2011/07/05

Paris Haute Couture HW-2011: Giambattista Valli...


Wer regelmässig den Blog liest, wird sicherlich schon einmal gelesen haben, dass der Inbegriff von Eleganz für mich ist, wenn eine Frau eine weiße Hemdbluse zu einem langen, gerne sehr aufwendig gearbeiteten Abendrock trägt. Diese Mischung aus dem maskulinen Element Hemd und der femininen Silhouette des Rockes kann von keinem noch so schönen Abendkleid getoppt werden.
Giambattista Valli's Kollektionen waren immer näher an der Haute Couture als die seiner Kollegen, nun endlich zeigte er seine erste Couture Kollektion und meistert spielend alle Herausforderungen des Metiers. Seine Kollektion hält nicht nur die Handwerkskunst hoch, sie wird vor allem auch dem Anspruch gerecht Kleiderträume wahr werden zu lassen.
Die Kollektion kann einen Kleiderschrank füllen, der für alle Tageszeiten und Eventualitäten Passendens bereit hält. Pullover für den Vormittag, Ensembles für den Lunch und die Teestunde und natürlich viele Cocktail- und Abendkleider. Die Kollektion ist von der Idee her in der Tradition der 50-Jahre behaftet, Meister wie Pierre Balmain und Hubert de Givenchy stehen Valli sicherlich näher als die 'Kunstwerke' moderner Couturehäuser wie Maison Martin Margiela. Ihm geht es augenscheinlich auch nicht darum sein Ego mit dem Label Couture zu pushen, sondern die Frauen schöner zu machen.






Der Hauptteil der 42 gezeigten Modelle sind Empfangs- und Cocktailkleider. Erstere sind vielfach in A-Linie geschnitten und teils mit längeren Armeln versehen. Für den bevorstehenden Winter ist das natürlich wunderschön, doch mit den dazu passenden Mänteln hätte er ihre Eleganz noch unterstützen können. Bei den Cocktailkleidern stehen aufwendige Verzierungen und Applikationen im Vordergrund, oder aber Federn. Der Bibo-Trend ist auch hier nicht zu übersehen. Doch wieviele Federkleider braucht eine Frau im Schrank?
Für den Abend dann flanieren die Models in fließenden gegürteten Kleidern über den Laufsteg, die teils mit sich aufplusternden Capes versehen sind und so dramatische Effekte erzeugen. Fließend leichte Seidenstoffe werden festen Tüllröcken gegenüber gestellt, wobei erstere wohl eher die Kundinnen für sich gewinnen können werden.




Schwarz, ein paar Aminal- und Blumenprints und viel Weiß erzeugen eine monochrome Farbwirkung, die nur von ein bisschen Flamingo-Rose und Rot aufgelockert wird. Letzteres ist deshalb schwierig, weil ein unweigerlich an einer anderen Römer erinnert, nämlich Valentino. Allgemein kann man eine Verwandtschaft im Geiste zwischen den beiden Designern herstellen, was aber Valli im direkten Vergleich gar nicht so schlecht wegkommen lässt.
Sein Deput in der Oberklasse der Mode hat er bravorös gemeistert und fraglos werden sich Kundinnen für diese wirklich wunderschönen Kleider finden.


Bilder von Style.com

Paris Haute Couture HW-2011: Alexis Mabille...


Alexis Mabille verrennt sich manchmal etwas in seinen Entwürfen und am Ende ist dann das Publikum mit gelben Strumpfhosen und zerrupften Leoparden konfrontiert. Die Haute Couture ist fraglos eine Spielwiese, auf die nur wenige rauf dürfen. Aber manche beherrschen es eben besser als andere die Balance zu halten und nicht übers Ziel hinaus zu schießen.
Mabille fühlte sich scheinbar ein bisschen wie Peter Pan und hat sich Elfen und Pocahontas erträumt. Und das hätte auch wirklich gelingen können... Herausgekommen ist aber eine Kollektion die nach verramschtem Kostümfundus einer Schultheateraufführung aussieht und nur wenig wirklich gelungenes bietet.




Bilder von Style.com

Paris Haute Couture HW-2011: Bouchra Jarrar...


