeitete Vermögen seiner jungen Frau unter die Leute bringen wird. "Es gibt kein Vermögen, das bei meiner Passion für Pferde, Wagen, Häuser, Paläste, Schlösser und Antiquitäten nicht zerronnen wäre." Das Geld zerrann Boni zwischen den Fingern, auch wenn er es keinesfalls sinnlos unter die Leute brachte. Er kaufte Kunst ein, baute seiner jungen Frau ein nettes Haus, dass unter anderem ein Theater für 600 Personen beherbergte und lud zu Festen ein, von denen man heute nicht zu träumen wagen würde. Allein dreihunderttausend Franc verschlang ein Ball zur Feier des 21. Geburtstags seiner Frau. Boni wollte seine Umwelt erfreuen, mit schillernden Festen genauso wie durch ausgezeichnete Manieren und Esprit.


Für Ersteres ging bald das Geld aus, doch bis an sein Lebensende blieb er ein Dandy im besten Sinne des Wortes. Seine Frau hatte schnell die Nase voll von den Eskapaden ihres Mannes, bestärkt durch ihre amerikanischen Brüder und deren Liebe zum Geld reichte sie 1906 die Scheidung ein. Diese wurde auch vollzogen, doch gewöhnt an das französische Savoir-Vivre heiratete sie schon zwei Jahre später erneut. Der Prince de Sagan war nicht nur der Cousin ihres Ex-Mannes, sondern auch wohlhabender und mit einem noch klingenderen Namen ausgestattet. Boni hingegen blieb ein Berg von Schulden, er zog wieder bei seinen Eltern ein und musste sich einen Job suchen. 
Sein guter Geschmack und sein Kennerschaft brachte ihn zum Kunsthandel, seine exzellenter Ruf führte ihm Kunden zu. Staatsmänner und Monarchen empfing der Marquis de Castellane genauso, wie Milliardäre und Künstler. Liane de Pougy, eine jener Halbweltdamen des Fin de Siecle schrieb: "Es gibt keine schändliche Armut mehr, seitdem Boni de Castellane zu den Kunsthändlern gehört." (Anderswo endet selbiges Zitat mit "... mit dem Autobus fährt." Stimmen wird wohl eher die erste Variante, obwohl Boni tatsächlich problemlos vom eigenen Gespann auf den Bus umsteigen konnte, ohne dabei nur einen Funken Eleganz zu verlieren.) Während es im 18. Jahrhundert, selbst noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts undenkbar gewesen wäre weiterhin zur Gesellschaft zu gehören, wenn die finanziellen Mittel erschöpft waren, stellte es in der Dritten Republik keinen Dünkel mehr dar. Er schaffte es seine Schulden zu tilgen und wieder auf die Beine zu kommen, allerdings weniger ausschweifend als zuvor. 
Mitte der 1920-er Jahre verfasste er seine Memoiren und beschrieb in zwei Bänden 'Wie ich Amerika entdeckte' und 'Wie ich als armer Mann Paris entdeckte'. Ironie und Witz paarten sich mit aristokratischem Dünkel, seine Weltsicht ist die eines Grandseigneurs und Dandys. Nicht zu unrecht kam er zu dem Schluss: "Die Belle Époque, das bin ich".

2012/09/03

No White After Labor Day...


Wir übernehmen ja fast alles von den Amerikanern. Wir mögen kein Fasching mehr, sondern verkleiden uns lieber zu Halloween. Und neuerdings gibt es schon die ersten Anzeichen dafür, dass sich Thanksgiving einzuschleichen beginnt. Warum markieren wir nicht auch die Sommersaison, lassen sie mit dem Tag der Arbeit am 1. Mai beginnen und enden mit dem Labor Day am ersten Montag im September?
Jenseits des Atlantiks ist der Labor Day ein Tag zum feiern, für Feuerwerk und Parties. Diese Tradition geht zurück auf die 1880-er Jahr, als zum ersten Mal dieser arbeitsfreie Feiertag eingeführt wurde. Gleichzeitig markiert dieses Datum ganz offiziell das Ende der Ferienzeit und den Start in die Herbstsaison. 
Modisch bedeutet der Labor Day mehr oder weniger inoffiziell das Ende von Weiß und Searsucker. Zum letzten Mal trägt Mann und Frau sommerliches Weiß, zumindest rein theoretisch. Auch diese Tradition ist über hundert Jahre alt und wurde von den oberen Schichten zuerst eingeführt, dann aber auch schnell von der Mittelklasse übernommen. Die reichen Ostküstenbewohner mit Sommerhäusern in den Hamptons kehrten nach New York zurück, um dort den Winter zu verbringen. Die weiße und helle Ferienbekleidung wurde ebenfalls abgelegt und gegen solidere in gedeckten Farben getauscht. (Die Legende, dass in schneereichen Gebieten Weiß nach dem Labor Day verboten war um Unfälle zu vermeiden oder Unfallopfer im Schnee leichter ausmachen zu können, finde ich ein wenig an den Haaren herbeigezogen.)