Gängige Vorstellungen von Haute Couture, also Traumroben, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen und auch gar nicht in sie hinein passen, sucht man bei Bouchra Jarrar vergebens. Eher sind es hier schlichte Kleider und Kombinationen für den Tag, vielleicht auch noch für ein gepflegtes Dinner.
Das graue Bustierkleid ist so nichtssagend, wie viele andere Teile der Kollektion auch. Die Verarbeitung mag zweifellos couturig sein und die Stoffe exquisit, aber wenn Realismus in Langeweile umschlägt, verliert auch Couture an Reiz.
Nun ist die Kollektion aber auch eher ein Lückenfüller im Schauenplan, Bouchra Jarrar kein volles Mitglied in diesem elitären Kreis. Ihre Kleider sind luxuriöses Pret-à-Porter, dass man auch in Multibrandstores kaufen kann, aber eben teilweise Verarbeitungsmethoden aus der Haute Couture verwendet.





Der Chanel-Fotoautomat...


Wer sich während der Fashion Week mal wie ein internationales Supermodel fühlen möchte, hat die Möglichkeit sich im extra im Soho-House aufgestellten Chanel-Fotoautomaten zu knipsen. Man sollte sich aber nicht wundern, wenn man am Ende trotzdem wie man selbst aussieht und nicht Freja Beha. Zaubern kann das Ding nämlich nicht...

Paris Haute Couture HW-2011: Anne Valérie Hash...


Anne Valérie Hash zählt zum kleinen und sehr exklusiven Zirkel der Modehäuser, die sich eine Haute Couture Kollektion leisten. Gleichzeitig versteht sie es ihre Entwürfe jenseits dessen zu platzieren, was man gemeinhin unter dem Begriff erwarten würde. Man sucht bei ihr vergebens große Roben, die selbst für die Oscar's noch to much wären. Stattdessen zeigt sie eine zeitgemässe und elegante Kollektion für moderne und schnörkellose Frauen.
Raffiniert gestaltet Hash einen Overall mit Smokingelementen, der sich sanft um den Körper zu schlängeln scheint. Oder lose fallende Kleider; assymetrisch und knöchellang. Tagesoutfits findet man in der Kollektion genauso wie schlichte Abendkleider, alles zeitlos und elegant in Nude, Grau und Schwarz. Einzig ein Hauch von Mandarinensorbet streift die Modelle.
Anne Valérie Hash zeigt seit 5 Jahren in einen Metier, dass schon tausendfach totgesagt wurde. Sie ist eine würdige Nachfolgerin großer Namen wie Madame Grès oder Madeleine Vionnet, die sich mit ihrer zurückhaltenden Eleganz deutlich von ihren männlichen Mitstreitern abgrenzt und sicherlich auch keine Schwierigkeiten haben dürfte, das Herz ihrer Kundinnen höher schlagen zu lassen.




Bilder via Vogue.de

Paris Haute Couture HW-2011: Maison Martin Margiela...


Verbergen sich hinter den schwarzen Gesichtüberziehern eigentlich auch Topmodels oder sind das einfach die 'preisgünstigeren Ladenhüter'? Wie sehen die reellen Couture Kundinnen im Hause Martin Margiela aus? Ist das noch Mode oder schon Kunst?
Ja, es sind immer wieder die gleichen Diskurse die hier geführt werden und in meinem Post über das kritische Betrachten von Kollektionen hatte ich schon anklingen lassen, dass es eben manchmal nicht einfach ist die richtigen Bewertungskriterien anzusetzen.
Maison Martin Margiela ist eines der Häuser, das Mode nicht deshalb macht um eine Kundenklientel dafür zu finden, sondern um ihrer selbst willen. In den Ready-to-Wear Linien für Frauen und Männer hat man sich zwar mittlerweile entschieden, dass ein bisschen Geld verdienen gar schlecht ist, bei der Couture aber macht man fröhlich Plastikmäntel und Kleider aus Ikeakleidersackmaterial ohne speziell Kundenbedürfnisse vorher in die Überlegungen einfließen zu lassen. Und in der Tat ist es hier legitim, weil die Haute Couture einfach eine Spielwiese für Experimente ist.
Hier wird Kunst gezeigt, auch wenn in der ersten Reihe Modekritiker statt Kunstfachleute platz nehmen dürfen. Aber bei MMM darf sich jeder etwas intellektuell vorkommen, auch wenn er oder sie vielleicht gar keinen Dunst davon hat, warum eine zerstückelte Bikerlederjacke und Gurtsysteme, die eine ganze Fliegerstaffel beim Absturz retten könnten, nun im herbstlich verregneten Paris tragbar sein soll und man dafür noch dazu mehrere tausend Euro zahlen soll.



2011/07/04

Paris Haute Couture HW-2011: Christian Dior...


Lange hat die Welt darauf gewartet endlich zu erfahren, wer der neue kreative Kopf hinter der Marke Christian Dior sein wird. Und vor allem auch, wie sich die Marke nach John Galliano's ruhmlosen Abgang neu erschaffen würde. Wilde Spekulationen gab es, viele Namen wurden heiß gehandelt und bei einigen schien schon sicher zu sein, dass ihnen die Aufgabe obliegen würde das Kronjuwel von Bernard Arnault neu zu erfinden.
Doch nun ist sicher, kein Phönix stiegt aus der Asche hervor, sondern nur ein lauwarm aufbereitetes Brathähnchen. Mit oder ohne John Galliano, die Haute Couture von Christian Dior sieht aus wie immer, nur fehlt ihr nun sowohl der Glanz des Exzentrischen als auch eine stringente Aussage. Die Kleider sind fraglos handwerklich perfekt, wirken aber als Kollektion zusammenhanglos und einzeln wie Vintage Couture.
Harlekine in Krinolinen, Kostümchen à la Wilma Feuerstein und Chiffonkaftane für die Rentnerinnen von Palm Springs; die Post-Galliano-Ära wurde denkbar unkreativ eingeleitet. Schaut man sich alte Kollektionen an, findet man die Kleider, deren blasse Kopien nun über den Laufsteg geschickt wurden. Und wenn man nicht in den eigenen Archiven fündig wurde, dann bei den Kollegen. Die Laminatoptiken sind genauso wenig neu und einfallsreich, wie die fischschuppenartigen Riesenpailetten.
Es wäre wünschenwert gewesen, wenn man hinter den Kulissen die Chance für einen kompletten Neuanfang genutzt hätte. Assistenten zu befördern weil der Chef wegfällt, bringt nur dann was, wenn sich der alte Weg als erfolgreich erwiesen hat (siehe Sarah Burton für Alexnader McQueen). Bei Christian Dior hätte es einer Neuerschaffung bedurft, auch gerade weil John Galliano der Marke seinen Namen eingebrannt hat und nicht so einfach auszuradieren ist. Für diese Saison wurde die Chance vertan, warten wir gespannt auf den Januar.






Bilder von Vogue.de

Wunderkind - Preußisches In Monaco...


Die Hochzeit in Monaco war natürlich auch ein Ort um modisch Statements zu setzen. Während unsere Bundespräsidentengattin eindeutig ihre Chance verpasste, zeigt sich unsere fast 'Kaiserin' ins Spe Sophie von Isenburg, Verlobte von Georg Friedrich von Preußen, in einem Ensemble von Wunderkind.
Kleid und Jacke aus Seidenchiffon mit Kreuzstichstickerei in Blumenform stammen aus der Sommerkollektion 2006. Statt zu einem Kleid kombinierte man damals das Jäckchen zu einem Bikini. Das Fräulein von Isenburg hat also noch Kombinationsmöglichkeiten, was der preußischen Tugend 'Sparsamkeit' durchaus zu Gute kommt.



Bilder von Gala und Style.com

Wunsch-Tagesoutfit, Kalte Tage...


Man war das Wetter gestern mies; regnerisch und mistig. Nicht wie Sommer, eher wieder Oktober. Der Look den Substantive Style gestern hochgeladen hat, passte zum Wetter.
Ich habe mich dann mal in den gängigen Online-Shops umgeschaut und ein paar passende Teile rausgesucht um den Look in den eigenen Schrank integrieren zu können.