Ganz offiziell ist diese Regel aber auch eine Aufforderung die alte Mode hinter sich zu lassen und sich den neuen Sachen, die nun in den Läden hängen hinzugeben. Mode ist Wandel und was ist besser geeignet für eine Veränderung als ein offizielles Datum, dass mit der Aufforderung zur Veränderung einhergeht!?
Tweed, Flanell und Kaschmir, aber auch Cord, sind die typischen Herbstmaterialien, die nun leichte Baumwolle und Leinen ablösen. Statt satten Farben treten nun wieder die gedeckten Töne in den Vordergrund, Weiß geht nur noch in Form eines unter dem Pullover hervorblitzenden T-Shirts oder Hemdkragens. Und ganz schick in diesem Herbst als weißer Rolli unterm Hemd, wie es uns Prada vorgemacht hat. 
Ich werde nun meinen Kleiderschrank ein wenig umschichten, manches nach hinten packen und anderes hervorholen. Besonders freue ich mich auf Cordhosen und meinen heißgeliebten Kaschmirpullover. Happy Labor Day!


2012/09/02

Boys Of Summer...


Es ist an der Zeit ein bisschen wehmütig zu werden, der Sommer neigt sich dem Ende zu und es wird nicht nur schon wieder ziemlich früh dunkel, sondern auch die Temperaturen lassen nach. Die Tage am Pool, sofern man das Glück hatte Zeit an einem solchen verbringen zu dürfen sind damit zumindest in hiesigen Gefilden auch vorbei.
Doch wollen wir nicht traurig sein und lassen uns stattdessen noch einmal die Genüsse des Sommers auf der Zunge zergehen. Matthias Vriens McGrath lässt uns eintauchen in die Poolwelten von David Hockney unter der glitzernden Sonne Kaliforniens. Seine Strecke für Numéro Homme führt uns noch einmal vor Augen, was man am Sommer vermissen wird. 



Alle Bilder bei The Style Examiner

Die Neue Mode...


..., oder zumindest was man bei der GQ-Redaktion dafür hält, wird nun wieder in der GQ-Style zelebriert. Zweimal im Jahr erscheint diese und heute habe ich mir meine Ausgabe geholt. Ich habe mich dann damit in die Sonne gesetzt und war nicht wenig vorfreudig auf das, was Chefredakteur José Redondo-Vega und sein Team diesmal anbieten würden.
Über das Cover habe ich mich schon ausgelassen. Adrien Brody ist etwas zu glatt gebügelt geraten und vielleicht ist dies schon eine Vorschau auf das Innere des Heftes. 'Kleider machen Leute...', damit beginnt der Brief des Chefredakteurs an seine Leser. Gottfried Kellers Novelle muss immer dann herhalten, wenn es im den schönen Schein der Mode geht und sie dazu instrumentalisiert wird um das Gegenüber zu blenden. Redondo-Vega läutet mit den geborgten Wörtern ein Heft ein, das sich ganz im Keller'schen Sinne der Blendung der 'Mode' unterworfen hat. 
Doch eigentlich muss es anders formuliert werden, schließlich ist die Mode selbst gar nicht das Problem dieser insgesamt 360 Seiten. Zum ersten Mal in der über zehnjährigen Geschichte des Heftes schaffen es die Artikel und die Modestrecken nicht mich einzufangen und mir das Gefühl zu vermitteln etwas spannendes, informatives, in die Zukauft weisendes vor mir liegen zu haben. Stattdessen werde ich auf ziemlich rüde Art und Weise daran erinnert, dass Mode ein Geschäft ist und wer am meisten zahlt wird auch ordentlich gefeiert. 
Prada war wohl ziemlich spendabel, oder warum sonst finden sich in einer Strecke mit Klamotten für den kommenden Winter schon die ersten  Looks für den Sommer 2013? Oder sind die Sachen die jetzt gerade erst in den Läden eintreffen schon so langweilig, so übergesehen, dass man das Neue noch schneller in den Heften unterbringen muss, um gegenüber der Onlinekonkurrenz nicht den Kürzeren zu ziehen? Nein, auf die langweilige Print vs. Online Debatte will ich nun wirklich nicht eingehen, das ist doch alles schon tausendmal gesagt und durchgekaut bis zum erbrechen. 
Ich würde mir mehr Diversität wünschen, eine breitere Spanne an dargestellter Mode. Es gibt doch mehr als Prada, Jil Sander und Co.. Warum also tauchen spannende unbekanntere Marken eben nicht auf, während zum x-ten Mal einem Giorgio Armani das Wort erteilt bekommt? Irgendwie muss es doch da mehr gehen!?


Doch natürlich gibt es auch ein paar gute Gründe warum es sich trotzdem lohnt das Heft zu kaufen. Meine Sammlung wäre unvollständig ohne Heft 22 und die von Tobias Frericks gestylten Strecken sind auch wieder sehr gelungen. Ausserdem mag ich die Artikel von Claudius Seidel gerne... 

2012/09/01

Mehr In Camouflage...


Meine kleine Angefixtheit mit Camouflage ist noch nicht überstanden, sie wird mich wohl auch noch ein bisschen begleiten. Neueste Entdeckung ist der Camouflage-Blazer von Phonz Says Black, der wohl eher ein Hybrid aus Blazer und Steppjacke ist. Der Preis liegt um die 350 Euro. 
Im übrigen weiß ich auch wo man den Blazer kaufen kann, und auch die schönen Teile mit den Photoprints von Phonz Says Black, doch leider kann ich es hier nicht schrieben, weil ich den Händler in keinster Weise unterstützen möchte. Aber vielleicht finde ich noch eine andere Bezugsquelle und reiche diese dann nach.