Hemd: Asos
Gürtel: Lanvin
Jeans: Edwin

2011/07/03

Royale Hochzeit In Monaco: Die Zusammenfassung...


Näher dran waren wir wohl bisher bei keiner royalen Hochzeit!? Das monegassische Fürstenhaus hat wieder einmal bewiesen, dass man sich der Wirkung medialer Inszenierung nicht nur bewußt ist, sondern diese auch meisterlich für sich zu nutzen weiß. Im Jahre 1956, bei der Hochzeit von Fürst Rainier mit Grace Kelly, übernahm noch Hollywood die Regie, im Jahre 2011 hat Fürst Albert II. selbst die Zügel in der Hand. Der Innenhof des Palastes wurde zur 'Kathedrale' umgebaut, sicherlich auch, weil neben den 800 geladenen Gästen, Orchester und Chor die zahlreichen Kameras genügend Platz zur Verfügung haben sollten um jede Regung im Detail einzufangen.
Wir hatten so das Vergnügen Emotionen hautnah mitzubekommen und gleichzeitig konnte man bei Facebook sehen, dass das 'Volk' von deren Ausbleiben mehr als enttäuscht war. Tränen gab es erst in Kapelle der monegassischen Schutzheiligen, wo Charlène ihren Braustauß in alter Tradition niederlegte. Aber das war dann auch schon das Ende der Veranstaltung, also zurück zum Anfang.


Gegen 17 Uhr schritt Charlène am Arm ihres Vater Michael Wittstock auf den Palast zu, vorbei an jubelndem Monegassen. Ihr Kleid funkelte im Sonnenlicht, schien aber auch nicht gerade ein Leichtgewicht zu sein. Der Teppich machte es der Fürstin nicht gerade einfach die meterlange Schleppe hinter sich herzuziehen, und man konnte dies auch immer wieder an ihrem leicht angestrengten Gesichtsausdruck erkennen. 70.000 Perlen und Glitzersteine sind kein Pappenspiel und Herr Armani lief auch lieber selbst über den Teppich als ein bisschen tragen zu helfen.
Albert selbst, als Hausherr im Palast, kam natürlich nicht über den Platz, sondern wartete im Inneren auf seine Braut. Gemeinsam mit ihm seine beiden Schwestern Caroline und Stephanie, beider Kinder und viele bekannte Gesichter aus dem Hochadel und dem Jetset. Karl Lagerfeld war natürlich auch da, schon allein weil die halbe Familie Grimaldi in Chanel gekleidet war. Charlotte Casiraghi hätte ruhig noch ein paar mal mehr eingeblendet werden können, eine schönere Frau gab es kaum im Saal. Auch unser Bundespräsident und seine Frau waren geladen. Den 'Regenmantel' hätte sie allerdings im sonnigen Monaco nicht gebraucht, auch wenn er von Rena Lange gewesen ist. Ein Glück, dass wenigstens der zweite Goldfisch im Raum neben der Fürstin Franziska van Almsick modischen Geschmack bewiesen hat.



Die Zeremonie habe ich verfolgt, den Kuss aber irgendwie verpasst. Damit rechnet man doch aber auch nicht bei einer royalen Hochzeit, oder? Die küssen sich normalerweise auf dem Balkon, nicht vorm Altar. Hier aber ist alles ein bisschen anders, eben doch ein bisschen mehr Hollywood. Auch die fliegenden Rosenblütenblätter kamen unerwartet, auch für die Braut. Sie schaute ein bisschen unentspannt drein, als sie den Weg vom Palast zu Wagen antraten und sich dabei vom Volk beklatschen ließen. Mit der Schleppe hatte die Braut da aber wenigstens nicht mehr zu kämpfen, die war verschwunden als sie die Hauskapelle wieder verließen, nachdem dort die Unterschriften geleistet wurden.


Im Hybridwagen ging es dann vom Palast zur kleinen Kapelle Saint Dévote, die im zugebauten Monaco wie unter, neben und hinter die Autobahn gebaut wirkt. Hier weinte Charlène dann auch ein bisschen, lieferte endlich die schon vorher von den Facebook-Kommentatoren im ZDF-Ticker eingeforderten Emotionen.
Danach schaltete dann das ZDF seine Übertragung ab und im Abspann wurden wir nochmal schnell an die eher dunklen Seiten der Grimaldi'schen Familiengeschichte erinnert: 'Irresistible/irreversible/I can't fight the temptation./Call it physical/it's illogical/still I love/the sensation./Irresistible/irresponsible/irregardless of reason./Love's swept over me' und so weiter.
Der Abend klingt nun mit einem Ball aus, aber dafür haben wir leider keine Einladung mehr. Ich zumindest war von der Hochzeit begeistert, die Braut war wunderschön und alles rundherum mehr als glamourös.


Bereits gestern wurde schon die standesamtliche Trauung vollzogen, im kleinen Kreis und zivil. Charlène trug da Chanel, ein zart hellblaues Kleid mit passender Jacke.

Bilder von FAZ.net, Spiegel.de und Facebook

2011/07/02

Royale Hochzeit In Monaco: Erste Eindrücke...


Also während der Hochzeit hat man lieber Facebook geschlossen und den Ticker an der Seite beim ZDF Livestream auch lieber ignoriert. Mehr als Spott und Häme hatten die meisten nicht übrig für Fürstin Charlene und Fürst Albert. Dass es sich bei der Hochzeit nicht um ein Event mit zur Schau getragenen Emotionen handeln würde, hätte doch allen im Vorfeld klar sein können. Und wie anders hätte Charlene schauen sollen während der Predigt? Keine Ahnung was manche erwarteten, ich zumindest bin sehr gerührt und finde es ist eine wunderschöne Hochzeitszeremonie.
Nach William und Kate, der Vorzeigehochzeit im Frühling, stand nun das um einiges glamourösere Event im Fürstenhaus Monaco auf dem Programm und schon das Brautkleid lies bezüglich Schleppenlänge und Aufwand kaum Wünsche offen. Eine ellenlange Schleppen und dazu 40.000 Kristalle und 30.000 Perlen lies den Gang über den mehr als 100 Meter langen roten Teppich zum Kraftakt werden. Charlene's geübten Schultern sei Dank, alles lief reibungslos. Giorgio Armani hat ein schönes Kleid entworfen, keinen wirklichen Burner, aber doch passend und würdevoll. Nur die knapp unter den Schultern befestigte, und sicherlich später abnehmbare Schleppe, wirkte wie ein sperriger Fremdkörper und hätte ruhig wegfallen können. Über dem tief im Nacken sitzenden Chignon wurde ein langer Schleier aus Seidentüll befestigt und von einem Haarschmuck in Form von Blumenranken gekrönt. Kein Diadem, aber sehr edel.
Ich werde nun genauestens recherchieren und für morgen einen Post mit vielen weiteren Details verfassen...

Bildquelle: Spiegel.de

Weiß Gegen Bunt...


Eigentlich wollte ich über ein wunderschönes weißes Hemd schreiben, dass ich gestern bei The Sartorialist entdeckt habe. Kein geringerer als Kanye West trug dieses als er in Paris von Scott Schuman abgelichtet wurde. Ursprünglich wollte ich nur das Bild posten, aber das wäre ja ein bisschen zu einfach. Noch dazu, weil ich ja gerade in nie vorher gekannter Lust den Spass am Zeichnen entdecke. Ich habe es also versucht zu Papier zu bringen und ein Wunschtagesoutfitspost nimmt nun eine neue Wendung.


Ich war gestern Nachmittag bei einem Künstlerbedarf und habe mir Stifte ausgesucht, die bisher fast ausschließlich mit Bleistift gemachten Skizzen werden nun farbig. Aquarelle-Bundstifte von Faber-Castell haben es mir angetan, mit einem Pinsel lassen die sich wunderbar verwischen. Sieht man ganz gut im Bild, oder?
Und irgendwie, das soll nun keinesfalls vermessen klingen!!!, erinnert mich das Bild an die Skizzen von Karl Lagerfeld...

C/O Gallery Zeigt Sibylle Bergemann Polaroids...


Sibylle Bergemann ist nun die zweite Fotografin, deren Polaroids nun eine eigenen Ausstellung gewidmet wird. Nach Helmut Newton können wird uns nun auch das Werk einer der wichtigsten deutschen Fotografinnen der Nachkriegszeit ansehen, und vielleicht sogar Vergleiche ziehen.
Ich war gestern nicht bei der Eröffnung, habe mir also selbst noch keinen Eindruck verschaffen können. Ich gehe aber davon aus, dass sie gut kuratiert sein wird.

Bild = Buch, von Hatje Cantz. Mehr Info hier

2011/07/01

Grafisches Von 'Meisterhand'...


Noch ganz inspiriert von den grafischen Darstellungen von Mode im Kulturforum, habe ich gestern ein bisschen rumgekritzelt. Natürlich nicht ohne vorher zu überlegen, welche Kollektion bzw. Teile aus welcher Kollektion ich mit meinen Fähigkeiten darstellen könnte. Walter van Beirendonck hatte so lustige Bibo-Verschnitte auf dem Laufsteg, Kugelwesen könnten es auch gewesen sein. An die haben ich mich rangetraut...



Kollektionskritik 2.0...


Gerade eben haben wir die Männerschauen hinter uns gebracht, unzählige Kollektionen wurden gezeigt und größtenteils auch schon abgeurteilt. Nie war Kritik an Mode so schnell und auch so weitreichend wie heute. Nie waren Kollektionen schneller in den Himmel gelobt...
Eigentlich hatte ich vor nach den Schauen eine Top- und Flop-Liste zu erstellen, Favoriten vorzustellen und Andere, deren Sachen mir nicht so wirklich zusagten, in den Boden zu stampfen. Doch bei längerer Betrachtung und dem Lesen bereits hier und andernorts veröffentlichter Kritiken habe ich festgestellt, dass es so einfach doch nicht ist. Vor allem neigt man als Kommentator dazu ein Werturteil über einen Kollektion abzugeben, ohne sich aber tiefgreifend damit beschäftigt haben zu können.
Eine schwarze Hose ist eine schwarze Hose, da kann man auf den ersten Blick nicht viel zu schreiben. Ob diese gut oder schlecht ist, kann erst der spätere Träger entscheiden, da das Design unweigerlich hinter die Funktionalität tritt sobald sie sich vom virtuellen Objekt, das in der perfekt inszenierten Realität der Modenschau existiert, in etwas vollkommen Reales verwandelt, etwas das in das Leben eines Menschen eintritt, der sich bewusst für oder gegen einen Kauf entscheidet. Kaum aber wird sie symbolisch aufgeladen sein, zumindest dann nicht wenn sie schwarz und schmal daherkommt und klar ersichtlich hinter die anderen Teile der Kollektion zurückzutreten hat, um diese in den Vordergrund zu stellen. So konnte man es deutlich in der Kollektion von Raf Simons sehen; wichtig waren die Mäntel, die Jacken, die Tops, nicht aber die schwarze, schmale Hose, die zu jedem Outfit gezeigt wurde.


Anders sieht es hingegen mit den kleider- und rockähnlichen Outfits bei Rick Owens aus, hierzu hatte ganz augenscheinlich jeder eine Meinung. Die einen definierten es als das Neue schlechthin und für den weitaus größeren Teil ist es nicht nur persönlich indiskutable Bekleidung, sondern zukünftige Träger werden als Fashion Victims schlimmster Sorte abgeurteilt. Dabei ist Owens nur der radikalste unter denen, die im Rock das männliche Bekleidungsstück der Zukunft sehen. Givenchy zeigt seine abgewandelten Schottenröcke schon seit mehreren Saisons und die Japaner haben sowieso eine völlig unbefangene Haltung diesbezüglich. Und dann ist da ja noch der Rockträger des neuen Jahrzehnts: Marc Jacobs.
In den 1980-ern kam der Trend zum ersten Mal auf, Jean Paul Gaultier wird immer mit Männerröcken in Verbindung gebracht. In den 90-ern kam dann die Love Parade und der Rock wurde bei den Techno-Pilgern genauso Bestandteil der Alltagskleidung, wie bei den Gothic-Fans. Nun taucht er wieder auf, wird sicherlich wieder kein Massentrend und löst noch immer die Selben Reaktionen aus, von Unverständnis bis hin zu tief sitzender Abneigung ist alles dabei.
Gerne angeführt wird, dass es sich um Show-Stopper handelt, die es nie in Produktion schaffen. Doch eigentlich greift genau hier Mode an, schließlich ist Mode nicht das was eh schon alle tragen und sich im kollektiven Verständnis manifestiert hat, sondern das was im ersten Moment verstört und nur von einer kleiner Gruppe als Zeichen des Anderseins aufgenommen wird. Erst nach Jahren schafft es diese Kleidung den Massenmarkt zu erreichen, wenn überhaupt. Und trotzdem ist sie am Ende mehr Mode und Zeitgeist als eine schmale schwarze, vielleicht sehr gut sitzende Hose.
Worüber sich aber keiner Gedanken macht ist ein anderes Phänomen, das in meinen Augen mit den Owens’schen Kreationen einen Höhepunkt erreicht. Im Grunde liefert er nämlich die Bekleidung für den 'modernen' Mann. Was als urbaner Krieger und unantastbarer Mönch verkleidet daherkommt, könnte auch gut das Heimchen am Herd sein, in einer ähnlichen Zwangsjacke gefangen, wie die Frauen am Ende des 19. Jahrhunderts. Nicht nur das Korsett fesselte die Frau, auch die teils überbodenlangen Röcke hinderten sie daran sich frei zu bewegen. Und nun sind Männer endlich soweit 'emanzipiert', dass die sich in diese Fesseln begeben, während die meisten Frauen schon längst die Hosen anhaben. Yves Saint Laurent brachte den Frauen den Tuxedo, Owens liefert nun das passende lange Kleid für den Mann...


Doch es bietet sich auch noch eine dritte Möglichkeit. Wir lösen uns von allen bisherigen Vorstellen von Bekleidung und betrachten alles aus einer neutralen Perspektive heraus. Wir lösen die Vorstellungen von männlich und weiblich auf, und lassen auch die dem jeweiligen Geschlecht bisher zugeteilten Bekleidungen neutral werden. Das Byzanz des 5. bis 10. Jahrhundert könnte Vorbild sein.
Modekritik sollte neu definiert werden, vielleicht in dem Schreiber eine klare Position einnimmt und mitteilt was seine Perspektive ist. Die könnte zum Beispiel die Sicht eines Retailers oder des Endverbrauchers sein, oder aber die von jemanden der Mode als Kunst bewertet und dem es auch möglich ist sie in einem historischen Kontext zu verankern. Oder aber sie kann nach ästhetischen Massstäben stattfinden, vielleicht sogar ausgehend vom eigenen Körper und dem Wissen darum ob man etwas tragen kann oder nicht.
Aus der Sicht des Retailers würde ich die langen Röcke und Kleider als Ladenhüter betrachten, wenn mein Laden nicht ausgerechnet der Inbegriff des Avantgarde-Designs und Anlaufstelle für alle deutschen Owens-Jünger ist. Als Modehistoriker würde ich die owens'sche Kollektion in einem Manifest feiern und in ihr einen ähnlich visionären Geist feiern, wie in André Currèges, Paco Rabanne und Pierre Cardin in den 1960-ern in die Welt brachten. Würde mir das Vergnügen obliegen eine Sammlung von bahnbrechender Mode betreuen zu dürfen, würde ich diese Kollektion zumindest in weiten Teilen ankaufen und als eine Vision neuer Männermode für zukünftige Generationen bewahren wollen. Und als Kunde üben die Kleidern dahingehend einen Reiz aus, als das ich zumindest einen Tag lang in ihnen verbringen wollen würde. Ich würde offen meinen Umwelt und mich selbst beobachten wollen, nur um zu schauen wie es sich anfühlt und darin lebt. Denn Momentan kann ich sie nicht in meine Lebenswelt transportieren, da man weder zwei Stufen auf einmal nehmen kann ohne die Röcke zu raffen, noch irgendwie undramatisch ins Auto steigen kann. Und was gibt es könnte ich über eine schwarze Hose schreiben?

Bilder von Rick Owens, Raf Simons und Givenchy via Style.com